Eine Nacht für Fledermäuse, ein Jahr für Windräder
Deutschland widmete das letzte Augustwochenende den Fledermäusen. Kinder hörten ihre Ultraschallrufe, Fachleute erklärten den Schutz der nächtlichen Jäger. Wenige Kilometer weiter drehten sich Rotoren, die für einige Arten ein tödliches Risiko bilden. Echte Ökologie beginnt dort, wo ein grünes Ziel einem lebenden Tier begegnet.
Ende August gehen Menschen nach Einbruch der Dunkelheit in Parks, an Teiche und zu alten Kirchen. In der Hand halten sie einen Detektor, der Ultraschall in hörbares Knattern verwandelt. Die Fledermaus erhält für zwei Nächte ihr eigenes öffentliches Programm.
Die 30. internationale Batnight fand am 29. und 30. August 2026 in 38 Ländern statt. NABU und LBV boten in Deutschland Exkursionen, Vorträge und Beobachtungen an. Naturschutz bekam ein Gesicht, große Ohren und ein erstaunlich präzises Gehör.
In Thüringen sind 22 Fledermausarten nachgewiesen. Die Große Hufeisennase gilt dort als ausgestorben, die tatsächliche Zahl der Tiere verbirgt sich in tausenden bislang unbekannten Quartieren. Ein regionaler Bericht aus Thüringen beschreibt Langzeitkontrollen bekannter Kolonien und einen hohen Anteil gefährdeter Arten.
Ein Sinn, der eine Mücke hört
Eine Fledermaus sendet Ultraschallimpulse und baut aus den Echos ein räumliches Bild ihrer Umgebung. Im gewohnten Lebensraum erfasst sie Insekten, Zweige und Öffnungen zu Quartieren. Ihre Fähigkeit wirkt technisch vollkommen, die Natur entwickelte dieses System allerdings für Bäume, Felsen und Beute.
Ein Rotor bildet einen dynamischen Raum mit einem Durchmesser von vielen Dutzend bis über hundert Metern. Ein Blatt erreicht innerhalb weniger Augenblicke einen Bereich, der beim vorherigen Impuls frei war. Die Echoortung liefert präzise Daten und arbeitet zugleich mit Zeit, Entfernung, Flugrichtung und Geschwindigkeit der bewegten Barriere.
Wärmebildkameras des amerikanischen geologischen Dienstes zeichneten Fledermäuse auf, die sich den Anlagen wiederholt näherten. Baumbewohnende Arten untersuchten Gondeln, Türme und langsam laufende Blätter und deuteten manche Konstruktionen offenbar als hohe Bäume. Die USGS-Untersuchung nennt außerdem Luftströmungen, Mondlicht, Insekten und die mögliche Suche nach einem Quartier.
Das Risiko konzentriert sich vor allem auf Spätsommer und Herbst. Bei einer ganzjährigen Kamerabeobachtung lagen Aktivitätsspitzen im Juli und September, also während Zugzeit und intensivem Sozialverhalten. Tiere näherten sich teils erneut, nachdem die Luftbewegung eines Rotorblatts sie aus der Bahn gedrückt hatte.
Das Ausweichmanöver hat Grenzen
Fledermäuse ändern vor Rotorblättern ihren Kurs, und viele Begegnungen enden mit einem sicheren Vorbeiflug. Die Forschung dokumentiert zugleich wiederholte Anflüge, knappe Passagen und artspezifische Reaktionen. Die sachliche Antwort lautet daher: Ausweichen gelingt häufig, eine verlässliche Fähigkeit für jede Art und jede Lage entsteht daraus kaum.
Ein Teil der Tiere kollidiert direkt mit dem Rotor. Die hohe Geschwindigkeit der Blattspitze verkürzt die Reaktionszeit, und die große Rotorfläche macht aus einer einzigen Anlage eine gewaltige bewegte Barriere. Das Bundesamt für Naturschutz nennt Arten des freien Luftraums und weit ziehende Arten als besonders exponiert.
Einen weiteren Anteil der Verluste verbindet die Fachliteratur mit Barotrauma. Rasche Druckwechsel und Turbulenzen im Rotorbereich können Lunge und innere Organe auch bei einem engen Vorbeiflug schädigen. Der jeweilige Anteil direkter Kollisionen und druckbedingter Verletzungen variiert zwischen Untersuchungen, weshalb ein sauberer Text beide Mechanismen mit ihrem fachlichen Vorbehalt nennt.
Die große Zahl mit Fußnote
Das Leibniz-Institut IZW nennt eine Hochrechnung von mehr als 200.000 Fledermäusen pro Jahr an deutschen Windenergieanlagen. Es handelt sich um eine wissenschaftliche Extrapolation aus systematischen Erhebungen und um keine jährliche Addition gefundener Körper. Der Unterschied zwischen beiden Kategorien entscheidet über die Redlichkeit der Debatte.
