Wegner schlittert knapp an kompletter Blamage vorbei

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Wegner schlittert knapp an kompletter Blamage vorbei
Datum: 28.04.2023 - 09:15 Uhr

Die gestrige Wahl zum neuen Regierenden Bürgermeister von Berlin sollte zu einem Schaulaufen für Kay Wegner von der CDU avancieren; so zumindest hatten es Wegner und seine Getreuen geplant. Schließlich hat die Regierungskoalition aus CDU und SPD 86 der insgesamt 159 Sitze inne und somit eine fette Mehrheit. Da kann doch gar nichts schiefgehen, das läuft wie geschnitten Brot, war man sich sicher.

 

Ein typischer Fall von »Denkste«: im ersten Wahlgang erhielt Wegner nur 71 Ja-Stimmen. Gleich 15 seiner recht treulosen Getreuen gingen ihm von der Fahne. Dessen Gesichtszüge zeigten ein gerüttelt Maß an Enttäuschung. Wobei die Überraschung mit einem Blick auf das Mitgliedervotum der Berliner SPD bezüglich einer Annahme des Koalitionsvertrage mit der CDU hätte vermieden werden können. Von den 18.555 Berliner »Genossen« stimmten lediglich 11.886 ab und von denen wiederum nur 54,3 Prozent (6.454 Abstimmende) für den Koalitionsvertrag. Gerade einmal jeder dritte Berliner Genosse hat sich somit eindeutig für diese neue Regierungskoalition ausgesprochen.

Da war es dann auch wenig verwunderlich, dass Wegner im zweiten Wahlgang ebenfalls nicht gewählt wurde. Nun kam er zwar immerhin auf 79 Stimmen, die eine Stimme zur Mehrheit fehlte ihm aber dieses Mal ebenfalls. Tatsächlich konnte Wegner nicht verhindern, dass ihm bei diesem niederschmetternden Resultat die Gesichtszüge heftigst entgleisten. Eine Krisensitzung wurde anberaumt, sogar die Verschiebung der Wahl wurde beantragt – dieser Schaufensterantrag aus den ganz linken Reihen wurde aber abgeschmettert. 

Es folgte ein dritter Wahlgang. Noch bevor die Auszählung begann, hatte die AfD-Fraktion eine Pressemitteilung fertiggestellt, mit welcher sie ihre Absicht kundtat, in diesem dritten Wahlgang für Wegner zu stimmen. Und tatsächlich: im dritten Wahlgang erhielt Wegner die erforderliche Mehrheit. Die SPD, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Wahl Wegners im ersten und zweiten Wahlgang boykottiert hatte, will jetzt auf einmal umgeschwungen sein. Wie groß diese Möglichkeit ist, lässt sich ziemlich einfach an dem Ergebnis des oben erwähnten Mitgliederentscheids ablesen. Viel eher trifft es wohl zu, dass Wegner – wie damals in Thüringen Kemmerich von der FDP – im dritten Wahlgang mit der Unterstützung der AfD gewählt wurde. Bei Kemmerich forderte Merkel anschließend, dass die Wahl rückgängig gemacht werden müsse. Bisher ist keine solche Forderung hinsichtlich der Wegner-Wahl publik geworden.

Sven von Storch

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