Wie man ein Problem nicht beseitigt
Wie man ein Problem nicht beseitigt
Datum: 08.05.2013, 09:33
Fraglich ist, ob solche Maßnahmen das Problem tatsächlich lösen, denn schließlich tragen die Zollschranken der EU mit dazu bei, dass die Gewinnerwirtschaftung in Bangladeshs Unternehmen unter Vernachlässigung von Sicherheitsstandards erfolgt. Die Textilproduktion muss nicht nur Material- und Arbeitskosten decken, sondern auch die Kosten der Verzollung der Ware an der EU-Grenze. Das senkt den Spielraum für mehr Arbeitsschutz in der Produktion noch weiter, um den es angesichts der schlechten wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungenohnehin nicht gut bestellt ist. Bei den Präferenzregelungen im Warenverkehr mit Bangladesh handelt es sich strenggenommen nicht um echte Vergünstigungen, sondern lediglich um eine relative Reduzierung der tarifären Handelsschranken, die weltweit den Handel und den internationalen Wettbewerb behindern.
Zu hinterfragen ist in diesem Zusammenhang auch inwiefern die Reaktion der Medien auf diesen Industrieunfall ist. So wird beispielsweise behauptet, dass die in Bangladesh im Exportsektor arbeitenden Menschen einen Monatslohn von 30 Euro erhalten, den man eins zu eins auf das Lohnniveau hierzulande umrechnen können. Doch damit werden Äpfel mit Birnen verglichen, weil ein Euro in Bangladesh mehr als das Fünffache seiner deutschen Kaufkraft hat, wobei hier noch zu berücksichtigen ist, dass der Inhalt eines typischen Warenkorbs einer Näherin in Bangladesh nicht dem Inhalt entspricht, der für internationale Kaufkraftvergleiche herangezogen wird. Auch das ist nicht unbedingt viel zum Leben, jedoch auch nicht der Hungerlohn, den die Medienberichterstattung suggeriert. Zudem ist zu berücksichtigen, so kommentiert der amerikanische Ökonom Benjamin Powell, dass in Bangladesh rund 4.500 Textilfabriken mehr als 4 Mio. Menschen ein Einkommen verschaffen, das sie in der für den heimischen Bedarf produzierenden, extrem unterentwickelten Wirtschaft nicht verdienen würden. In armen Ländern wie Bangladesh legen die Arbeiter vor allem Wert auf die Entlohnung, von der sie ihre Familien ernähren müssen, und sind dafür bereit höhere Risiken am Arbeitsplatz einzugehen. Solange die Produktivität der Produktion aufgrund der schlechten Investitionsbedingungen in diesen Ländern nicht steigt, gehen Investitionen in den Arbeitsschutz zu Lasten der Löhne, eine Situation, die laut Umfragen Powells in Guatemala bei den Arbeitern kaum auf Gegenliebe stößt. mehr Arbeitsschutz sei daher nicht so sehr ein Ergebnis administrativer Auflagen, sondern wirtschaftlicher Entwicklung und höherer Produktivität sowie der Alternativen der Arbeitskräfte bei der Wahl ihrer Arbeitsplätze. Da in der Vergangenheit neben den ordnungspolitischen Rahmenbedingungen und der unternehmerischen Freiheit vor allem die multilaterale Reduzierung von Handelsbarrieren die wirtschaftliche Entwicklung beflügelten, ist nicht anzunehmen, dass neue Mauern für den Welthandel die Situation der Näherinnen in den Textilfabriken in Bangladesh wirklich verbessern. Das Gegenteil ist zu befürchten.
Beitrag erschien zuerst auf: liberalesinstitut.wordpress.com
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