DRM_ Künstliche Verknappung wird subventioniert
DRM_ Künstliche Verknappung wird subventioniert
Datum: 02.07.2013, 10:36
Während viele eher links orientierte Kritiker des geistigen Eigentums deshalb auch technische Verfahren der digitalen Rechteverwaltung(Digital Rights Management – DRM) ablehnen räumen die Kritiker aus liberaler Perspektive ein, dass eine künstliche Verknappung durch DRM aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen dem Ermessen der Rechteverwerter zu überlassen sei, da diese ja auch die Kosten solcher Verfahren tragen. Zum einen reduziert das DRM den Wert der geschützten Medien für die Verbraucher, da diese oft erhebliche Einbußen im Nutzungskomfort verursachen, zum anderen tragen die Unternehmen die Entwicklungskosten. Eine unter Rentabilitätsaspekten vorgenommene Abwägungsentscheidung zwischen der Monopolrendite aus der künstlichen Verknappung und ihren Kosten schränkt damit den Einsatz von DRM und damit auch dessen gesamtwirtschaftliche Nachteile ein. Dieser neutrale Blickwinkel gilt jedoch nur solange, wie die DRM praktizierenden Unternehmen tatsächlich auch deren Kosten voll tragen. Wie der Guardian jedoch kürzlich berichtet, beteiligen sich nicht nur die Unternehmen an der Entwicklung neuer Verfahren des DRM, die anders als konventionelle Methoden weniger leicht umgangen werden können, sondern offenbar auch im erheblichen Umfang der Staat. So wird am Fraunhoferinstitut mit öffentlicher Förderung ein Verfahren der individuellen Markierung von eBooks entwickelt, mit dem der Erstbesitzer einer digitalen Kopie eines Buches zurückverfolgt werden kann. Benutzer sollen so “zu einem verantwortungsvollen Umgang mit ihrer Kopie angehalten und vor illegaler Weitergabe abgeschreckt” werden. Der gläserne Nutzer von eBooks dürfte nicht nur Wasser auf die Mühlen radikaler DRM-Kritiker bedeuten, die nicht ohne Berichtigung auch die Gefahren für den Datenschutz anführen, sondern ist in diesem Fall auch aus liberaler Perspektive kritikwürdig, weil die Subventionierung des Staates die Wirtschaft von einem Teil ihrer Kostenverantwortung befreit.
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