Spritonomics

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Spritonomics
Datum: 30.03.2010, 13:09

Pünktlich vor Feiertagen und Ferien, wenn sich halb Deutschland anschickt ins Auto zu zwängen um ins Grüne zu fahren, geht das Geschrei um steigende Spritpreise wieder los. Mit sicherem Gespür für Popularitätsgewinne stimmen auch Politiker regelmäßig in dieses Wehklagen mit ein und fordern die Mäßigung der Tankstellenbesitzer, begleitet von Drohgebärden seitens der Wettbewerbshüter vom Kartellamt. Üblicherweise folgt diesem Gepolter nichts, und das ist auch gut so. Schließlich handelt es sich beim Anziehen der Spritpreise in Zeiten höherer Verkehrsintensität um ein völlig normales Phänomen, diktiert von den Gesetzen von Angebot und Nachfrage.

Es ist eine Binsenweisheit, dass ein Anstieg der Nachfrage nach einem knappen Gut wie Benzin einen Anstieg der Preise nach sich ziehen muss und zwar umso mehr, je weniger sich das Angebot an die steigende Nachfrage anpassen kann. Tankstellen und Mineralölkonzerne unterhalten ein weit verzweigtes Transportnetz zur Belieferung der Tankstellen, dessen Kapazitäten sich nicht beliebig flexibel an die jeweilige Nachfragesituation anpassen lassen. Steigt die Nachfrage nach Kraftstoffen infolge zunehmenden Ferienverkehrs sind die Tanklager eher alle und müssen häufiger neu befüllt werden als bei Normalauslastung. Ein immer wiederkehrender Produktionszyklus mit schwankendem Bedarf an Produktions- und Transportkapazitäten, der zwangsläufig höhere Kosten verursacht. Mit Hilfe eine Anpassung der Preise in Zeiten hoher Nachfrage nach oben und geringere Preise in Zeiten geringeren Bedarfs gelingt es die vorhandenen Produktions- und Distributionskapazitäten besser auszulasten und Überkapazitäten zu verhindern, wodurch mittel- bis langfristig in geringeren Investitions- und Betriebskosten realisierbar sind. Preiskontrollen würden dagegen die Attraktivität der Investition ins Tankstellennetz verschlechtern, was sich unterm Strich in einem weniger engmaschigen Tankstellennetz und weniger Wettbewerb niederschlagen würde.

Steigende Benzinpreise haben einen weiteren positiven Effekt, der nicht unterschätzt werden sollte. Steigen die Preise reduziert sich für einige Autofahrer die Attraktivität das Auto zu nutzen, weil der Nutzen eines zusätzlichen Kilometers früher durch die steigenden Kilometerkosten aufgehoben wird. Sie werden auf alternative Verkehrsträger ausweichen oder statt der Reise die Osterzeit anderweitig genießen. Das jedoch entlastet die anderen Autofahrer, deren Reisegewinn durch den Preisanstieg noch nicht kompensiert wurde, da sich dadurch die Staugefahr reduziert. Würden sich die Spritpreise nicht erhöhen, hätten die Autofahrer zwar geringere direkte Reisekosten, müssten dafür aber mehr ihrer kostbaren Zeit im Stau verbringen. Zudem sinkt mit geringer Verkehrsdichte die Unfallgefahr, der Urlaub wird also mit höherer Wahrscheinlichkeit ein echtes Ostervergnügen. Dem Autofahrer kann schlicht nichts besseres passieren, als dass sich das Verhalten der Verkehrsteilnehmer an dem verlässlichen Knappheitsindikator Preis ausrichtet. Würde der Staat in Zeiten hoher Verkehrsnachfrage auf niedrigere Spritpreise drängen und die Autofahrer sich deshalb wie immer verhalten, bliebe ihnen nichts anderes übrig als noch länger als sonst im Stau zu stehen oder im Ernstfall Schaden für Blech oder Gesundheit zu erleiden.

Bürger und Politiker wären besser beraten, sich vor dem Wehklagen über unliebsame Preisänderungen mit ökonomischen Grundprinzipien auseinander zu setzen. Das schont bei den einen die Nerven sowie die Gesundheit und bewahrt den anderen die Glaubwürdigkeit. Auch hier gilt: Erst den Kopf einschalten, dann den Motor starten!

Dieser Beitrag erschien auch auf "Denken für die Freiheit", dem Weblog des Liberalen Instituts der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Sven von Storch

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