Subventionen für noch mehr Milch

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Heute gab es einen „Milchgipfel“ wegen der niedrigen Milchpreise. Bundeslandwirtschaftsminister Christian „Schmidt verspricht Milchbauern ‚100 Millionen Euro plus x'“. Das ist gleich in mehrfacher Hinsicht verfehlt. Warum mischt sich der Staat überhaupt mit (weiteren) Subventionen ein? Dabei sind niedrige Preise insgesamt von Vorteil, zwar nicht für die Produzenten, dafür umso mehr für die Konsumenten. Außerdem führen Subventionen für die Produzenten nicht zu einem Produktionsrückgang, so dass die Preise eher noch stärker sinken würden, wenn das x groß genug wäre. Der Markt tendiert hingegen von sich aus zum Gleichgewicht. Wenn Politiker die Härten von Betriebsaufgaben abmildern wollen, sollten sie direkt dafür das Geld der Steuerzahler ausgeben und nicht für die weitere Produktion. Schließlich könnten kleinere Betriebe von Kennzeichnung und Bioprodukten profitieren, wenn sie tatsächlich ökologischer produzieren sollten. Ansonsten sind aber Großbetriebe viel effizienter, wogegen selbst 100 Milliarden Euro nichts ausrichten könnten.

Beitrag zuerst erschienen auf alexanderdilger.wordpress.com

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Manuel

Der Herr Professor geht mit keinem Wort darauf ein, warum der Milchpreis so niedrig ist und vor welchen Wahlmöglichkeiten ein Milchbauer so steht im tatsächlichen Alltag. Wenn man dann noch solch kühnes Geschwafel vom Markt liest, der "von sich aus" (das ist nämlich seine Natur!) zum Gleichgewicht tendiere, muss die Frage erlaubt sein, welche Kräfte genau jetzt beim Milchpreis ein Gleichgewicht herstellen sollten, hielte sich nur der Staat endlich mal raus. Das bleibt der Professor genauso schuldig wie die Antwort auf die naheliegende Frage, wer der Markt eigentlich ist. Es drängt sich der Eindruck auf, dass er sämtliche sich stellende Fragen (und das sind nicht nur die genannten) nicht beantworten kann. Aber er hat eine Veröffentlichung mehr, die er fachlich deklarieren kann. Schön, freuen wir uns für ihn.

Gravatar: Karl Brenner

Ich kaufe keine Milchprodukte mehr, solange sich nichts ändert. Nicht um den Bauern zu schanden. Sondern um weiteren Druck auf die Regierung auszuüben. Milchprodukte statifizieren und machen dick.
Genauso wie Zucker.

Gravatar: Freigeist

Bezüglich Russland. Ich weiß von einem Insider, dass Putin die Land-Oligarchen dazu gezwungen hat, Anstrengungen zu unternehmen, Russland mit Lebensmitteln selbst versorgen zu können. Man bedenke diese enorme russische Landmasse - es wird gelingen. Die EU muss sich um sich selbst kümmern bezüglich der Lebensmittelversorgung und Export als Traum begraben.

Gravatar: Hans von Atzigen

@ Ralf Traskawka
Das da bezüglich Russchiem Absatzmarkt nicht
nur im Bereich Agrarwirtschaft noch so einiges
zu erwarten ist, liegt im Bereich des Möglichen.
Ein Indiz sind die erheblichen Vortschritte im Bereich
Wehrtechnick.
Sollte sich diese Tendenz auch in weiteren Bereichen,
auch im Bereich der Agrarwirtschaft durchsetzen,
ist damit zu rechnen das Russland längerfristig,immer weniger auf Importe angewiesen ist.
Die Russen haben ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein,die Sanktionen haben dies zusätzlich bevördert.
Der Miev der Sowietzeit ist am Abklingen.
Eine neue Generation am heranwachsen.
So konstellationen können durchaus auf längere
Sicht so einiges an scheinbar nicht vorhersehbarem
bewirken.Auch im Bereich allgemeiner Wirtschaftlicher Entwicklung.

Gravatar: Freigeist

Ein Milchvieh-Betrieb, der z.B. 300 Kühe in Lactation hat macht innerhalb eines Jahres 300.000 Euro Verlust wenn der Milchpreis über ein Jahr hin 20 Cent beträgt. Welcher Betrieb kann sich das leisten? Agrar-Märkte müssen neu gedacht werden, es ist dabei kein reiner Kapitalismus möglich, denn dies würde gewaltige Schwankungen bedeuten. Neu-Denken ist notwendig, denn die vorgelagerten und nachgelagerten Industrien (Maschinen, Saatgut) brauchen in etwa Planungs-Perspektiven.

