Streit um schulische Sexualerziehung ist nicht gelöst!

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Streit um schulische Sexualerziehung ist nicht gelöst!
Datum: 17.08.2009, 21:40

Viele Berichte der Medien zum neuesten Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Schulfragen erwecken einen falschen Eindruck. Danach handelt es sich bei den zu Geldbußen verurteilten Eltern lediglich um religiös fundamentalistisch motivierte Protestler gegen den schulischen Aufklärungsunterricht, gemischten Schwimmunterricht, Klassenfahrten und sogar Karnevalsfeiern. Allein alle diese Dinge in einem Atemzug zu nennen, verbietet sich wegen der Grundverschiedenheit der Themen, gleichwohl werden sie alle von der Grundhaltung geprägt, die dahintersteht.

Das Grundrecht der Eltern, über die Erziehung ihrer Kinder zu entscheiden, wird in vielen Schulen vorschriftswidrig massiv verweigert - das wird hier bewußt verschwiegen. Es gibt viele Elternpaare, nicht nur baptistischen oder muslimischen Glaubens, die mit der schulischen Sexualerziehung und ihrem Umgang mit Fragen des Zusammenlebens der Geschlechter absolut nicht einverstanden sind. Die ständig vom Bundesverfassungsgericht – auch in der neuen Entscheidung – geforderte Neutralität und Toleranz gegenüber den erzieherischen Vorstellungen der Eltern suchen die Eltern meistens vergebens. Einsicht in Unterrichtskonzepte zum SE-Unterricht wird Eltern in den seltensten Fällen unaufgefordert gewährt, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist; auch auf Nachfrage ist dieses Recht schwer durchzusetzen. Ihr Mitspracherecht wird ganz einfach ignoriert, ihre Bedenken abgetan und ihre Gegenwehr als ‚von gestern’ gewertet.

Der ELTERNVEREIN NRW kritisiert die freizügige, wertfreie Grundhaltung der „Richtlinien für die Sexualerziehung“ und der Schriften der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die mittlerweile auch andere Bereiche und die gesamte gesellschaftliche Entwicklung stark beeinflußt. Danach haben Eltern allen Grund zum Protest: Erstens werden Kinder schon im Grundschulalter mit diesem Thema zum Teil auf extrem schamverletzende Weise konfrontiert, ganz gleichgültig, ob das einzelne Kind dafür die nötige Reife besitzt. Diese Frühsexualisierung hat erschreckende Folgen, wenn schon Grundschulkinder Handlungen nachspielen und dadurch andere psychisch und körperlich bedrängen und verletzen. Zweitens wird durch die Darstellung von sexuellen Vorgängen und Handlungen und die Propaganda für „freie Selbstentfaltung“ in Verbindung mit Kondomwerbung den Kindern und Jugendlichen der tiefere Sinn und Hintergrund der Sexualität, der Liebe als ihrer Grundlage und Voraussetzung, vorenthalten. Drittens hat die schulische „Aufklärung“ ihr eigentliches Ziel völlig verfehlt, die Zahl der Infektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten (z.B. AIDS) und Teenagerschwangerschaften zu verringern – diese sind im Gegenteil kontinuierlich gestiegen! Jugendliche und junge Erwachsene brüsten sich heute im Internet und vor laufender Kamera mit ihrem „Sex-Konsum“.

Das Abtun der Elternproteste gegen schulische Sexualerziehung als Hysterie und religiöses Einzelkämpfertum ist unangemessen. „Wir wollen nicht Sex als Leistungssport für unsere Kinder! Sie sollen behutsam und ihrer Würde gemäß an die wertvolle sinnstiftende und bindungsstärkende Funktion von Sexualität herangeführt werden.

www.elternverein-nrw.de

Sven von Storch

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