Progressiv vor dem Wind, bis das Riff kommt
Progressiv vor dem Wind, bis das Riff kommt
Datum: 26.01.2018, 07:26
Vor dem Wind (Raumschotkurs) segelnd kann man auf einer Yacht entspannt Kaffee trinken, man sieht die Welle von hinten und nimmt die Gischt kaum wahr, da sie von der Rückseite der Welle verdeckt wird. Die Geschwindigkeit des Schiffes subtrahiert sich von der Windgeschwindigkeit, weshalb man an Bord nur ein laues Lüftchen wahrnimmt. Bei fünf Beaufort, das sind rund 22 Knoten Wind, läuft ein gutes Schiff sieben bis acht Knoten. Man erlebt also circa 14 Knoten scheinbaren Windes, das ist eine schwache Brise von drei Beaufort. Ganz anders bei denen, die einem bei solchem Wetter entgegenkommen und die diesen Kurs gewählt haben, weil sie ein anderes Ziel haben. Windrichtung und Ziel decken sich leider nur selten. Hart am Wind läuft man bei fünf Beaufort mit vier bis fünf Knoten gegen über 20 Knoten Wind an, man ist mit richtig starkem Wind konfrontiert. Ich habe das oft erlebt: Während sich die Rückenwindgetriebenen bequem mit ihrer Kaffeetasse oder einem Bierchen in die achterliche Reling lümmeln, kommen einem auf entgegengesetztem Kurs hart kämpfende Skipper entgegen, die meistens nach Hause müssen und keine andere Wahl haben, als diesen Kurs zu segeln. Die haben die Strömung und die Welle von vorn, was einen immer wieder aufstoppt, während die Gischt über das Boot fegt und es oft nicht vorwärts zu gehen scheint.
Die Wahrnehmung des Wetters ist auf dem Vor-Wind-Kurs völlig anders als auf dem Am-Wind-Kurs. Fragte man die entgegenlaufenden Skipper am Ende des Tages nach dem Törn, bekäme man völlig entgegengesetzte Auskünfte – und das bei völlig gleichem Wetter. Wie man also die Wetterbedingungen erlebt, hängt wesentlich mit der Richtung zusammen, in die man sich aufmacht. Vor-dem-Wind-Segler sind am Ende des Tages immer besser drauf, tragen das strahlende Lächeln des unbesorgten Bürgers, erzählen von den guten Bedingungen für das Vorankommen und neigen am Abend zum Feiern. Diejenigen, die gegenan mussten, sind meistens zu erschöpft, um der Einladung zu folgen, was ihnen den Ruf eintragen kann, zu den Abgehängten zu gehören, die nicht einmal aus den besten Bedingungen etwas zu machen imstande waren. Nun hat es der Herr in der Wetterwirklichkeit allerdings so eingerichtet, dass er jedem Segler einen ständig sich ändernden Mix aus Bedingungen schenkt, die er durch kluge Törnplanung ausnutzen kann.
In der Politik ist das anders, hier sorgt kein gnädiger Gott für nur kurzfristig vorhersagbare Verhältnisse. Die Richtung ist durch den politischen Mainstream vorgegeben, und der ändert sich über quälend lange Zeiträume gar nicht. Die Ziele der Herrschenden geben die Windrichtung vor, weshalb die Massen auf Raumschotkurs gebracht werden und sich dann wundern, wenn ihnen jemand entgegenkommt. Jene, die die Richtung des Mainstreams bestimmen, können die Vor-dem-Wind-Segler in jede beliebige Richtung lenken, auch in Abgründe und auf Klippen. Eine Signaltonne ist auf See erst unter einer Seemeile auszumachen, ein Riff meist erst, wenn man die Brandung hört. Dann plötzlich im Pulk der Masse ausweichen zu wollen, ist fast unmöglich. Doch solange unsere linken Sportsfreunde Kaffee und Bier saufend vor dem Wind in der Plicht lümmeln, erleben sie das wahre Wetter nicht, die schnellsten mit dem Wind Segelnden am allerwenigsten, das könnten sie erst, wenn sie sich aus der Masse ausscherend dem Wind stellen würden. Da sie aber jede Zugluft meiden, ist ihrer Wirklichkeitswahrnehmung nicht aufzuhelfen.
Vor dem Wind Segeln macht einfach zu gute Laune, weil das Risiko kaum wahrgenommen wird, weshalb so viele trotz des bedrohlichen Wetters gut drauf sind – und sollte der Wind weiter auffrischen, geht‘s noch progressiver vorwärts, was noch mehr gute Laune macht, da zieht man zur Bewunderung des Geschwaders gern noch den Spinnaker hoch. Schadensfrei eingeholt bekommt man den dann nicht mehr.
Mit der guten Laune ist es schlagartig vorbei, wenn das Echolot Flachwasser meldet und man bemerkt, dass das Riff direkt vor einem liegt. Dann kommt Panik auf, denn unter Vollzeug wendend würde man den Kahn unverzüglich versenken. Das kollektive Auflaufen, sich ineinander Verkeilen und Absaufen der Massen ist dann ein schauderhaftes Schauspiel, dem man nur in gebührender Entfernung beiwohnen sollte. Kreuzen Sie besser beizeiten gegen den Mainstream zu den von den Sozialisten aufgegebenen Inseln. Warum jedoch eine international-sozialistische deutsche Kanzlerin mitten im tiefsten Frieden die „progressiven“ ethnischen Deutschen in den Abgrund zu manövrieren versucht hat, wird von zukünftigen Historikern als abgründiger bewertet werden als der Nero-Befehl des national-sozialistischen deutschen Kanzlers in der Extremsituation eines aussichtslos gewordenen Krieges.
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