Ukraine-Krieg: Mit Explosionen in Saki auf der Krim beginnt neue Phase

Auf der Krim fliegt ein Flugplatz teilweise in die Luft. Kiew hat dazugelernt.

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Egal welchen asymmetrischen Krieg der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg man nimmt: Immer sah es für die stärkere Seite zunächst einmal gut aus. Die ersten Einsätze der US Air Force über Vietnam waren verlustreich für Nordvietnam; die Russen und später die US-Truppen stießen in Afghanistan schnell bis Kabul vor; die USA erreichten Bagdad innerhalb weniger Tage und Russland über Syrien zunächst einmal viel. Der Angriff ließ sich publikumswirksam als Erfolg zu Hause verkaufen.

Bis die Rückschläge folgten. Die USA zogen sich aus Vietnam, Afghanistan und dem Irak im wesentlichen zurück; ebenso Russland aus Afghanistan und Syrien wird noch folgen. Zur Erinnerung: Der mit einigen Maschinen begonnene Einsatz dauert nun seit bald sieben Jahren und geht und geht nicht zu Ende. Zum Vergleich: Der Vietnamkrieg hat etwa neun Jahre gedauert.

Im Unterschied dazu scheiterte der erste Anschlag Russlands im Angriffskrieg gegen die Ukraine zumindest im Norden und Nordosten. Dafür ging es im Süden einigermaßen voran. Im Osten blieben die Vorstöße bis heute bescheiden.

Was jedoch bisher fehlte: Der Untergrundkrieg. Der aber könnte mit den Explosionen auf dem Stützpunkt Saki auf der Krim begonnen haben und mit ihm eine neue Phase im russischen Ukraine-Krieg. Satellitenbilder zeigen weitreichende Zerstörungen auf der Anlage. Der Kreml hat zumindest die Explosionen eingestanden, behauptet aber, es handele sich um einen Unfall beim Hantieren mit gelagerter Munition. Wieder einmal ist Moskau eher bereit, die technische Unfähigkeit seines eigenen Personals einzugestehen, als einen Erfolg der Ukrainer.

Neu ist dagegen die Reaktion aus Kiew. Statt einen eigenen Erfolg zu melden, hält sich der ukrainische Generalstab bedeckt. Ja, auf der Krim gab es Explosionen. Aber nichts genaues weiß man nicht.

Fest steht nur: Es hat Explosionen gegeben. Die Bilder von Touristen, die am Strand sitzen und den Rauchpilz photographieren wurden durchs Internet gereicht.

Angesichts der Entfernung des Stützpunkts von der Frontlinie wird spekuliert: Es könnte sich um neue Raketen der Ukrainer handeln; es könnte sich um Raketen handeln, die eigentlich gegen Seeziele eingesetzt werden sollten; es könnte sich auch um einen Anschlag der ukrainischer Partisanen handeln oder auch um Sabotage durch russische Soldaten; womöglich wurden den Ukrainer Raketen mit einer größeren Reichweite von den Amerikanern geliefert.

Vermutlich weiß der Kreml nicht, was in Saki passierte und nun tappt die Führung im Dunklen. Ob Kiew genau weiß, was passierte, darüber kann man nur spekulieren. Und das ist auch gut so. Israel verfährt nach diesem Muster, seit der jüdische Staat 1948 das Licht der Welt erblickte. Es ist eine Strategie der Unsicherheit, die den Gegner verwirrt.

Einiges spricht aber dafür, dass die Ukraine aktiv war und es sich nicht um eine versehentliche Explosion handelte, wie sie ja durchaus vorkommen können. Nicht zufällig hat Präsident Selenskij erst vor zwei Tagen die Rückeroberung der Krim angekündigt. Die angedrohte Offensive im Süden gegen Cherson und den Zugang zur Krim kommt langsam voran, aber sie kommt voran. Angriffe im Hinterland des Gegners, die die Militärführung unkommentiert lässt, sind da ein vielversprechendes Mittel, erfolgreich zu sein.

Denn es ist mit Sicherheit schwierig für die ukrainische Armee, die russischen Truppen direkt zu attackieren. Hohe Verluste sind programmiert, da mobile Verbände kaum im benötigten Umfang zur Verfügung stehen. Und vermutlich wartet der Kreml nur darauf, dass Kiew aus Übermut über die bisherigen Erfolge diesen Fehler begeht: Als Schwächerer den Stärkeren anzugreifen.

