Die Ernte verdorrt, Berlin berät

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Einführung

Deutschlands Ernte 2026 leidet unter trockenem Frühjahr, Hitze und regionaler Wasserknappheit. Gleichzeitig treffen niedrige Erzeugerpreise, hohe Kosten und ökologische Anforderungen die Höfe. Wasser, Boden und Insekten müssen geschützt werden - doch was geschieht, wenn mit den Belastungen auch die Ernte ins Ausland wandert?

Der Deutsche Bauernverband erwartet 2026 nur 41,9 Millionen Tonnen Getreide, sieben Prozent weniger als 2025. Der Hektarertrag liegt neun Prozent unter dem Vorjahr.

Der Raiffeisenverband schätzt 40,6 Millionen Tonnen und beziffert den Verlust bei Getreide und Raps gegenüber früheren Erwartungen auf rund drei Millionen Tonnen oder mehr als 600 Millionen Euro Erlös. Unterschiedliche Stichtage und Methoden erklären, warum die Zahlen nicht deckungsgleich sind.

Auch die frühe amtliche Destatis-Schätzung lag nochmals anders. Gerade diese Bewegung der Prognosen zeigt: Die Dürre war keine Schlagzeile für einen Tag, sondern fraß sich während der Ernte durch die Bilanz.

Ein trockenes Frühjahr und die Hitze in der Kornfüllungsphase führten vielerorts zur Notreife. Im Süden und Westen traf es viele Betriebe besonders hart, während einzelne nördliche Regionen glimpflicher davonkamen.

Der Regen hat den Antrag auf Verlängerung der Vegetationsperiode offenbar nicht unterschrieben.

Geologie verhandelt nicht

Die Bundesregierung beriet am 26. August über Maßnahmen gegen Hitze und Dürre. Berlin spricht von langfristigen Lehren; auf dem Acker muss der Betrieb in wenigen Wochen Saatgut, Diesel und Dünger für die nächste Ernte bezahlen.

Das ist der Punkt, an dem Klimapolitik vom Diagramm auf das Betriebskonto fällt. Weniger Ertrag trifft auf niedrige Erzeugerpreise und hohe Kosten – eine Kombination, die selbst einen gut geführten Familienbetrieb austrocknen kann.

Das Umweltbundesamt warnt zugleich vor Nutzungskonflikten, wenn nach mehreren trockenen Jahren Grundwasserspeicher erschöpft sind. Haushalte, Landwirtschaft, Industrie und Ökosysteme greifen dann auf dieselbe knapper werdende Ressource zu.

Der Landwirt soll Wasser sparen und zugleich verlässlich ernten. Die Gemeinde soll Trinkwasser sichern, der Bach soll ökologisch funktionieren, und der Gartenbesitzer möchte seinen Rasen weiterhin für ein Naturereignis halten.

Jetzt kommt die Rechnung

Der Dürremonitor macht sichtbar, wie unterschiedlich Böden und Regionen betroffen sind. Ein nationaler Mittelwert hilft dem Bauern wenig, dessen Mais auf einem sandigen Standort bereits die Blätter einrollt.

Anpassung bedeutet deshalb mehr als Soforthilfe: humusreiche Böden, Erosionsschutz, resistente Sorten, präzise Bewässerung und mehr Wasserrückhalt in der Landschaft. Selbst das Landwirtschaftsministerium beschreibt Klimaanpassung als Daueraufgabe.

Doch jede Maßnahme braucht Geld, Fläche, Genehmigungen und Zeit. Der Regen lässt sich währenddessen weder fördern noch besteuern.

CO₂ hat zwei Preisschilder

Besonders deutlich ist der Konflikt beim Winterraps: Der Bauernverband meldet einen Einbruch des Hektarertrags um etwa 20 Prozent. Neben Trockenheit nennt er hohen Schädlingsdruck und fehlende wirksame Mittel gegen Rapserdfloh und Kohlschotenmücke.