Das Kompetenzzentrum KNE erinnert daran, dass häufig zitierte hohe Hochrechnungen auf älteren Untersuchungen an Anlagen mit geringer Verbreitung nächtlicher Abschaltalgorithmen beruhen. Das KNE empfiehlt deshalb eine vorsichtige Einordnung und eine klare Trennung der Methoden. Wissenschaftliche Genauigkeit gibt dem Thema mehr Kraft als eine aufgepumpte Zahl.
Fledermäuse leben lange und vermehren sich langsam. Weibchen vieler Arten ziehen ein Jungtier im Jahr auf, deshalb wirkt der Verlust eines erwachsenen Tieres über lange Zeit. Unter den Opfern in Deutschland finden sich auch wandernde Tiere aus dem Baltikum, Skandinavien und Osteuropa.
Alle Fledermausarten genießen in Deutschland strengen gesetzlichen Schutz. Das erhöhte Kollisionsrisiko konzentriert sich auf eine kleinere Gruppe von Arten, die im freien Luftraum oder über weite Strecken fliegen. Der Schutz gilt auf dem Papier für alle, das biologische Risiko sucht sich sehr konkrete Flieger aus.
Größerer Rotor, größere Frage
Die neue Turbinengeneration bringt größere Rotordurchmesser und unterschiedliche Kombinationen von Turmhöhen. Eine geringere Bodenfreiheit der unteren Blattspitze kann den Flugraum weiterer Arten berühren. Die BfN-PraxisInfo vom Juni 2026 erklärt, dass bisherige Planungsinstrumente diese neuen Konfigurationen unzureichend erfassen.
Diese Feststellung klingt sachlich und wirkt gerade dadurch politisch. Die Technik wuchs schneller als die Regeln zur Bewertung ihrer Wirkung auf geschützte Tiere. Grüne Infrastruktur wartet hier auf die Ökologie, die sie methodisch einholen soll.
Als wirksamster verfügbarer Fledermausschutz gilt die Betriebsregulierung in Zeiten hoher Aktivität. Bei warmen Nächten, schwachem Wind und starker Bewegung gefährdeter Arten stoppt die Anlage zeitweise oder hält die Blätter in minimaler Bewegung. Das BfN bezeichnet diese Maßnahme bislang als einzig wirksame Vermeidungsmethode für die besonders kollisionsgefährdete Artengruppe.
Vögel sehen anders und sterben ähnlich
Vögel reagieren je nach Art, Flughöhe und Nahrungssuche verschieden auf Windenergieanlagen. Gänse und Kraniche wählen häufig einen weiten Bogen, während manche Greifvögel geringere Distanz zeigen. Ein Rotmilan auf Beutesuche richtet einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit auf die Landschaft unter sich.
Das Bundesamt für Naturschutz modelliert Konflikträume für elf kollisionsgefährdete Großvogelarten. Dazu gehören Rotmilan, Seeadler, Uhu, Wiesenweihe und Weißstorch. Die Karten des BfN zeigen, dass eine geeignete Standortwahl bereits vor der ersten Rotorumdrehung Schutz schafft.
Das europäische Projekt LIFE EUROKITE verfolgte Rotmilane mit GPS-Sendern. Eine Studie dokumentierte 41 bestätigte Kollisionen besenderter Tiere mit Windenergieanlagen zwischen 2017 und 2024. Das Ergebnis verband höheres Risiko mit größerem Rotordurchmesser und geringerer Bodenfreiheit.
Dasselbe Projekt fand größere Unterschiede zwischen Windparks als zwischen einzelnen Vögeln. Anlagengeometrie und örtliche Bedingungen formen das Risiko also sehr konkret. Energiepolitik spricht gern über installierte Leistung, der Vogel begegnet einem bestimmten Rotor auf einem bestimmten Hügel.
Zählen im Gras
Die Staatliche Vogelschutzwarte Brandenburg sammelt seit 2002 dokumentierte Kollisionen von Vögeln und Fledermäusen. Die Datenbank beruht auf geprüften Funden, freiwilligen Meldungen und Monitoringberichten. Ein Körper im dichten Bewuchs, ein fortgetragener Fund oder eine Anlage mit seltener Kontrolle schafft die natürliche Lücke zwischen Kartei und Wirklichkeit.
Das KNE erklärt daher, dass eine bundesweite absolute Zahl für Vogelopfer bislang ohne repräsentative wissenschaftliche Grundlage bleibt. Systematische Studien beschreiben Kollisionen als vergleichsweise seltene Ereignisse, deren Bedeutung bei langlebigen Arten mit geringer Nachkommenzahl stark wächst. Ein Adler bedeutet für seine Population einen anderen Verlust als ein einzelner häufiger Singvogel.
