Ein Dutzend_ Nie gehört!

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Ein Dutzend_ Nie gehört!
Datum: 16.05.2013, 15:57

Neulich beim Metzger schaute mich die junge Verkäuferin verdutzt an, als ich ein Dutzend Fränkische Bratwürste wollte. Schüchtern fragte sie: „Was ist denn ein Dutzend?“ Somit konnte ich ihr noch etwas beibringen, was sie in der Schule nicht gelernt hatte. Leider ist diese Erfahrung keine Ausnahme: Beim Bäcker ist mir nämlich schon einmal dasselbe passiert. (Selbstverständlich bestellte ich dort nicht ein Dutzend Würste, sondern Semmeln.)

Anscheinend kennen viele angehende Verkäufer die hergebrachten Mengenangaben nicht mehr, die auf dem Duodezimalsystem beruhen. „Dutzend“ ist, manche wissen es, aus dem lateinischen „duodecim“ (zwölf) entlehnt.

Möglicherweise habe ich sogar noch einmal Glück gehabt, daß ich keinen Schock bestellte. Wer weiß, was mir anschließend widerfahren wäre? Vielleicht hätte die Verkäuferin einen gräßlichen Schrei ausgestoßen, um mich zu schockieren. Daß ein Schock fünf Dutzend sind, also sechzig, wissen wahrscheinlich noch weniger Menschen, vom Gros (zwölf Dutzend, also 144) und vom Maß (zwölf Gros, also 1728) ganz zu schweigen. Wann bekommt man schon die Gelegenheit, 1728 Würste zu bestellen?

Zwölf auf ein Dutzend

Der Verlust des „Dutzends“ wäre ein Jammer: Mit diesem Wort gingen auch überlieferte Redewendungen verloren. Wer versteht dann noch die Ausdrücke „im Dutzend billiger“ und „zwölf auf ein Dutzend“? Aber auch das Verständnis für die Menge würde auf diese Weise schwächer. Was ein „Dutzendgesicht“ sein soll, erschlösse sich dem Zuhörer dann nicht mehr von selbst.

Dabei begleitet uns die Zahl 12 den ganzen Tag (zweimal zwölf Stunden) und das ganze Jahr (zwölf Monate) hindurch, und sie ist in unserer Kultur tief verwurzelt, auch als „heilige Zahl“. Wie schön, daß wir für diese besondere Zahl ein besonderes Wort haben! Immerhin scheint es noch Schulen zu geben, in denen es nicht verpönt ist, nach dem Wort „Dutzend“ zu fragen. So berichtet ein Schüler im Netz: „Das war peinlich[,] als mich das meine Klassenlehrerin gefragt hat :(. Ich hab Tausend gesagt[,] und alle haben gelacht.“

Gegen ein „Fleischerdutzend“ oder ein „Bäckerdutzend“ hätte ich im übrigen bei meinen Einkäufen nichts einzuwenden gehabt: Dann hätte ich nämlich 13 Würste oder Semmeln bekommen. Aber heutzutage wird man bescheiden. Mir genügte schon, wenn der Verkäufer einfach nur wüßte, was ein Dutzend ist …

Sven von Storch

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