Ukraine-Krieg: Der Sieg von Cherson und seine Bedeutung

Die Ukrainer rücken kampflos in Cherson ein und erreichen damit das höchste Ziel einer Kriegsstrategie: Zu siegen, ohne zu kämpfen. Sun Tzu hätte seine Freude gehabt.

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Fast möchte ich den Sieg der Ukrainer am rechten Ufer des Dnjepr als einen Glanzpunkt am Ende einer langen Phase der Rückeroberung von durch Putins Truppen besetztes Gebiet bezeichnen. Wenn da nicht die Fehldeutungen einiger Militärexperten wären, die Cherson etwa mit dem Kessel von Falaise vergleichen, also jener Kapitulation von etwa 130.000 Soldaten der Wehrmacht im August 1944.

Sicher, die Ukrainer haben mit der Befreiung von Cherson von den russischen Besatzern einen großen Erfolg errungen. Insbesondere haben sie am unteren Dnjepr gegen die von Potemkin gegründete Großstadt Cherson einen Sieg errungen, ohne eine Offensive vor Cherson beginnen zu müssen. Und das, nachdem über Monate wieder und wieder eine Offensive angekündigt worden war, tatsächlich aber anderswo angegriffen wurde und das mit unerwartetem Erfolg.

Die russischen Besatz ziehen sich – klugerweise, muss man sagen – kampflos auf das linke Ufer des Dnjepr zurück. Sie hinterlassen eine zerstörte und ausgeraubte Stadt. Viele Ukrainer wurden entführt, in einigen Fällen Kinder von ihren Eltern getrennt. Und das, nachdem in den Scheinreferenden des vergangenen Monats angeblich 98 – oder waren es 99 – Prozent der Bewohner für Russland gestimmt haben sollen. Viele Ukrainer waren tatsächlich im Februar nach Westen geflohen.

Daß sie umgehend nach Cherson zurückkehren können, ist illusorisch. Die Stadt wird von den Russen weiter beschossen. Straßen und Plätze sollen vermint worden sein. Man kennt das aus Kiew; nein, nicht aus diesem Frühjahr, sondern aus dem Sommer 1941. Die halbe Stadt flog in die Luft, nachdem die Wehrmacht eingerückt war. Verbrannte Erde nannte sich das in jenen Tagen. Nichts passiert in diesem Krieg, was von anderen Kriegen her nicht schon bekannt ist und daher umso glaubhafter ist.

Die Niederlage Putins ist die verdiente Demütigung einer arroganten russischen Elite, die in Russland noch immer die Supermacht sehen will, die es schon seit geraumer Zeit nicht mehr ist. Daran hat auch die Teilnahme am Syrienkrieg nichts geändert. Wer Waffen aus dem Iran beziehen muss, weil die eigenen Depots nichts mehr hergeben, der wurde zur Mittelmacht degradiert.

Spannend bis amüsant sind die Reaktionen der Putin-Versteher. Sie singen seit den ersten Tagen des Ukraine-Kriegs ein Potpourri aus Erklärungen und Ausreden, das es mit den schlimmsten Ergüssen jener berüchtigten Meldungen aus den letzten Monaten des Dritten Reiches aufnehmen kann, in denen es von Frontbegradigungen und geplanten Absetzbewegungen der Wehrmacht nur so wimmelte. Wer klar denken konnte, wusste, was sich hinter den Euphemismen verbarg: Die unaufhaltsame Niederlage.

So weit ist Russland jedoch noch lange nicht. Eine Sieg der Ukraine kann nur die Rückeroberung der besetzten Gebiete bedeuten aber sicher keine Eroberung Russlands; allerdings war davon auch niemals die Rede. Den anderen erobern wollte bisher nur der Kreml. Ob das Putin-Regime eine solche Rückeroberung jedoch übersteht, das steht auf einem anderen Blatt.

Aber im Überschwang des Sieges vor Cherson sprießen die Fehldeutungen in den Himmel. Nicht in der Ukraine. Dort freut man sich nur. Aber im Internet. US-General a.D. Mark Hertling sieht tatsächlich Parallelen zum Kessel von Falaise, bei dem im August 1944 etwa 50.000 Soldaten in Gefangenschaft gerieten, weil die deutschen Führungsstäbe zu spät den Rückzug befahlen. Zuvor hatten die Alliierten nach der Landung in der Normandie die deutschen Truppen umfasst. Zeitweise drohten amerikanische, kanadische und polnische Einheiten etwa 130.000 Mann einzuschließen. Einen Rückzug hatte Hitler verboten und General Kluge durch den scheinbar linientreuen General Model ersetzen lassen – der aber umgehend den Ausbruch Richtung Osten aus dem noch nicht vollständig geschlossenen Kessel befahl.

Bei den Kämpfen im Osten des drohenden Kessels griff auf alliierter Seite die 1. polnische Panzerdivision entscheidend ein – ein Beitrag, der in vielen Darstellungen vergessen wird, so wie auch selten deutlich gemacht wird, daß Polen das einzige Land war, das vom ersten bis zum letzten Tag des Zweiten Weltkriegs in Europa gegen Nazi-Deutschland gekämpft hat, während andere Staaten wie Russland Hitler mit allen Mitteln unterstützten.

