Es ist ein Crowd gewachsen
Es ist ein Crowd gewachsen
Datum: 04.03.2013, 15:32
Unter den Briten löste die Wahl schon damals Gelächter aus. Einer kommentierte: „They give us ‚Zeitgeist‘ and we give them ‚shitstorm‘.“ Heute dürften sie seufzen: „Oh, these Krauts!“
Hinter dem Anglizismus-Wettbewerb steht eine kleine Gruppe anglophiler Akademiker um Englischprofessor Anatol Stefanowitsch, die begeistert sind von der Verdrängung der deutschen Sprache durch das Englische. Sie wollen – ihren Worten nach – „den positiven Beitrag des Englischen zur Entwicklung der deutschen Sprache würdigen“. Damit bilden sie bewußt eine Gegenbewegung zu den Bürgern, die sich um die deutsche Sprache sorgen und auf Verständlichkeit pochen.
Gecrowdfundet oder crowdgefundet?
Die Wahl zum „Anglizismus des Jahres“ ist also leider keine satirische Veranstaltung, auch wenn die Verlautbarungen komisch klingen: „Crowdfunding füllt eine Lücke im deutschen Wortschatz, die durch das Aufkommen einer neuen Art des netzgestützten Investitierens [!] entstanden ist. Es hat sich im Laufe des letzten Jahres im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert und gut in die Struktur des Deutschen eingefügt.“ Das schreiben die Wahlleute um Stefanowitsch. Daß es für „Crowdfunding“ längst die deutsche Entsprechung „Schwarmfinanzierung“ gibt, ist den Denglischfreunden offenbar entgangen.
Wie das daraus abgeleitete Wort „crowdfunden“ gebeugt werden soll, ist sich Stefanowitsch noch nicht sicher: „Hier bleibt abzuwarten, welches Partizip sich durchsetzt – gecrowdfundet oder crowdgefundet.“ Das erinnert an den Streit um das häßliche „downgeloadet – gedownloadet“. Wer sich diese Verrenkungen ersparen möchte, spricht einfach von „herunterladen – heruntergeladen“.
Gegen das Überhandnehmen von Anglizismen ist also durchaus ein Kraut gewachsen. Dieses besteht jedoch nicht darin, jedes fremdklingende Wort kritiklos zu bejubeln. Statt dessen sind Wörter zu wählen, die sich einfach und verständlich unserem Sprachgebrauch anpassen. Die haben dann wirklich einen Preis verdient.
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