Will Deutschlands Militär die Kontrolle über die Ostsee übernehmen_
Will Deutschlands Militär die Kontrolle über die Ostsee übernehmen_
Datum: 26.08.2024 - 10:15 Uhr
Die deutschen Militärführer haben es sich zum Ziel gesetzt, ihren Einfluss auf Operationen in der Ostsee, die traditionell ein von Schweden dominiertes Gebiet ist, auszuweiten. Obwohl Schweden kein Mitglied der NATO war, hatte das formal neutrale Land geheime bilaterale Abkommen mit den Vereinigten Staaten, was in der Praxis bedeutete, dass Schweden während der gesamten Nachkriegszeit für die Kontrolle der Ostsee verantwortlich war. Aber jetzt könnte sich das ändern.
Nach dem NATO-Beitritt Schwedens wollen die Deutschen nicht nur die Verantwortung für die Ostflanke der NATO übernehmen, sondern nun auch alle alliierten Seestreitkräfte in der Ostsee anführen, erklärt der Marinekommandeur des Landes, Jan Christian Kaack, in einem Interview mit der Japan Times.
Die Berichterstattung deutscher inländischer Medien konzentriert sich tendenziell auf die finanziellen Schwierigkeiten Deutschlands, seine eigene Verteidigung zu finanzieren und gleichzeitig die Ukraine militärisch zu unterstützen. Trotz dieser Herausforderungen sind die deutschen Militärführer jedoch nach wie vor davon überzeugt, dass die Vereinigten Staaten ihnen die Verantwortung für die militärische Führung der NATO in Europa übertragen sollten, und jetzt auch in der Ostsee, wo Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nur ein unbedeutendes Territorium gehalten hat.
Erste Anzeichen für die neuen militärischen Ambitionen Deutschlands im Osten gab es im April, als General Carsten Breuer, Chef der Bundeswehr, mit General Wiesław Kukuła, dem Chef des polnischen Generalstabs, zusammentraf. Während die polnische Seite Diskussionen über eine Stärkung der Ostverteidigung der NATO hervorhob, ging die deutsche Bundeswehr noch einen Schritt weiter und kündigte an, Deutschland wolle »Verantwortung« für die Region übernehmen. Die Erklärung löste in Polen Bedenken aus, wo Politiker die Frage stellten, wie ein Land, das Schwierigkeiten hat, sein eigenes Militär aufrechtzuerhalten, plötzlich die Verantwortung für Polen übernehmen könnte, ein Land, das in den letzten zwei Jahren stark in seine Verteidigung investiert hat.
Das Thema geriet anschließend für eine Weile in Vergessenheit, wurde aber erneut thematisiert, als Marinechef Jan Christian Kaack in den japanischen Medien auftrat und neue Aussagen zu den militärischen Ambitionen Deutschlands machte. Während eines Besuchs der deutschen Marine im Fernen Osten, bei dem zwei deutsche Schiffe symbolisch die Taiwanstraße überquerten, um ihre Unterstützung für den regionalen Showdown der USA mit China zu bekunden, sprach Kaack mit der Japan Times.
In dem am Dienstag veröffentlichten Interview skizzierte der Marinechef die globalen Herausforderungen für Deutschland, verriet aber auch Pläne für den Ostseeraum. Er betonte stolz die bedeutende Marinepräsenz Deutschlands in der Ostsee und seine »außergewöhnliche regionale Erfahrung und umfassende Aufklärungsfähigkeit, die das gesamte Gebiet über und unter Wasser abdeckt«. Man sei bereit, größere Verantwortung zu übernehmen und habe der NATO signalisiert, dass »wir bereit sind, die regionale Führung und Kontrolle in der Ostsee zu übernehmen. Die notwendige Kommando- und Kontrollstruktur stellen wir über unser regionales Hauptquartier in Rostock bereit, das als unser internationales Kommando fungiert.«
Obwohl die Einzelheiten der Funktionsweise dieser Aufsicht noch unklar sind, besteht die deutsche Marine derzeit aus über 16.000 Mann und elf Fregatten, fünf Korvetten, sechs U-Booten, zwölf Minensuchbooten und Zerstörern, elf Versorgungsschiffen und drei Aufklärungsschiffen.
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