Zahl der Obdachlosen wächst
Zahl der Obdachlosen wächst
Datum: 31.01.2017 - 09:47 Uhr
Die Bilder sind deprimierend. Männer mit ausgetretenen, löchrigen Schuhen ziehen sich eine Plastikplane enger um die Schultern und drücken sich an die Wände einer Straßenbahnhaltestelle, um ein wenig Schutz vor dem kalten Wind zu finden. In einem Einkaufswagen haben sie ihren gesamten »Reichtum« verstaut. Ihre Mahlzeit besteht aus einem alten, halb angebissenen Brötchen, dass sie aus einem Mülleimer gefischt haben. Eine mitleidige Seele hat ihnen einen Becher Kaffee bei einem Kiosk in der Nähe organisiert. So sitzen sie da, von der Merkel-Regierung und den Landesregierungen vergessen und ignoriert.
In einem Interview mit »n-tv« geht die Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin, Barbara John, auf die Situation in der Hauptstadt ein. Schätzungen, so John, gehen davon aus, dass sich mehr als 20.000 Obdachlose in Berlin befinden. Zählungen können nicht durchgeführt werden, weil sich die Obdachlosen fast permanent in Bewegung befänden. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sie immer wieder vertreiben würden.
Besonders problematisch sei die Situation im Winter. Denn für die große Zahl an Obdachlosen stünden nur wenige Notunterkünfte zur Verfügung. Derzeit sind es 800, der Berliner Senat will diese Zahl auf 1.000 erhöhen. Doch das reiche noch lange nicht, sagt John. »Es gibt kein Gesamtkonzept, keine Prioritäten, nur viele Details.«
Vor allem jedoch fehlt ihnen die Unterstützung. Anders als bei den Migranten, »Flüchtlingen« und Asylbewerbern finden sich keine Interessengruppen, Vereine oder Verbände, die mit und an der Obdachlosenhilfe verdienen könnten. »Aktivisten« und ähnlich gelagerte Interessengruppen sind genau so wenig anzutreffen, wie »verständnisvolle« Politiker der Altparteien, die ihr professionelles Betroffenheitsgesicht in jede sich bietende Kamera drücken könnten.
Mit den Obdachlosen kann man nicht punkten, sich nicht beliebt machen, sich nicht bei anderen einkratzen. Und deswegen wird diese Gruppe vergessen oder ignoriert.
Wohlgemerkt: in diesem Bericht geht es um richtige Obdachlose. Es geht nicht um die professionellen Bettlerbanden aus Südosteuropa, die eine Frau mit einem Kleinkind an stark frequentierten Stellen absetzen und nach mehreren Stunden »Schicht« mit dem dicken PKW der oberen Mittelklasse wieder einsammeln.
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