Und hier liegt die eigentliche Parallele zum Rückzug der Russen aus Cherson und dem Ukraine-Krieg. Es ist vor allem das von den EU-Oberen und dem links-grünen Establishment gehasste Polen, das die Ukraine in ihrem patriotischen Krieg gegen die russischen Invasoren unterstützt. Aber auch das gehört zu den Paradoxien des Ukraine-Krieges: Die Gegner des autoritären EU-Systems werden auch von den Unterstützern Russlands bekämpft. So reichen sich die Anhänger autoritärer Strukturen über Polen und die Ukraine hinweg die Hände. Weder die Brüssel noch Moskau haben Interesse einem polnisch-ukrainischem Wirtschaftsraum, der christlich verankert ist und Europa im besten Sinne des Wortes vertritt.

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[zum Weiterlesen: Siege und Niederlagen]

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Desperado

Menschen, die aus Cherson fliehen, erzählen, wie sie von den Pro-Ukrainern in der Stadt behandelt werden
Die Brutalität des Kiewer Regimes spiegelt sich wider. Kriegskorrespondent Grigory Berezetskyi traf Menschen, die vor den Repressalien der ukrainischen Nationalisten flohen. Sie werden von Freiwilligen in Motorbooten aus der Stadt gebracht.
"Ich habe mein Auto in Cherson gelassen, meine Frau und ich haben unsere Pässe, Hosen und Socken mitgenommen und sind gegangen", sagte ein Mann aus Cherson.
Einheimische berichten, dass mit dem Einrücken der ukrainischen Kämpfer in Cherson Chaos ausgebrochen ist: Auf den Straßen sind Spuren von Kettenfahrzeugen zu sehen und auf den Straßen werden Nazi-Parolen gerufen.
Die friedliche pro-russische Bevölkerung ist Repressalien ausgesetzt, Menschen werden an Pfähle gebunden. Einer der ukrainischen Na2 ( Aber die BRD schüttet sie mit Steuergeldern und Waffen zu um es dann vom Volk nochmal zahlen zu lassen )zis wurde in einem CNN-Bericht dabei erwischt, wie er die Hand zum Nazi-Gruß an die Armee erhob. 15.11.202

Gravatar: Ulrich Müller

Der Ukraine Krieg ist ja eine schreckliche Sache, über die man wahrlich nicht lachen sollte. Aber wenn ich Herrn Hebolds obsessive Attacken gegen Russland lese, die er hier gefühlt alle drei Tage posted, dann weiß ich nicht, ob ich lachen oder mitleidig den Kopf schütteln soll.

Da führt er mit flammendem Eifer einen erbitterten Kampf gegen Russland und natürlich die „Russland-Versteher“ , immer streng ideologisch auf der Linie der Mainstreammedien. Was einen etwas wundert, denn hat sich die Freie Welt nicht dem Kampf gegen die inzwischen immer irrer werdende Mainstream-Propaganda gewidmet? Und was wir in diesen Medien zu lesen/hören bekommen: „Fantastischer Sieg über Russland in Cherson“, „Russland ist am Ende“. Russland kann nicht kämpfen“, „Putin ist todkrank“ „alles völkerrechtswidrig“ (Frau Bärbocks Lieblingsargument, da sie sich ja mit dem Völkerrecht perfekt auskennt) und was sich die pro-Ukraine-Knallfrösche und die Propagandaschleudern der Mainstream Medien noch so alles aus den Fingern saugen.

Und wenn man dann von Herrn Hebold so Sätze wie „Weder die Brüssel noch Moskau haben Interesse einem polnisch-ukrainischem Wirtschaftsraum, der christlich verankert ist und Europa im besten Sinne des Wortes vertritt“ liest, die weder von der wirren Syntax noch von ihrem wirren Inhalt her Sinn machen, dann fragt man sich wirklich, was um alles in der Welt den Herrn Hebold eigentlich glauben macht, dass er bei diesem Thema ernsthaft mitreden kann! Merken Sie eigentlich gar nicht , Herr Hebold, dass Sie überall nur auf Ablehnung stoßen mit Ihren an den Haaren herbeigezogenen Tiraden?

Gravatar: Hans von Atzigen

Für Russland ist der Fluss eine natürliche Grenze
Strategisch allemal besser zu verteidigen, heute
und sicher auch für die nächsten Jahrhunderte.
Dazu ist eh alles Platt und muss neu Aufgebaut werden.
Es gibt noch andere Ortschaften in der Gegend da
können die Russen ein Neu Cherson aufbauen.
Am Rechten Ufer darf dann die Ukraine auf Kosten
der EU nach der Schutbeseitigung neu aufbauen.
Das ,,Goldstück'' Ukraine wird ein teuers Goldstück
für die EU.---Davon spricht NOCH niemand!!!---
Der Rückzug vom rechten Ufer ist für die Russen ein Akt der rationalen Vernunft, insbesondere für die Zukunft.
Die Russlandfreundlichen können ohnehien nach
diesem Krieg NICHT MEHR mit den Kiewfreundlichen zusammenleben.
Ergo für die Russen geht fast nichts verloren.