Für Cyantraniliprole wurde 2026 eine begrenzte Notfallzulassung gegen den Rapserdfloh erteilt. Sie galt 120 Tage und für klar definierte Flächen und Anwendungen – ein Beleg dafür, dass Nutzen und Umweltrisiko tatsächlich gegeneinander abgewogen werden müssen.

Naturschutzverbände weisen zu Recht darauf hin, dass Pflanzenschutzmittel Nichtzielorganismen und Artenvielfalt belasten können. NABU und BUND fordern deshalb eine Landwirtschaft, die Biodiversität und Boden stärker schützt.

Aber was geschieht, wenn Deutschland den Raps nicht mehr erzeugt, den es weiterhin verbraucht? Dann wächst er anderswo – möglicherweise mit anderen Mitteln, anderen Wasserregeln und einer zusätzlichen Transportstrecke.

Wie viel Insektenschutz entsteht, wenn das Rapsöl anschließend aus einem Land kommt, in dem dasselbe Insekt weniger Schutz genießt?

Wer bezahlt das?

Die Antwort kann nicht lauten, Umweltstandards abzuschaffen. Sie muss lauten, ihre tatsächliche Wirkung einschließlich Importen zu messen; auch die europäische Pflanzenschutzpolitik will Risiken senken, ohne Ernährungssicherheit auszublenden.

Ähnlich missverständlich ist der Blick auf den Brotpreis. Der Bauer bekommt für weniger Weizen nicht automatisch mehr Geld, während Energie, Löhne, Verarbeitung, Logistik und Handel den Ladenpreis wesentlich mitbestimmen.

Die amtliche Preisbeobachtung zeigt die Distanz zwischen Agrarrohstoff und fertigem Lebensmittel. Der Kunde zahlt viel, der Erzeuger klagt über niedrige Preise – dazwischen liegt eine Wertschöpfungskette, die erstaunlich wetterfest wirkt.

Die Bilanz der ganzen Landschaft

Politik muss deshalb zwei Rechnungen gleichzeitig lesen: die ökologische Rechnung von Wasser, Boden und Arten sowie die wirtschaftliche Rechnung des Hofes. Wer nur eine davon anerkennt, importiert am Ende die andere.

Die Nationale Wasserstrategie bietet den richtigen Rahmen, doch vor Ort entscheiden Speicher, Entnahmerechte, Leitungen und Prioritäten. Anpassung wird nicht dadurch praktisch, dass das Wort häufiger in Papieren steht.

Eine sehr lange Anfahrt

Ich will eine Landwirtschaft, die mit weniger Risiko für Wasser, Boden und Insekten arbeitet. Ich will aber auch, dass wir ehrlich sagen, was geringere Erträge, hohe Auflagen und billige Importe mit den Menschen auf den Höfen machen.

Zurück bleibt die kleine Weizenähre in der Hand des Bauern. Natur kann man nicht gegen Landwirtschaft schützen: Wenn der Hof verschwindet und die Ernte aus dem Ausland kommt, wurde nur das Feld verlegt – samt Wasserverbrauch, Pflanzenschutz und Verantwortung.

Quellen:

#stephanschreiber #Ernte2026 #Duerre #Landwirtschaft #Deutschland #Wasser #Biodiversitaet #Lebensmittel #Klimaanpassung #Bauern

Sven von Storch

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Blog-Kommentare

Die Millionen zugewanderte Wüstenbewohner haben einen Anspruch auf reichlich Wasserspiele im  Haushalt und Wasserfontänen im Spülbecken. Wie hoch ist eigentlich der Wasserverbrauch in den letzten 10 Jahren im Lande angestiegen, besonders im Westen. 

Die Frage lohnt sich tatsächlich. 2013 gingen in Deutschland rund 3,54 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser an Haushalte und Kleingewerbe, 2022 waren es rund 3,81 Milliarden. Das entspricht einem Plus von etwa 7,5 Prozent. Pro Kopf stieg der Wert im gleichen Zeitraum von 121 auf 126 Liter täglich.