Gravatar: Ralf Traskawka

Leider fehlen bei diesem Artikel die Hintergründe die zur Subvention geführt haben.

@Hans Meier
Danke, dass Sie diese Hintergründe hier einführen.

Asiatische Betriebe füllen diese Exportlücke inzwischen gerne aus. Für die deutschen Milchbauern bedeutet dies, sollten die Sanktionen gegen Russland wegfallen, der russische Absatzmarkt dennoch verloren ist.

Gravatar: Unsinn

Warum werden in einer sozialistischen Planwirtschaft wohl Subventionen gezahlt? Ganz einfach weil es planwirtschaftsimmanent ist! Warum thematisieren Sie andererseits nicht viel öfters die viel höheren EEG Subventionen Herr Dilger? Die Subventionen für Milch sind die Zwangsläufigkeiten eines Lieferboykotts gegen Rußland. Könnten die Bauern dorthin liefern, wären ihre Preise nicht im Keller! Also die Bauern nicht als Kostgänger einer Subventionspolitik bezeichnen! Schuld ist eher Merkel desaströse Politik. Profiteure in Reinform sind die EEG Abzocker in Merkels schöner neuer sozialistischer Welt.

Gravatar: Der nachdenkliche Bürger

Wir sollten nicht vergessen, dass auch Frau Merkel einen Teil der jetzigen Situation zu verantworten hat, weil sie als Bettvorleger von Obama weiterhin an der Sanktionspolitik gegen Russland festhält!

Der Milchabsatzmarkt in Richtung Russland ist nämlich komplett eingebrochen und unsere Milchwirtschaft hat darunter zu leiden. Als Milchbauer kann ich diese Verzweiflung verstehen und würde der großen Koalition nie wieder eine Stimme geben!

Gravatar: H.Roth

@ J.Datko

Ja, da haben Sie recht. Subventionen in der Landwirtschaft haben schon viel Schaden angerichtet. Dadurch konnten die Großbetriebe so riesig werden, während die Kleinbetriebe an den Rand gedrängt wurden. In Osteuropa haben Subventionen zu einem enormen Zuwachs an Korruption geführt. Jeder kleine Bürgermeister ist dort ein Subventionsverwalter. Das ist das Druckmittel zum Regieren (Wählerstimmen kaufen) und natürlilch um sich selbst zu bereichern.
EU-Subventionen in der Landwirtschaft abschaffen!

Gravatar: H.Roth

Die Zukunft der Landwirtschaft ist nicht die Milchproduktion, sondern die Energiewende. Statt Kühen, werden Biogasanlagen gefüttert, statt grasenden Rindern sieht man Solaranlagen an der Sonne weiden und statt Hirten wachen Windradtürme. Und der moderne, sensible, lactose-intolerante, vegane Ökomensch wird die Kühe und deren Milch erst recht nicht vermissen. Es gibt ja genug Körner-Arten aus Südamerika, um dem nie gefühlten Hunger zu begegnen.

Gravatar: Hans von Atzigen

Na ja verständlich inzwischen sind die Bauern eine
kleine Minderheit deutlich im einstelligen Bereich.
Soewohl der Autor als auch die übrigen Komentatoren
kennen Landwirtschaft, wenn das hoch geht vom Familienausflug auf den Streicheltier- Kuscheltier ,,Bauernhof,,.
Ackerbaubetriebe können innerhalb gewisser Grenzen
auch Kurzfristig die Produktion umstellen, soweit die
Notwendigen Saatgutmengen im Vorjahr Angebaut und eingelagert wurden. Das gleiche gilt auch für die übrige Infrastruktur sowie den Maschienenpark. Doch auch hier
sind die Möglichkeiten begrenzt.Agrarmaschienen ervordern einen sehr hohen Kapitalaufwand.
Noch deutlich aufwendiger ist die Lage bei der Milchproduktion. Die Aufzucht eines Tierbestandes der die Ervordernisse erfüllt ervordert einen Zeitrahman von
10-20 Jahren sowie die entsprechende Infrastruktur
an Stallungen Futeranbau sowie entsprechende Lagerungskapazitäten.Auch Bauern müssen das eingesetzte Kapital Reerwirtschaften,dies bei Margen
die mit anderen Wirtschasaftszweigen nur sehr sehr bedingt vergleichbar sind.
Tja so eben mal den Milchviebestand zum Schlachter bringen und in ein oder zwei Jahren einen vergleichbaren in den Stall stellen funktioniert halt
nicht. Die Viecher brauch Zeit zum heranwachsen und
(Lacher) Reproduzieren immer noch Biologie in sehr hohem Masse im Spiel,Gentechnik kann nicht ALLES.
Sehr vieles das im Bereich Konsumindustrie machbar ist,
kann man im Bereich Agrarwirtschaft glatt vergessen.
Hier muss in deutlich erweiterten, vor allem Zeitlichen Horizonten gerechnet werden.
Im Bereich Agrarwirtschaft gibt es nur einen sinnvoll vernünftigen Weg, eine auf langfristigkeit angelegten
Grobrahmenplan resp. Entsprechende abgestimmte
Produktionslenkende Empfelungen für eine Marktgerechte Produktion und Entsprechenden Qualitäts-Zielvorgaben.
Das herumwursteln an der Agrarwirtschaft im Realsozialismus wirkte Verheerend.
Mit Radikal- Kapitalistischem herumwursteln kann man ebenfalls ganz erheblichen Schaden anrichten.
Mit verlaub, bescheidener Tip an die Kritiker.
Erst einmal sich wenigstens im Grobraster in die
Materie einarbeiten und erst danach wild drauflos kritisieren. (So nebenbei währe auch in anderen
Bereichen sinnvoll.)
Freundliche Grüsse