Gravatar: D.Eppendorfer

Ich wundere mich, weil es hier trotz sich anbahnender Adventszeit immer noch Spekulatius dergestalt gibt, dass etliche sogenannte Journalisten sich einbilden, sie würden durchschauen, was sowohl der gepriesene US-Wertwesten als auch der Kreml planen, um diesen tödlichen Kollateralschaden-Konflikt zu ihren Gunsten zu entscheiden.

Schließlich stirbt in jedem Krieg zuerst die Wahrheit!

Und wenn unser totalitär zwangsweise zu bezahlendes Bildungsfernsehen zu einer Nato-hörigen schäbigen Propagandamaschinerie verkommt, in der ein Selenskyi uns Gutdeutschen fast täglich die "richtige" Perspektive erklären kann, dann sollten doch bei den geschichtlich besonders betroffenen Deutschen überall sofort alle Alarmsirenen infernalisch loskreischen.

Leider ist die Volksmehrheit auch heute noch genau so fanatisch verblödet wie früher, als es um die gerechte Sache und den Endsieg gegen Russland ging.

Es ist diese grenzenlose Massendummheit, die mir jede Hoffnung raubt, dass es in diesem auch durch Migration nicht mehr lange unseren Lande mal klüger zugehen werde.

Wenn die Schildbürgerhorde es aber dennoch toll findet, ist ihr Ende bereits abzusehen. Diese Hirnis kapieren nur noch nicht, dass sie den dicken Ast, auf dem sie bisher gemütlich rumsaßen, gerade mit naivem Helfersyndrom, teuren Sanktionen und idiotischer Kriegsgeilheit komplett absägen.

Happy Crash zu Aller Seelen!

Respekt, das nenne ich optimales Timing.

Selig sind die geistig Armen, die sich wichtigtuerisch ein Sorgenfreijenseits erhoffen können, falls ihre Äckschönn hier gewaltig in die Schietbüttelhose geht.

Gravatar: Thomas

Sollte Russland verlieren ,würden Darth Vader Schwabs
Hintermänner gewinnen und das würde die Weltherrschaft,
der reichsten US Familien bedeuten, weder würde es dann
noch diese Seite geben, noch würde Herr Hebold, seine
Meinung kundtun dürfen.

Gravatar: Wolfgang Hebold

Werter Herr Gampe,

bei Telegram gibt es sehr viele Berichte. Solange die nicht auf Konsistenz hin untersucht werden, wie es beispielsweise die Seite https://www.understandingwar.org/ macht, sind diese Berichte den Strom nicht Wert, mit dem sie durchs Internet gesendet werden.

MfG,

Wolfgang Hebold

Gravatar: karlheinz gampe

Telegram, da gibt es einen Beitrag, dass die Ukrainer Menschen, welche sie dort( in den von Russen verlassenen Stätten) antreffen als Kollaborateure umbringen.

Gravatar: Fantasie

Russland hat nur Interesse an den 4 Regionen wo ihre Leute leben und immer bedroht und auch getötet wurden. Ansonsten hat Putin kein Interesse an der restlichen Ukraine und zieht sich daher zurück. Hier von einem Sieg der Ukraine zu faslen ist eben typisch Großmäuliger Schlenski alias P-Pianospieler und Kokser.

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

… „So weit ist Russland jedoch noch lange nicht. Eine Sieg der Ukraine kann nur die Rückeroberung der besetzten Gebiete bedeuten aber sicher keine Eroberung Russlands; allerdings war davon auch niemals die Rede. Den anderen erobern wollte bisher nur der Kreml. Ob das Putin-Regime eine solche Rückeroberung jedoch übersteht, das steht auf einem anderen Blatt.“ …

Weil spätesten anno 2014 feststand, dass Russland die Grundprinzipien der europäischen Sicherheitsordnung, „die sich nach 1990 etablierte und die beide Seiten vertraglich mehrfach anerkannt haben, schon darum nicht mehr akzeptiert akzeptieren“ konnte …
https://dgap.org/de/forschung/publikationen/russland-der-westen-und-die-grundlagen-der-europaeischen-sicherheitsordnung,
dieses Friedmann Georg mit Blick auf die Nato auch durch Deutschland vertretene Nato spätestens im Jahre 2014 öffentlich verkündete, dass die Amis die Russen nicht massenhaft töten – ihnen aber „etwas“ wehtun wollen
https://www.redezeit.net/2022/03/06/g-friedman-pressekonferenz-beim-chicago-council-on-global-affairs/
und es dafür für den gesamten Westen besonders ´deshalb` notwendig war, entsprechende Vereinbarungen zu brechen?!
https://www.youtube.com/watch?v=a6DZaGdJRPw

Ja mei: So wurde auch mir klar, warum das „westliche Verständnis von Gerechtigkeit“ dem Rest der Welt nicht vermittelbar ist!!!
https://freeassange.rtde.me/meinung/154055-westliche-verstaendnis-von-gerechtigkeit-ist/

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