Heuchlerinnen der Wahlfreiheit, Kritikerinnen des Betreuungsgeldes
Heuchlerinnen der Wahlfreiheit, Kritikerinnen des Betreuungsgeldes
Datum: 14.11.2011, 20:52
Sehr geehrte Frauen in der CDU,
Sie kämpfen gegen das Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kleinstkinder im Alter von ein und zwei Jahren höchst persönlich zu Hause erziehen wollen. Dennoch tritt Ihre Partei seit mehreren Legislaturperioden mit dem Angebot einer Wahlfreiheit an. Diese Wahlfreiheit beziehen die CDU-Wahlkämpfer dann auf die Entscheidung für den von den Eltern gewünschten Umgang mit der natürlichen Tatsache, dass Kinder hilfsbedürftig und kulturbedürftig geboren werden. Die Abhängigkeit des menschlichen Kindes von den für es verantwortlichen Erwachsenen kostet Zeit und Geld. Das ist ein Fakt. Nun kann man, will man diese natürliche Herausforderung nicht persönlich annehmen, diese delegieren. Die Delegation wird käuflich erworben. Eltern, die an Werktagen die Pflege und Erziehung ihrer Kleinstkinder delegieren, können in der Zeit, in der sie ihrem Erziehungsauftrag nicht persönlich nachkommen, durch Berufsarbeit Geld erwerben. Das wäre ihre Privatangelegenheit, würden sie selber und nicht der Staat die Erziehungsersatzleistung zum großen Teil durch Steuermittel finanzieren. Die Elternteile, die die andere Wahl treffen, nämlich die der persönlichen Erziehung zu Hause, verdienen derweil kein Geld. Die Familien finanzieren die Erziehung ihres Kindes im Grunde mit dem Lohn, der ihnen entgeht, weil sie ihr Kind persönlich erziehen. Das ist und bleibt ihre Privatangelegenheit, weil der Staat das entgangene Gehalt des erziehenden Elternteils nur ganz geringfügig kompensiert. Für diese Form der Kinderbetreuung fließen keine öffentlichen Geldmittel.
Gängige Praxis ist es, dass die Öffentliche Hand die Delegation der persönlichen Kindererziehung an Krippen mit einem Betrag zwischen 1.000 und 1.200 € pro Monat weitestgehend finanziert. Die Kita-Eltern bezahlen lediglich einen kleinen Zuschuss zu den tatsächlichen Betreuungskosten. Eltern von ein- und zweijährigen Krippenkindern können Geld verdienen, weil der Steuerzahler die Abwesenheit ihrer Kinder von ihnen finanziert. Das unter diesen Subventions-Voraussetzungen erworbene Geld, können diese Eltern nach ihrem eigenen Ermessen verwenden. Keiner kontrolliert, ob sie davon Flachbildschirme, Schnaps oder Pornos kaufen. Es wird auch nicht danach geschaut, ob dieses vom Staat ermöglichte Einkommen für Pauschalreisen verwendet wird, in denen die Kinder wiederum in Animationsangeboten aus dem Familienverband ausgeschlossen werden. Sie, die Frauen in der CDU, planen nach meiner Kenntnis nicht, die Kita-Eltern hinsichtlich ihres Konsumverhaltens zu kontrollieren und zu bevormunden.
Nun unterstellen wir einmal, dass Sie die Gründe für die Lebensentwürfe der Eltern nichts angehen, weil sie privater Natur sind. - Als ich irrtümlicherweise CDU wählte, war ich davon ausgegangen, dass Ihr Postulat einer Wahlfreiheit mit Ihrer ideologischen Zurückhaltung gegenüber privaten und kulturellen Lebensentscheidungen einhergeht. - Ist das der Fall, so haben Sie auch nicht das Recht, diejenigen Familien, die sich für einen 24 Stunden-Alltag mit ihren kleinen Kindern und mit dem Verzicht auf Erwerbsarbeit entscheiden, abzuwerten, zu entmündigen und zu kriminalisieren. Sie stellen ein Betreuungsgeld in Frage. Was maßen Sie sich an, Kita-Eltern 10 Mal so viel „Zuschuss zur Kinderbetreuung“ zu geben, wie ganztags erziehenden Eltern? Wer gibt Ihnen das Recht, dieses lächerliche geplante Zehntel für praktizierende Eltern auch noch unter staatliche Verwendungs-Kontrolle stellen zu wollen. Die ganztags erziehende Familie braucht keinen Bildungsgutschein, weil ihr Bildungsstand so hoch ist, dass sie um ihre Qualifikation weiß. Hier mitten in der alltags realisierten Familie wird nämlich nicht dem primitiven Irrglauben an einen Nürnberger Trichters gefrönt. Hier ist der kleine Mensch auch dann bedingungslos angenommen, wenn er kein frühkindliches Programm absolviert. Hier wird ein Fundament gebaut, das Bindung heißt. Montags um zehn und donnerstags um viertel vor zwölf; in jeder Minute erfährt das Baby: Ich werde hier mehr geliebt und verstanden als der Moritz von nebenan. Dafür brauche ich noch nicht einmal Bedingungen erfüllen. Während das passiert, wird er wunderbar bildungsfähig. Das passiert automatisch. Man braucht es gar nicht anzustreben. Familie ist eben konkurrenzlos gut im Aufbau von Bindung, ohne die jeder Bildungsturm zusammenbrechen wird.
Wäre das CDU-Ziel einer Wahlfreiheit nicht geheuchelt, so bekäme jede Familie mit Kleinkindern zwischen zwei und drei Jahren dasselbe Betreuungsgeld, mit dem es auf einem freien Markt das kaufen könnte, was für ihr Kind gut ist. Mein Verdacht aber ist, dass Sie den persönlich erziehenden Eltern die Verantwortungsfähigkeit für ihre Kinder absprechen, und da kann ich nur sagen: „Gute Nacht Deutschland!“ Und Sie, liebe Frauen in der CDU, sollten sich entscheiden, ob Sie mehr Bevormundung in einem Gouvernanten-Staat oder mehr Kinder in Deutschland haben wollen. Beides geht nicht.
Mit freundlichen Grüßen
Stefanie Selhorst
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