Gravatar: Freigeist

Wir müssen in der EU verschiedene Agrar-Subventionen im Kern ändern. Beispiel: Geht ein Landwirt in Rente, entfallen die Flächenprämien auf sein Eigenland. Zur Erinnerung: Für jeden Hektar erhält ein Landwirt ca. 300 Euro vom Staat als Subvention. Diese 300 Euro und bis zu 1.000 Euro kostet Pacht von nicht eigenen Flächen. Städter, die Land geerbt haben, kassieren so unsere Bauern ab. Jetzt bin ich mal gespannt, ob dieser Beitrag freigeschaltet wird, denn wir haben eine große Agrarlobby auf diesem Blogg.

[Die Freie Welt ist eine Online-Zeitschrift, die auch Blogs enthält. Die Agrarlobby finden Sie in Brüssel. Die Red.]

Gravatar: Molot

@Joachim Datko
" Die Steuerzahler werden von den Bauern regelrecht ausgebeutet".

Die Steuerzahler werden natürlich ausgebeutet. Schon immer und nicht nur von den Bauern. War Ihnen das jetzt neu, Herr Datko?

Gravatar: Realist

Bei Kuhmilch handelt es sich um das Nahrungsmittel für Kälber. Muss man da so ein Theater veranstalten, bloss weil sich einige Menschen wie Kälber ernähren?

Gravatar: Karl Becker

Am Markt vorbei produziert. Pech gehabt.
War vorhersehbar und zwangsläufig.
Wenn man maximalen Gewinn mit geringst möglichem Aufwand haben will und dafür sich auf ein Bein stellt, wackelt man auch schnell und leicht.
Das alte Grundwissen: Auf einem Bein kann man nicht stehen, wird geopfert.

Gravatar: Hans Meier

Die aggressive US-Politik gegen Russland hat also Folgen, da ist ein Milliarden-Milch-Markt weggebrochen.

Das gilt doch nicht nur für die Milch und Landwirtschafts-Produkte das trifft doch die deutsche Industrie in absolut noch viel höherem Ausmaß.
Die Folgen einer US-Politik, in Kiew die Regierung zu stürzen und Russland den Schwarzmeerhafen auf der Krim wegnehmen zu wollen, nimmt keine Rücksicht auf unsere Landwirte, auf unsere Industrie und unsere ehemals guten friedlichen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland.
Was uns Obama da eingebrockt hat ist Murks, was Clinton genauso weiter will entspricht keiner friedlichen, vernünftigen Koexistenz.
Man kann nur auf einen realistischen Praktiker, als nächsten US-Präsidenten hoffen, der die Zivilisation, die Wirtschaft und den marktwirtschaftlichen globalen Handel nicht zerstört.

Nach dem der deutschen Landwirtschaft ganze Absatzmarkt abhanden gekommen sind, führen nun die Überkapazitäten zum Preisverfall der Milch.
Besonders interessant ist dabei, dass die Milch-Bauernhöfe in Westdeutschland ihre wirtschaftliche Existenz verlieren, denn aus den LPG`s in der DDR wurden mehrheitlich GmbH`s die, als Agrar-Groß-Betriebe hochtechnisierte Konkurrenten der Bauernhöfe im Westen wurden, wo keine Groß-Betriebe mit tausenden Kühen, Melk-Robotern und wenigen Angestellten, wesentlich geringer Produktionskosten haben.

Gravatar: Joachim Datko

Die Bauern haben sich schon lange auf Subventionen spezialisiert. Die Steuerzahler werden von den Bauern regelrecht ausgebeutet.

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