Merkel und Schwarz-Rot-Gold
Merkel und Schwarz-Rot-Gold
Datum: 16.10.2013, 18:27
Kennen Sie das „Customer-Relationship-Management“ (CRM) der CDU? Der Auskunftsdienst der CDU-Bundesgeschäftsstelle nennt sich tatsächlich so. Von dort erhielt ich nun die Antwort auf eine Frage, die ich vor einigen Wochen gestellt hatte. Ich wollte wissen, wie das Verhältnis der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel zu den deutschen Nationalfarben sei.
Es gibt nämlich eine verstörende Szene, die filmisch gut dokumentiert ist. Am Wahlabend des 22. September feierte die CDU ausgelassen. Das Publikum schwenkte zahlreiche schwarz-rot-goldene Fähnchen. Auf der Bühne standen hochrangige Parteigrößen und freuten sich, sie sangen „An Tagen wie diesen“ von den „Toten Hosen“ (worüber diese sich dann ärgerten).
Gemaßregelter Gröhe
Plötzlich hielt auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe eine kleine Deutschlandfahne in der Hand. Da schnappte die Kanzlerin sie sich rasch und brachte sie weg von der Bühne. Es sah so aus, als ob sie die Fahne hinunterwerfe. Merkel schüttelte den Kopf. Die Kamera fing ihren stirnrunzelnden, ja vorwurfsvollen Blick ein. Gröhe versuchte daraufhin, diesen peinlichen Augenblick mit besonderer Ausgelassenheit zu überspielen. Er wollte sichtlich vermeiden, wie ein ertappter und gemaßregelter Schulbub zu wirken.
Das war Grund genug für mich, einmal bei der CDU nachzufragen, was das sollte. Hat die Kanzlerin ein Problem mit den Nationalfarben? Jetzt kam die lakonische Antwort des „CRM Teams“ der CDU: „Am Wahlabend des 22. September 2013 hat CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe unserer Parteivorsitzenden, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, in der Tat ein Fähnchen zum Winken hingehalten. Da unsere Parteivorsitzende lediglich nicht winken wollte, hat sie es weitergereicht, nicht weggeworfen!“
„Lediglich nicht winken“?
Können Bilder derart trügen? Ich hatte da etwas anderes gesehen: Gröhe hatte ihr das Winkelement nicht hingehalten, sondern sie hat es ihm weggenommen. Sie hat es auch nicht an eine der CDU-Größen weitergereicht, die um sie versammelt waren, sondern energisch von der Bühne weggebracht. Und eine Erklärung dafür, warum sich das Gesicht der Kanzlerin mahnend verfinsterte, gibt es auch nicht.
Es betrübt hingegen, daß die Antwort der CDU kein Bekenntnis zu Schwarz-Rot-Gold enthält. Ein Sätzchen wie dieses wäre nett gewesen: „Die Kanzlerin steht selbstverständlich zu Schwarz-Rot-Gold und bedauert, wenn der Eindruck entstanden sein sollte, daß ihr die Nationalfarben egal seien.“ Doch einen solchen Satz sucht man in der Antwort vergeblich. Es muß ja nicht gleich ein Bekenntnis in der Art Boris Beckers sein, daß Angela Merkel stolz sei, „Deutscher zu bin.“
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