Schein gehabt

Kurz geklagt: Alte Menschen im Fokus des Nanny-Staates.

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Für alle, bei denen das Seniorendasein noch weit entfernt ist, mag es wie eine gute Idee klingen: Nach den Wünschen der Verkehrsversicherer sollen Senioren ab 75 Jahren zum Fahrtest. Noch in diesem Jahr wollen die Versicherungskonzerne „Standards für eine Testfahrt entwickeln“. Wer allerdings Statistiken lesen kann, der weiß, dass Prüfungen oft wahre Leistungsfähigkeiten verfälschen, wer gelernt hat, dass sich Gründe für Fahrunfähigkeit nicht nur bei Älteren finden lassen, und wer alte Menschen vor Demütigungen und weiteren Erschwernissen bewahren will, dem stellen sich dabei die Nackenhaare auf. Für den derart ganzheitlich Denkenden entpuppt sich diese Initiative nicht nur als Versuch, den Gewinn der involvierten Unternehmen zu maximieren, sondern als eine weitere Einübung in den bevormundenden Nanny-Staat, also den gewollten Verlust von Freiheit und Selbstverantwortung.

Zwar wiegelt das Bundesverkehrsministerium noch ab, man setze eher auf freiwillige Kontrolle, doch schon beim Verkehrsgerichtstag in Goslar in der kommenden Woche wird das Thema Zwangsprüfung auf der Tagesordnung stehen. Den Versicherern schwebt vorerst „nur“ eine Kontrollfahrt an der Seite eines geschulten Fahrlehrers vor, wobei man sicher sein kann, dass die Fahrschulen sich über die zusätzliche Einnahme freuen werden. Ein so umfänglicher wie teurer Vorbereitungskurs wird sicher gerne zusätzlich angeboten. 

Vorerst soll sich nur eine „Empfehlung“ aus einer solchen Testfahrt ergeben, doch kennt man die Eigendynamik solcher Prozesse, die in diesem Fall stark an die (bisher ebenfalls noch freiwilligen) Fahrtenschreiber in Privatfahrzeugen erinnern. „Langfristig wird eine solche Kontrollfahrt zur Pflicht werden müssen“, setzte der Chef der Unfallforscher des Versicherungsverbandes, Siegfried Brockmann, schon mal eine Duftmarke. Man hat dabei sofort die begeisterten Medien- und Regierungsberichte vor Augen, die eine solche exklusive deutsche Sicherheits-Diktatur als Vorbild für den Rest der Welt feiern würden. Und am Ende stehen dann Fahrverbote ohne jede Prüfung bei stetig niedriger werdenden Grenzwerten.

Die Begründung der Versicherer jedenfalls ist hanebüchen. Man räumt ein, dass Senioren absolut gesehen weniger Unfälle als Fahranfänger verursachen, argumentiert dann aber mit dem Detailkriterium, dass 75% der Unfälle mit Personenschaden, an denen über 74-Jährige beteiligt waren, von diesen verursacht worden waren. Bei Fahranfängern beschränke sich der Anteil der Verursacher auf bloße 70%. Doch wäre es nicht eine viel einfachere und aussagekräftigere Sicht auf die Statistik, wahrzunehmen, dass neun Mio. über 74-Jährige nur für 11,5% der Unfälle verantwortlich sind, aber die restlichen theoretisch fahrfähigen 57 Mio. mehr als 88% der Unfälle zu verantworten haben? Auf jede Million der Oldies kommen also 1,28% der Gesamtunfälle, bei im Vergleich 1,54% des gesetzlich fahrfähigen Restes mithin deutlich weniger.

Solche Zahlen erfassen natürlich alle nicht die Komplexität der Lage, und kein Mensch wird bezweifeln, dass die Fähigkeit zum Führen eines Kraftfahrzeugs mit dem Alter nachlässt. Aber es gibt eben viele individuelle Unwägbarkeiten, die durch eine zurechtgebogene Statistik nicht erfasst werden können und sollten. Es geht eben auch um Demütigung und Ungleichbehandlung, es geht um zusätzliche Erschwernisse im Leben für ohnehin durch ihr Alter schon gebeutelte Menschen, es geht um Willkür in Form der Auslieferung an einen kommerziellen und/oder seelenlosen Apparat.

In einer solchen Testfahrt ginge es dann um mehr als nur wie suggeriert um objektive Fahrsicherheit. Mit im Spiel wären auch Fahrschullehrer, die den sekündlichen Schulterblick, exakt dreimaliges Blinken beim Spurwechsel oder das demonstrative Einstellen eines schon eingestellten Spiegels fordern, obwohl der Kandidat vielleicht dies durch seine Erfahrung, seinen Realitätssinn, defensives Fahren oder andere Blickwinkel ersetzt, wenn er den Hals nicht mehr so weit drehen kann und die Gedanken langsamer fließen.

Auch andere Verkehrsteilnehmer-Kategorien neigen zu problematischen Protagonisten in ihrer jeweiligen Gruppe: unbeherrschte Jugendliche, einen zuhause anderen Fahrstil gewohnte Migranten, testosterongesteuerte Überflieger aus den Chefetagen oder die nicht unerhebliche Zahl überforderter Frauen, die zwar mit vorsichtiger Fahrweise die Statistik ihrer Gruppe schönen, aber den Verkehr immer wieder mal  ins Chaos stürzen.