Beginnt der ukrainische Generalstab aber im Hinterland der russischen Front einen Untergrundkrieg, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass die nur äußerst langsam vorrückende russische Frontlinie endgültig zum Stehen kommt und die russische Front erodiert. Ein Blick auf die Karte macht deutlich, dass die Krim nur mit hohem Aufwand versorgt werden kann. Angriffe gegen die Brücke über die Straße von Kertsch – eigentlich zwei Brücken – sind zu erwarten und mit einiger Wahrscheinlichkeit früher oder später erfolgreich. Russland wird zu spüren bekommen, was es heißt, gegen einen kriegsbereiten Gegner Land zu besetzen. Ein dauernder, verlustreicher Kampf steht bevor, ähnlich zäh und unerbittlich wie in Afghanistan und jetzt in Syrien. Baden wird dann auf der Krim im Schwarzen Meer kaum noch ein Zivilist.

Die Situation wird auch nicht besser durch die geplanten russischen Referenden in den besetzten Gebieten, die eine propagandistische Witznummer sind – ähnlich den Wahlen in Vietnam oder Afghanistan.

Aber sie wird auch nicht besser durch die Ankündigungen aus Kiew, die Krim zurückzuerobern. Dass Russland sich einfach zurückzieht, ist wenig wahrscheinlich, eben weil die Krim nicht Vietnam, Afghanistan oder Syrien ist. Vielleicht sollten beide Regierungen einen Blick in die Geschichte des Balkans werfen, um zu sehen, was ihnen unter Umständen droht. In welcher Rolle?

Moskau könnte den Untergang Habsburgs analysieren; Kiew das Schicksal Serbiens. Ob Putin und Selenskij klug daraus werden? – Wohl kaum.

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[zum Weiterlesen: Siege und Niederlagen]

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Wolfram

Ps. Bin eig. kein Freund von turbo-kapitalistischen Wendehälsen, die die sozialistische Ideologie ihrer eig, Partei verraten haben. Bestimmt nicht !! Aber ...

... ggf. ist die vielgescholtene Person des Altbundeskanzlers Schröder und sein guter Draht zu Putin ja der Grund, warum es über unser Land noch keine russ. Thermobomben gehagelt hat ??? - wer weiß

Gravatar: Wolfram

Deutschland hätte NIEMALS ein Gewehr, einen Panzer oder einen einzigen Schuss Munition an die Ukraine liefern dürfen !!! WARUM das denn ?

1. Wegen der dreisten, immer unverschämter werdenden Forderungen nach Lieferung neuster Waffen seiner Polit-Protagonisten und wegen der völlig unangebrachten / haltlosen Schuldzuweisungen an unser Land

2. weil die Wehrmacht schon genug Unheil in Osteuropa angerichtet hatte

3. Stattdessen hätten wir nach den Schutzhelmen, Verbandsmaterial, Medizin, Verbandsmaterial, Krankenwagen, Löschfahrzeuge, Busse und Waggons zur Evakuierung der Bevölkerung, Zelte, Notstromaggregate, Feldküchen, Nahrungsmittel usw. liefern sollen. - NICHTS WEITER !!!

4. Und weil die Ukraine immer dreister versucht (hat) , die NATO und die BRD mit in den Krieg hinein zu ziehen bzw. zu verwickeln, hätten wir beim anfänglichen Kurs der Bundesregierung - keine Angriffswaffen - bleiben müssen.

5. Nordstream 2 hätte in Betrieb gehen müssen.

6. Auch die Sanktionen gegen Russland halte ich für falsch - ein Boomerang gegen die eigene Wirtschaft, denn wo gehandelt wird, da gibt es keinen Krieg

7. schon das NATO-Manöver auf dem Gebiet der Ukrainer war eine Mega-Provokation für Russland - also m.E.viele diplomatische Fehler des Westens

8. an dem Ukraine-Krieg ist der Westen deshalb nicht ganz unschuldig (jahrelange Demütigungen u. Provokationen Russlands gingen dem voraus) - ungeachtet des völkerrechts-widrigen Expansions-Bestreben Russlands.

nur meine Meinung

Gravatar: Alexander Achtstätter

Noch vor einigen Jahren berichteten unsere Qualitäts- und Informationsmedien eifrig über den Rechtsradikslismus in der Ukraine.
Da sah man Bilder von kahlköpfigen, mit SS-Runen und Hakenkreuz tätowierten, bewaffnete Neonazis welche, schwarz-uniformiert im Stechschritt und Hitlergruß, über den Bildschirm wanderten.
Als Putin über die Entnazifizierung der Ukraine sprach wurde er von der gleichen Presse als Lügner geächtet.
Entweder haben unsere Medien damals gelogen oder Putin jetzt!?

