Sorry, liebe Kärntner, Ihr habt den Koralmtunnel verspielt...

Er glaube „nicht länger daran, dass Demokratie in der Form ,Eine Person – eine Stimme‘ der beste Weg ist, um ein politisches System zu organisieren“, argumentierte jüngst bei der Jahrestagung des Institutes für neues ökonomisches Denken im Hongkonger Hotel Intercontinental vor Dutzenden Nobelpreisträgern, Harvard-Professoren und dem Gastgeber, Georges Soros, der streitlustige kanadische Philosoph und Publizist Daniel A. Bell.

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Stattdessen präferiert er „eine Auslese der politischen Führungselite nach intellektuellen Fähigkeiten und moralischen Standards“. Nicht wenige der anwesenden Turbodenker nickten da beifällig mit dem Kopf. Eher nicht zu vermuten ist freilich, dass Bell durch das Studium des österreichischen Bundeslandes Kärnten und der dortigen Ereignisse des letzten Jahrzehnts zum Schluss gekommen ist, dass die Demokratie eher weniger gut geeignet ist, ein politisches System zu organisieren. Dabei stützt der Fall Kärnten Herrn Bells These vorzüglich.

Denn jene Parteien und Politiker, die Kärnten in den völligen Ruin geführt und nun allen österreichischen Steuerzahlern einen Schaden – Stichwort Hypo Alpe Adria – von vielen Milliarden Euro zugefügt haben, sind bekanntlich nicht durch einen Putsch, sondern durch demokratische Mehrheitsfindung an die Macht gekommen. Den verblichenen Jörg Haider und seine Kumpane – also das System Haider – für die größte Pleite der österreichischen Nachkriegsgeschichte allein verantwortlich zu machen, greift daher viel zu kurz. Denn der Kärntner Wähler, der dieses System an die Macht gewählt und viel zu lange dort bestätigt hat, trägt mindestens im gleichen Maße Schuld für dieses horrende Debakel.

Herbeigewählt hat der Souverän in Kärnten das System Haider ja nicht zuletzt deshalb, weil sich sehr viele Wähler einen materiellen Vorteil davon versprachen. Mit jenen Scheinen, die Haider aus dem scheinbar wohlgefüllten Bankomat Hypo Alpe Adria zog, warf er ja auch unter dem beistimmenden Johlen der Bevölkerung um sich. Es ist deshalb irgendwie unbefriedigend, dass die Kärntner Wähler, die eben durchaus (mit-)verantwortlich dafür sind, dass dem österreichischen Bundessteuerzahler Milliardenlasten aufgebrummt werden, zwar zuerst vom System Haider profitierten und ihre Gaudi hatten, nun aber nicht hinreichend an den Kosten dieses Unfugs beteiligt werden.

Den Nutzen dieses Systems haben die Kärntner sozusagen für ihr Land privatisiert, der Schaden wird nun sozialisiert. Das ist keine besonders gute Idee. Eine bessere Idee wäre zweifellos, die Kärntner wenigstens einen Teil des Schadens, den sie im letzten Jahrzehnt demokratisch herbeigewählt haben, auch wieder abtragen zu lassen. Etwa, indem der Bund künftig bei Investitionen in die Kärntner Infrastruktur berücksichtigt, welche gewaltigen Verluste dieses Bundesland völlig freiwillig angerichtet und dem gesamtösterreichischen Steuerzahler zugefügt hat.

Der Koralmtunnel etwa, für den Rest Österreichs ja von überschaubarer Bedeutung, könnte in diesem Zusammenhang durchaus noch einmal einer Evaluierung zugeführt werden: eine Nutzung des Tunnel-Torsos als Europas größtes (und teuerstes) Mahnmal für die Risken der zeitgenössischen Massendemokratie böte sich geradezu an. Und Daniel Bell könnte ja die Eröffnungsrede halten.

Beitrag erschien zuvor auf: ortneronline.at

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