Die meisten Alten jedenfalls können ihre Fähigkeiten auch ohne Prüfung sehr wohl einschätzen, nutzen deshalb ihr Auto sowieso möglichst selten oder schaffen es ganz ab. Die anderen werden sich auch durch eine „Empfehlung“ nicht abhalten lassen. Das ganze Unternehmen der Versicherer reiht sich deshalb ein in eine Fülle „gutgemeinter“ Maßnahmen der Autoritäten zur Abschaffung des mündigen Bürgers, es ist letztlich nur eine Einübung in den Souveränitätsverzicht. Hinter den scheinbar vernünftigen Maßnahmen gegen eine Minderheit steht das Bemühen um eine Sicherheitsdiktatur, um die Kontrolle von der Wiege bis zur Bahre.

Mehr von Konrad Kustos gibt es hier: https://chaosmitsystem.blogspot.de/

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Dirk S

@ Joachim Datko


Zitat:"Der Autofahrer wird nur noch eine Nebenrolle spielen, die Hauptrolle übernimmt die Technik."

Bis zum ersten Bug...

Wanzenfreie Grüße,

Dirk S

Gravatar: Mino Cair

@Franz Horste: die Zukunft wird aussehen wie eine Mischung aus "Soilent Green" und "Brasil". Ich frage mich, ob die Produzenten prophetisch waren oder ob die Politik sich von solchen Dystopien inspirieren läßt?

Gravatar: Franz Horste

Will man den Leuten dann auch verbieten ein Auto zu besitzen. Man könnte auch, wie viele Jugendliche ohne Führerschein Unfälle verursachen. Man kann das auch auf das Radfahren und das Zufuß-Gehen ausdehnen. Man könnte den Menschen ab einem bestimmten Alter verbieten das Haus zu verlassen oder sie gar wie bei "Soilent Green" ab einem Alter, in dem sie nicht mehr rentabel, sind einfach einschläfern. Wer setzt hier welche Grenzen?? Mir graut davor, wenn ich dabei an Grün-Links denke!

Gravatar: F. Blücher

Wenn man genügend Geld hat, um Personal zu beschäftigen, kann man getrost auf das Selberfahren eines Autos verzichten. Andererseits haben diejenigen, die jetzt die Senjoren in ihrer Beweglichkeit einschränken wollen, am meisten dafür gesorgt, dass man im täglichen Leben ohne Auto nicht mehr auskommt. Beim Einkaufen, Besuch von Behörden usw. usf..
Wo bleiben die Vorschläge für für einen subventionierten Taxidienst für Senioren? Es wird so vieles unsinnig subventioniert, aber nicht das, was wirklich not tun würde.

Gravatar: Joachim Datko

Elektronische Fahrassistenten werden in naher Zukunft die Sicherheit im Straßenverkehr signifikant erhöhen. Autos werden in weitgehend selbständig fahren. Der Autofahrer wird nur noch eine Nebenrolle spielen, die Hauptrolle übernimmt die Technik.

Joachim Datko - Ingenieur, Physiker

Gravatar: Hans-Peter Klein

Ich sehe hier bei FW u.a. auch ein reflexartiges Draufhauen auf alles, was von "denen" vorgeschlagen wird.
... ... ...

Wir mussten unserem dementen Vater sogar die Auto-Schlüssel aus der Hand nehmen, er reagierte in dieser Phase regelrecht aggressiv gegen jede "Bevormundung".

Einmal die Schlüssel aus der Hand, hatte er es kurze Zeit später "vergessen". Vorher hatte er einiges an Blechschäden und gefährlichen Situationen verursacht.

... ... ...

Es ist, wie bei fast allem, die doch immer wieder kehrende Frage:
Was ist eine Ausnahme, was ist die Regel,
wann wird eine Ausnahme zur Regel,
wann wird die Regel zur Ausnahme?

Das die Antworten hierauf sehr mannigfaltig ausfallen, ist auch klar, aber vorbeugend und ggf. eingrenzend darauf reagieren?.

Aber die Frage ist doch hoffentlich noch erlaubt und man wird sie doch wohl hoffentlich auch noch entsprechend in den Raum werfen dürfen.

Ihre einzige hier angebotene Antwort :

" ... ... ... Autoritäten zur Abschaffung des mündigen Bürgers, es ist letztlich nur eine Einübung in den Souveränitätsverzicht. Hinter den scheinbar vernünftigen Maßnahmen gegen eine Minderheit steht das Bemühen um eine Sicherheitsdiktatur, um die Kontrolle von der Wiege bis zur Bahre."

Aber was ist, bei der hier angesprochenen Klientel, wenn ein echter, natürlich eingetretener "Souveränitätsverlust" eine Kontrolle zum Schutz der Allgemeinheit tatsächlich erforderlich macht ?

Wie lautet denn darauf Ihre Antwort?
Recht gäbe ich Ihnen, wenn es in "Wahrheit" tatsächlich um eine "Kontrolle von der Wiege bis zur Bahre ginge, aber woher wissen Sie denn das ?

Eine Antwort, von wem auch immer,.á la:
"Weil von den Deppen eh nichts vernünftiges kommen kann, siehe Gender, Energiewende, ... usw. "

die:

können Sie, wer auch immer : Sich sparen.

MfG, HPK

Gravatar: Bärbel Schmidt

Diese Forderung fällt mir jedes Jahr auf, seit ich in Rente bin. Es scheint wichtige Gründe dagegen zu geben. Wenn es dann genügend selbstfahrende Autos gibt könnte es klappen.

Gravatar: karlheinz gampe

Unsere Lobbyregierung (Establishment) ist nicht für die Bürger da, sondern nur für entsprechende Organisationen. (z. Bsp. Asylindustrie).
Kann man wieder ein paar unproduktive Schwafelköppe beschäftigen.

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