Keine Lust auf Vergangenheitsbewältigung_

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Keine Lust auf Vergangenheitsbewältigung_
Datum: 06.01.2010, 12:29

Die Berliner Gedenkstätte Hohenschönhausen konnte im vergangenen Jahr einen Zuschauerrekord verzeichnen: 2009 haben 314.000 Menschen das ehemalige zentrale Untersuchungsgefängnis des DDR-Staatssicherheitsdienstes besucht. Seit der Eröffnung der Gedenkstätte haben mehr als 1,7 Mio. Menschen die Gelegenheit wahrgenommen, um sich über den Unterdrückungsapparat der ehemaligen DDR-Regierung zu informieren. Erfreulich, dass nach wie vor ein so großes Interesse an der geschichtlichen Aufarbeitung des ostdeutschen Unrechtsstaats zu informieren. Umso bedauerlicher ist der geringe Anteil ostdeutscher Besucher. Bayern war mit 41.000 Besuchern (13 Prozent) gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 36.000 Besuchern (12 Prozent) und Baden-Württemberg mit 31.000 Besuchern (10 Prozent) vertreten. Aus Berlin kamen 23.000 Besucher. Dagegen konnten sich nur 16.000 Ostdeutsche zu einem Besuch in diesem eindrucksvollen und bedrückenden Zeugnis ihrer Vergangenheit motivieren.

Auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet ist dies tatsächlich eine traurige Quote. Während 0,3 % aller Bayern, 0,2 % der Bürger von Nordrhein-Westfalen und knapp 0,3 % der Einwohner von Baden-Württemberg den weiten Weg in die Berliner Gedenkstätte im vergangenen Jahr auf sich nahmen, waren es gerade einmal 0,1 % der ostdeutschen Bevölkerung die in diesem Jahr diese Gelegenheit zur Vergangenheitsbewältigung ergriffen. Nach Auskunft des Bloggers Dr. Christian Jung  (Zeittaucher@Scienceblogs); Habilitant an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, sei das Interesse von Lehrern aus den neuen Bundesländern und Ostberlin, mit ihren Schülern die Gedenkstätte zu besuchen, äußerst gering. Kein Wunder, dass Schüler aus Westdeutschland inzwischen besser über die DDR bescheid wissen als ihre ostdeutschen Altersgenossen. Vor allem der eher dürftige Informationsstand ostdeutscher Schüler über das Ausmaß und die Wirkung des DDR-Überwachungsstaats zeugt von einem deutlichen Nachholbedarf. Die Gelegenheit dazu, wie sie beispielsweise Stasi-Opfer Mario Röllig bei Führungen durch die ehemalige Haftanstalt bietet, wird jedoch offensichtlich zu wenig wahrgenommen.

Der Beitrag erschien auch auf "Denken für die Freiheit", dem Weblog des Liberalen Instituts der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Sven von Storch

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