Windenergie bildet eine von mehreren Ursachen für Verluste bei Vögeln und Fledermäusen. Artenschutz betrachtet deshalb die Summe aus Verkehr, Leitungen, Gebäuden, Landwirtschaft, Nahrungsverlust und Energieinfrastruktur. Redliche Ökologie vergleicht alle Belastungen und nutzt bei jeder davon die verfügbaren Schutzmaßnahmen.
Ein schwarzes Rotorblatt
Schnell rotierende weiße Blätter können für Vögel zu einer optischen Bewegungsunschärfe verschmelzen. Ein norwegischer Versuch färbte eines von drei Rotorblättern schwarz und verzeichnete an den untersuchten Anlagen einen Rückgang der jährlichen Fundrate getöteter Vögel um mehr als 70 Prozent. Die Studie umfasste acht Anlagen und liefert damit eine vielversprechende Richtung samt Auftrag für breitere Prüfung.
Weitere Werkzeuge sind Radar, Kameradetektion, automatische Abschaltung, geeignete Bodenfreiheit sowie Abstand zu Brutplätzen, Zugwegen und Jagdgebieten. Bei Fledermäusen kommen akustisches Gondelmonitoring und zeitgesteuerte Abschaltungen hinzu. Die technischen Lösungen liegen vor, ihre Wirkung wächst mit konsequenter Anwendung.
Die Batnight dauert zwei Nächte, die Windenergie arbeitet das ganze Jahr
Artenschutz gehört deshalb in jedes Projekt, jeden Betriebsalgorithmus und jede Standortentscheidung. Grüne Energie erhält ökologischen Sinn, wenn in ihrem Schatten auch Fledermaus und Rotmilan sicher fliegen.
Quellen:
- NABU – Batnight 2026: Bundesweit Fledermäuse erleben
- WELT Thüringen – Bedrohte Tiere: Wie es um Fledermäuse in Thüringen steht
- USGS – Wind Turbine or Tree? Certain Bats Might Not Know
- Bundesamt für Naturschutz – Fledermausschutz und Windenergieanlagen
- Leibniz-IZW – Windenergie und Fledermausschutz
- KNE – Wissensstand von Schlagopferzahlen bei Vögeln und Fledermäusen
- BfN-PraxisInfo 13/2026 – Kollisionsrisiko neuer Windenergieanlagen für Fledermäuse
- Bundesamt für Naturschutz – Kollisionsgefährdete Brutvogelarten
- LIFE EUROKITE – Rotmilan: Kollisionsrisiko bei größeren Rotoren
- Ecology and Evolution – Paint it black: Sichtbare Rotorblätter und Vogelschutz
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Blog comments
...die für einige Arten ein…
...die für einige Arten ein tödliches Risiko bilden....
...und leider entspricht das grauenvolle Szenario der Realität :
Ja, Rotorblätter von Windkraftanlagen stellen eine reale und wissenschaftlich eindeutig belegte Gefahr für Fledermäuse dar. Es handelt sich dabei keineswegs um einen reinen „Blog-Mythos“, sondern um ein von Naturschützern und Forschenden intensiv dokumentiertes Problem des Artenschutzes. [1, 2]
...deswegen haben wir in unserem ausgedehnten Bio-Garten diverse Fledermaus-Kästen (Marke : "Eigenbau") in den Bäumen aufgehängt, die den (nachtaktiven) Tieren wichtigen Schutzraum bei Tag bieten; unsere (privaten) Fledermäuse ernähren sich insbes. von asiatischen Tigermücken - die bei uns - als invasive Spezies - absolut nix verloren haben !
https://www1.wdr.de/nrw/rheinland/Bonn-Asiatische-Tigermuecke-Monitoring-100.html
Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist eine invasive, schwarz-weiß gemusterte Stechmücke aus Asien, die sich durch den Klimawandel und Handel auch in Europa und Teilen Deutschlands ausbreitet. [1, 2, 3]
...ach, würden die Rotorblätter doch auch unsere invasiven Tigermücken in Stücke hacken ... gegen derartige Bio-Waffen aus China hat man als Privatmann wirklich einen sehr schweren Stand ... und jetzt auch die biologische Kampfansage an ganz Europa :
https://www.stadtbienen.org/asiatische-hornisse-vespa-velutina/?gad_source=1&gad_campaignid=12800208873&gbraid=0AAAAADmodMC6GehcrEE6f51SoUmI1htuZ&gclid=CjwKCAjwzNTUBhAjEiwA7zcvWpH9HxubdwwKIrX32O9yWcRaWUSIKPo08HC-n4q8aAlrA68PYTAYvhoCCKkQAvD_BwE
MP
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