Den Amis war es schon lange ein Dorn im Auge dass Russland den Großteil des europäischen Marktes mit Gas versorgt.
Jetzt hat man wohl die geeigneten Vorwände die Karten neu zu mischen und Europa führt einen Stellvertreterkrieg für die USA.

Gravatar: Schnully

Was wäre wenn Russland , sagen wir einmal den Krieg verlieren will ?
Zunächst gebe es Zugang zu Russlands Rohstoffe was zum Streit zwischen USA und Europa führt . Was bei uns zu keinem Cent Energiepreis Ermäßigung führen würde , weil die Energiepreise politisch gewollt sind .
Zum andern werden die Bewohner Russlands unterstützt , wobei die jetztigen Ukraineaufwendungen Peanuts sein werden . Bekommen dann geflüchtete Russen auch mit 57 deutschen Rentenanspruch , wie Ukrainer ?
Also hat Niemand Interesse daran Russland verlieren zu sehen , auch wenn Selenski das wie so vieles fordert . Bleibt also nur ein erzwungener Frieden zwischen den Ländern die auch Rohstoffe beinhalten . Aber Frieden ist mit Selenski nicht zumachen , würde er doch seine Einnahmen erheblich schmälern . Putin hat wenigstens ein paar halbherzige Angebote gemacht um diesen Krieg zu beenden . Wobei sich einge Länder für Friedensverhandlungen zur Verfügung stellten ,was aber von Selenski abgeschmettert wurde . Statt sich vor der Gasturbine fotografieren zulassen , was nur die Unfähigkeit seiner Ampelpolitk wieder spiegelt , sollte sein Ziel sein , sich zusammen mit Selensky und Putin ablichten zulassen . Vielleicht merken die Bewohner dieser Länder auch selbst das Frieden mit denen nicht möglich wird und setzen sie ab . Denn sie sind es die an Fronten sterben und nicht Putin und Selenski

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

... „Angesichts der Entfernung des Stützpunkts von der Frontlinie wird spekuliert“: ...

Was allerdings ´keine` Spekulation zu sein scheint, ist das nun entstandene Misstrauen der US-Eliten in dieses Selenskyj!
https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/tiefes-misstrauen-lassen-die-usa-selenskyj-fallen-li.253124

Darf man deshalb davon aufgehen, dass die Stunden gezählt sind, bis dieser auch aus meiner Sicht mordende Schwerverbrecher von den Amis ´endgültig` fallen gelassen wird, die Ukraine den Russen reumütig übergeben werden ´muss` und den Wolodymyr
von den Amis ein ähnliches Schicksal erwartet, wie sie es Saddam Hussein bescherten???

Gravatar: Stefan Riedel

@Hallo Stephan Riedel (mit "ph"),

welche Sprache ist das? Welche Schriftzeichen?
Vietnamesisch? Bitte entschuldigen Sie meine Bildungslücke.

Gravatar: Stefan Riedel

Hallo Herr Schnully,
ich habe eine Spekulation über den Willen der Bevölkerung
der Ukraine geäußert. Richtig! Sie antworten mit der berechtigten "Gegenspekulation". Danke!
Gut, wägen wir ab.
Wir erinnern uns, 24.Frebuar 2022. Die Ukraine hat nicht
Russland angegriffen. Die Prognosen waren:" In einer Woche stehen die russischen Truppen in Kiew?" Warum nicht? Hat das nichts mit dem Willen der Ukrainischen Bevölkerung zu tun? Amerika ist schuld!? Auch Amerika hat nicht so viele $!

Gravatar: Schnully

Hallo Herr Riedel
Ich glaube nicht das Selenskys Kriegstreiberpoltik dem Willen der Bevölkerung entspricht da der Krieg auf beiden Seiten zu viele Tote fordert . Lebten sie doch früher im Einklang mit den Russen , jedenfalls solange bis ihre korrupten Politiker das Dollarzeichen wichtiger , als die eigene Bevölkerung wurde . Selensky nutzt die Günst des Westens und sammelt Gelder am laufenden Band ein . Wofür bleibt ihm überlassen . Je mehr er die bösen Russen beschuldigt , umso mehr Hilfsgelder werden freigesetzt . Daher hat Selensky kein Interesse am Frieden den er von immer schärferen Bedingungen abhängig macht .

Gravatar: Stefan Riedel

Good morning Vietnam! Доброе утро, Вьетнам!!

Gravatar: Stefan Riedel

Genau so ist es. Putin ist ein Mörder. Die Ukrainer wehren sich mit allen Mitteln.

