Wirtschaftsmigranten als billige Arbeitskräfte im Pflegebereich

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Wirtschaftsmigranten als billige Arbeitskräfte im Pflegebereich
Datum: 29.08.2017 - 10:40 Uhr

Nach dem Flüchtlingsgipfel in Paris, zu dem der französische Präsident Macron geladen hatte, wartete Merkel mit einem neuen Vorschlag auf. Sie könne sich vorstellen, heißt es in einem Bericht der »Bild« mit Bezug auf ein Merkel-Interview in der »taz«, dass »wir mit afrikanischen Ländern Kontingente vereinbaren, wonach eine bestimmte Anzahl von Menschen hier studieren oder arbeiten kann.« Insbesondere einen Einsatz in den Pflegeberufen, in dem nach wie vor ein hoher Personalbedarf besteht und etliche Stellen unbesetzt sind, steht in Merkels Fokus.

Sie versucht zwar, ihre Ausführungen so einzuschränken, dass nur diejenigen aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen dürfen, die die entsprechenden Voraussetzungen erfüllten und die man hier im Land auch gebrauchen könne. Dies wäre insbesondere bei Pflegekräften der Fall. Doch realistisch betrachtet gibt es exakt diese Berufe in den wenigsten Quellländern der Wirtschaftsmigranten. Zudem werden, wenn es dann mal ausgebildete Fachkräfte gibt, genau diese in ihren Heimatländern mindestens genau so sehr gebraucht wie in Deutschland; vermutlich sogar in noch größeren Umfang.

Merkel schlägt vor, das Ausbluten dieser afrikanischen Länder durch den Import der wirklich wenigen Fachkräfte nach Deutschland hinein zu beschleunigen und fördert gleichzeitig das Lohndumping in dem ohnehin schon schlecht bezahlten Pflegesektor. Denn es ist vermutlich unstrittig, dass eine solche Aktion wohl kaum dazu dienen wird, die Pflegekräfte zukünftig besser und angemessen zu entlohnen. Ganz im Gegenteil: unbesetzte oder durch Kündigung einer inländischen Fachkraft frei gewordene Stellen werden dann mit billigen Import-Arbeitskräften besetzt, die in der Regel nicht den gleichen Wissens- und Ausbildungsstand vorweisen können. Wieder einmal leistet Merkel denen, die schon länger hier leben, einen Bärendienst.

Sven von Storch

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