Unabhängigkeitsreferendum in Schottland rückt näher

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Unabhängigkeitsreferendum in Schottland rückt näher
Datum: 05.01.2021 - 12:43 Uhr

Die Schotten haben keine Lust mehr, sich von der Zentralregierung Großbritanniens in London auf der Nase herumtanzen zu lassen. Seit 1707, nachdem die Königreiche von England und Schottland zwangsvereint wurden, sehnt man sich in Edinburgh, Glasgow, Inverness und den anderen Städten des Landes nach einer vollständigen Autonomie, nach einer Loslösung von London. Die Abstimmung des Brexit, die sich hinziehenden Verhandlungen, das Brexit-Abkommen und das jetzt abgeschlossene Brexit-Folgeabkommen haben diesen Wunsch nach Unabhängigkeit extrem gefördert. Ein Unabhängigkeitsreferendum rückt näher, dieses Mal mit großen Erfolgsaussichten.

Das schottische Parlament (Sturgeon, schottisch: Pàrlamaid na h-Alba) hat das Brexit-Folgeabkommen mit 92 gegen 30 Stimmen abgelehnt. Es brächte dem Land »keine Vorteile, nur massive Nachteile«, schreibt Landeschefin Nicola Sturgeon. Ihre Partei wird sich nicht mitschuldig daran machen, wie »Schottlands ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen ernsthafter Schaden« zugefügt werde.

Im September 2014, also vor mehr als sechs Jahren, hielt Schottland das bisher letzte Unabhängigkeitsreferendum ab. Damals zeichnete sich nicht einmal am Horizont auch nur schwach ein Brexit ab. Dennoch erhielten die Befürworter der Unabhängigkeit damals fast schon die Hälfte der Stimmen. Glasgow mit seinen 600.000 Einwohnern (von 5,5 Millionen in ganz Schottland) stimmte schon damals mit knapp 60 Prozent für die Unabhängigkeit. Ein neues solches Referendum würde - so die Prognose von Experten - eine überwältigende Mehrheit für die Loslösung von London ergeben. Für Nicola Sturgeon und ihre SNP stellt sich nun die Frage, ob sie das wirklich wollen.

Kleine Anekdote am Rande: auch das Parlament in Nordirland in Stormont hat das Brexit-Folgeabkommen abgelehnt. Die Abgeordneten der pro-irisch katholischen Sinn-Féin stimmten gemeinsam mit den Abgeordneten der ultra-protestantischen Ulster Unionists gegen das Abkommen. Vor wenigen Jahren mordeten sich Anhänger beider Parteien noch auf offener Straße.

Sven von Storch

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