Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953

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Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953
Datum: 17.06.2019 - 10:32 Uhr

Begonnen hatten die Proteste, die am 17. Juni 1953 ihren dramatischen Höhepunkt im Ostteil Berlins haben sollten, schon einige Tage zuvor. Die vom Zentralrat der SED im Mai 1953 beschlossenen zehnprozentigen Normenerhöhungen aller Betriebe, sorgten für Missstimmung in der Bevölkerung. In vielen Dörfern und Gemeinden kam es bereits am 12. Juni 1953 zu ersten Protesten und Demonstrationen gegen diesen Beschluss. Fahnen wurden verbrannt, SED-Funktionäre abgesetzt, verprügelt und hier und da sogar in Jauchegruben geworfen.

Nach und nach erreichten die Unruhen auch Berlin. Vor allem die Bauarbeiter erklärten sich schnell soldidarisch mit der Landbevölkerung und legten am 16. Juni 1953 die Arbeiten an den Großbaustellen in der damaligen Stalin-Allee und dem Krankenhausneubau in Friedrichshain nieder. Von dort formierten sich Protestzüge, die auf ihrem Weg zum damaligen Regierungssitz in der Leipziger Straße schnell gehörigen Zustrom erfuhren.

Dort angekommen forderten die Demonstranten nicht nur eine Rücknahme der Normenerhöhung (die ihnen zunächst versprochen wurde, später aber wurde das gemachte Versprechen seitens der SED-Führung nicht eingehalten), sondern auch den Rücktritt der Regierung und freie Wahlen. Für den kommenden Tag, den 17. Juni 1953, wurde zu einer Großkundgebung am Strausberger Platz aufgerufen.

An diesem Tag, dem 17. Juni, besetzten Protestler in über 500 Städten, Orten, Dörfern und Gemeinden im SED-Staat die Parteibüros, legten die Arbeit nieder und hielten Kundgebungen ab. Es war der erste und bis 1989 letzte Generalstreik auf dem Bodem der »DDR«. Schätzungen zu folge beteiligten sich bis zu 1,5 Millionen Menschen an diesen Protesten, mehr als zehn Prozent der damaligen Gesamtbevölkerung.

Die Polizei und die SED-Führung waren komplett überfordert, sodass sich die sowjetische Besatzungsmacht veranlasst sah, das Kriegsrecht über 167 der 217 Kreise der »DDR« zu verhängen und etwa 20.000 Soldaten und 8.000 Mann der Kasernierten Volkspolizei in Bewegung setzten.

34 Demonstranten wurden von der Sowjetmacht und den eingesetzten Polizisten erschossen, sieben Menschen wurden aufgrund politischer Gerichtsurteile hingerichtet, vier Personen starben wegen der miserablen Haftbedingungen, vier weitere entkamen der Verfolgung durch Freitod. Von sowjetischen Standgerichten wurden weitere 19 Demonstranten exekutiert, hunderte wurden zur Zwangsarbeit in den Gulags veruteilt und nach Sibirien verfachtet. Wie viele von ihnen von dort nicht zurück kamen, ist auch heute noch ungeklärt.

Schätzungen zufolge kamen im Zusammenhang mit dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 über 500 Menschen ums Leben.

Sven von Storch

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