Noch interessanter wird der Blick auf die Länder. Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen lagen 2022 bei ungefähr 135 Litern je Einwohner und Tag. Sachsen und Thüringen kamen auf rund 96 Liter. Der Westen verbraucht also tatsächlich deutlich mehr.

Bei den Ursachen wird es komplexer. Bevölkerungsentwicklung, Haushaltsgröße sowie heiße und trockene Jahre wirken gleichzeitig auf den Verbrauch. Genau deshalb wäre eine feinere regionale Auswertung ausgesprochen interessant.

Denn über Wasser lässt sich lange politisch diskutieren. Der Grundwasserspiegel führt seine eigene Statistik.

Die Ernte verdorrt, Berlin berät
 

Na, das war in Dunkeldeutschland resp. der DDR-Diktatur unter der Knute der SED - Gott sei Dank ! -  auch nicht besser :

 

>>> "Ohne Regen, ohne Gott, geht die ganze Welt bankrott !" <<< 

(Oskar Brüsewitz, DDR-Pfarrer)

 

PS

 

>>> War der Atheismus ein Staatsziel der DDR ? 

(Google KI)

Ja, die Durchsetzung einer atheistischen, wissenschaftlich-materialistischen Weltanschauung war ein erklärtes Staatsziel der SED-Diktatur.

Da der Marxismus-Leninismus Religion als „Opium für das Volk“ betrachtete, versuchte das Regime systematisch, den Einfluss der Kirchen zurückzudrängen. Dies geschah durch die Benachteiligung christlicher Jugendlicher bei Bildungswegen, die Verdrängung des Religionsunterrichts und insbesondere durch die Einführung der Jugendweihe als atheistische Alternative zur Konfirmation.

Wie agierte der „Rote Kasner“ im Staatsziel Atheismus?

Pfarrer Kasner, der Vater Angela Merkels, diente der kirchenpolitischen Linie der SED, weshalb er intern den Beinamen „der Rote Kasner“ erhielt: [1]

 

https://www.domradio.de/artikel/vor-40-jahren-verbrannte-sich-pfarrer-oskar-bruesewitz

https://www.domradio.de/system/files/styles/908x511_1x/private/gedenken_an_selbstve_50492938.jpg.avif?h=ae1281eb&itok=ydyCO7KD

Pfarrer Oskar Brüsewitz mit seiner Tochter (undatiert) / © N.N. ( dpa )

 

https://www.stern.de/panorama/horst-kasner-gestorben-angela-merkel-trauert-um-ihren-vater-3923722.html

>>> Er habe sie "entscheidend geprägt", hat Angela Merkel einmal über ihren Vater gesagt.

 

https://encrypted-tbn0.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcQXROmD0Ndzl4APIr6VB2DKFYkNEtF7COQhs8wdCMczhg&s=10

...und wie sie ihn anhimmelt, ihren roten Vater Kasner - in der atheistischen DDR-Diktatur !

 

Kurzum

 

>>> "Ohne Gott und Sonnenschein - brachten sie gemeinsam die SED- & Stasi-Ernte ein ... nach der sog. "Wende" !!!

MP

Der Brüsewitz-Satz passt erstaunlich gut zum Thema. 1975 antwortete er auf die damalige SED-Ernteparole mit seinem berühmten Satz: „Ohne Regen, ohne Gott geht die ganze Welt bankrott.“

Fünfzig Jahre später besitzt dieser Satz eine fast schon unangenehme Aktualität. Parteien, Systeme und politische Leitbilder wechseln. Ein trockener Boden reagiert weiterhin ziemlich unbeeindruckt auf Beschlüsse, Programme und Pressekonferenzen.

Genau darum ging es mir im Artikel. Landwirtschaft bleibt am Ende eine bemerkenswert reale Angelegenheit: Wasser, Boden, Saatgut, Wetter und Ertrag. Berlin kann beraten und regulieren. Auf dem Acker entscheidet anschließend die Natur mit.

Brüsewitz hatte dafür schon 1975 eine erstaunlich kurze Formulierung gefunden. Die Politik benötigt dafür heute deutlich mehr Papier.

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