Gravatar: fishman

Drei verlorene Kriege! Sie wurden wegen u.a Erschöpfung verloren, wegen Aussichtslosigkeit oder aus taktischen Gründen beendet. Jedenfalls irgendwie ohne Alternative. Diese Zeiten sind heute aber vorbei. Alternativlos einen Krieg zu verlieren gilt nicht mehr für Russland. Das muss jedem klar sein, der halbwegs bei Verstand ist.

Gravatar: Wolfgang Hebold

Werter Hajo,

Russland hat in den vergangenen 120 Jahren drei Kriege verloren. 1905, 1917 und 1989. Zumindest der Kalte Krieg ging wirtschaftlich verloren.

Grüße,

Wolfgang Hebold

Gravatar: fishman

Diese Chance der Nutzung von kleinen Scharmützeln hier und dort als Zermürbungsstrategie ist eine Option die dem Gegner zu schaffen machen kann. Aber wie Sie schon sagten. Russland wird sich nicht einfach so zurückziehen. Wenn die brücke über den Kertsch zerstört würde, bekäme der Krieg eine andere Qualität. Ich glaube nicht, daß es für Russland eine große Schwierigkeit ist, sämtliche Regierungsgebäude in Kiew schlagartig zu zerstören. Und genau das ist es, was sich die Lieferanten von Kriegsmaterial an die Ukraine anstatt von sofortigen Verhandlungen und Beendigung von Kampfhandlungen versprechen. Eine Ausweitung des Krieges, eine Eskalation der Kämpfe, die leicht auf das übrige Europa übergreifen werden. Bevor man Russland in die Knie zwingen wird, wird genau das passieren. Die Ukraine ist für Russland nicht der Hindukusch, was der für Herrn Struck war. Wir beginnen uns an die äußerst gefährliche Unterstützung der Ukraine mit Waffen zu gewöhnen. Wir sollten uns mal wieder die Frage vergegenwärtigen, was machen wir hier eigentlich ohne Not? Welches Spiel mit dem Feuer haben wir eigentlich warum begonnen? Die Phrasen von der Verteidigung von Demokratie und Freiheit, in dem korrupten Land der Oligarchen Ukraine, sind angesichts der eigenen, mutwillig herbeigeführten Störung von Demokratie und unabhängiger, überparteilicher und freier Presse sowie weiterer Angriffen auf die Gewaltenteilung im eigenen Lande, nicht überzeugend. Die mit dieser angeblichen Solidarität selbst zu erleidenden diversen Mängel und Teuerungen für fundamentale Gegenstände und Rohstoffe und Lebensmittel des täglichen Bedarfs der eigenen Menschen und die zu erwartenden Schäden, sind unverhältnismäßig und erreichen über kurz oder lang den Grad der Selbstverstümmelung einer ganzen Volkswirtschaft. Das es hier um Strategie und Absicht geht , steht für mich außer Frage, da man diesen Krieg und die Mangelsituation mit einem Schlag beenden könnte. Angesichts der zu erwartenden eigenen Schäden kann man wohl kaum von Gesichtswahrung reden, und damit die Änderung zum Positiven und einem Waffenstillstand absichtlich verhindern.

Gravatar: Hajo

Ihr Plädoyer für die Transatlantiker in Sachen Ukraine mag vielleicht der alten Aussage entspringen, vorwärts Kameraden, wir müssen zurück und könnte eine Fehleinschätzung sein, weil man nie weiß was folgen wird und eine Schlacht kann man gewinnen, maßgelblich ist aber der Sieg in einem Krieg und den werden sich die Russen von niemand nehmen lassen, weil es für sie ums Ganze geht und mal sehen, was da noch kommt, denn die gehen im Donbaß beharrlich ihren Weg und wenn es ihnen zuviel wird, könnten sie ja Kiew in einer Stunde platt machen, was noch kommen könnte, wenn die Wadenbeißer der Amis so weiter machen.

Die Annahme, man könnte Rußland wirtschaftlich niederringen dürfte ziemlich verwegen sein, die werden sicherlich unter all den Maßnahmen leiden, aber sie haben genug Gönner, die sie heimlich unterstützen werden, denn die sehen, was passiert, wenn und ihnen könnte dann ähnliches passieren und das macht stark und verbindet, was die Großkotze im Westen übersehen und auch sie können das Ende ihrer Kräfte erreichen, auch von innen heraus, wenn die Leute die Schnauze vollhaben für einen Schurkenstaat auf alles auf Jahre verzichten zu müssen.

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