WDR meint_ Handball sei zu weiß, zu deutsch, zu wenig Multikulti

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WDR meint_ Handball sei zu weiß, zu deutsch, zu wenig Multikulti
Datum: 20.01.2020 - 10:46 Uhr

Der deutsche Handball sei zu deutsch, zu weiß, zu wenig multikulturell. Genau diesen Vorwurf erhoben vor ziemlich exakt einem Jahr selbsternannte Experten und Nörgler an der Handballnationalmannschaft, die damals bei der Weltmeisterschaft hierzulande antrat - und die Zuschauer in der Halle wie auch vor den TV-Geräten mit Einsatz, Engagement, Kampfbereitschaft und unbändigem Siegeswillen zu begeistern wusste. Das war ein ganz anderer Auftritt als der von »Jogis Jungs« bei der Fußballweltmeisterschaft in Russland wenige Monate zuvor.

Die satten, müden Balltreter stolperten über ihre eigene Überheblichkeit und ihre Selbstdarstellung in den Medien, unter anderem auch mit einem bestimmten türkischen Despoten.

Hanball auf dem Niveau der Nationalmannschaften ist ein knüppelharter Sport, der absolute Fitness voraussetzt. Das Anlaufen in Richtung der 9-Meter-Linie, um zum Sprungwurf anzusetzen, wohl wissend, dass einem ein bis zwei Abwehrspieler mit etwa 1,90 Meter Größe und 90 bis 95 Kilo Gewicht entgegenkommen, bedarf schon einer gewissen Überwindung. Für Weicheier ist der Handball die falsche Sportart. Dazu kommt, dass beim Handball das ganz große Geld nicht zu verdienen ist. Uwe Gensheimer, Top-Verdiener in den Reihen des Deutschen Handballbunds (DHB) erhält etwa 500.000 Euro - pro JAHR! Dafür schnüren sich selbst drittklassige Kicker nicht einmal die Schuhe.

Weil der Handball so ist wie er ist - hohe Teamfähigkeit, Kameradschaft, eiserner Wille, Disziplin sind unbedingte Voraussetzungen - ist er nun einmal nicht für alle Menschen gleich geeignet. Schauspieler, Selbstdarsteller, wie man sie im Fußball vor allen bei Spielern aus südlichen Regionen antrifft, braucht es im Handball nicht.

Vielleicht ist exakt deswegen der Handball so weiß, so deutsch, so wenig multikulturell. Übrigens: das »weiß« und das »wenig multikulturelle« gilt für fast alle Handballnationalmannschaften Europas. Selbst die französische Equipe ist überwiegend weiß, die Fußballnationalmannschaft hingegen ist fast ausschließlich schwarz oder »südländisch«.

Ein türkischer(!) Nachwuchstrainer wirft dem Deutschen Handballbund vor, sich gegen teilnehmende Migranten abschotten zu wollen. Das ist selbstverständlich Unfug, die Vereine stehen jedem offen. Aber es ist schwer, den Handballsport jungen Migranten schmackhaft machen zu können. Kein »Blink-Blink«, kein Millionenheer an Followern bei Twitter, kein dicker Geldbeutel, sondern harte Arbeit, blaue Flecken und der eine oder andere gebrochene Knochen. DAS ist Handball.

Sven von Storch

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