Über 800 Mitarbeiter von Tönnies zu Unrecht in Quarantäne gehalten

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Über 800 Mitarbeiter von Tönnies zu Unrecht in Quarantäne gehalten
Datum: 30.07.2020 - 09:59 Uhr

Der vorauseilende Gehorsam hat in der Regel den Nachteil, dass die Faktenlage oftmals eine solch übereilte Aktion als falsch oder sogar gesetzeswidrig entlarvt. In einem solchen Dilemma befindet sich aktuell das Gesundheitsamt des Kreises Gütersloh. Von dort versendete man nämlich über 800 Musterbriefe an die Mitarbeiter der Großschlachterei Tönnies und verhängte auf diesem Weg eine Quarantäne über einen Teil der Belegschaft. So wurde die (politisch gewünschte?) Anzahl an angeblichen Neuerkrankungen im Kreis nach oben getrieben, weitere Zwangsmaßnahmen konnten, basierend auf einer Luftnummer, verhängt und den Betroffenen massiv Grundrechte beschnitten werden.

Wie sich jetzt herausstellt, hat sich das Kreisgesundheitsamt der Verbreitung von Fakenews schuldig gemacht. Denn die in dem Schreiben als Begründung angeführten positiven Corona-Tests und Krankheitssymptome hat es so nicht gegeben und gibt es bis heute nicht. Auch die in anderen Briefen angeführten Kontakte zu angeblich Infizierten sind völlig falsch. Denn die angeblichen Infizierten sind samt und sonders genesene Infizierte, »die als nicht mehr ansteckend gelten und bereits aus der Quarantäne entlassen worden waren«, wie es in einem Bericht bei tagesschau.de heißt.

Über 800 solcher Briefe wurden in den Städten Rietberg und Rheda-Wiedenbrück versandt. 800 Menschen wurden ohne Vorhandensein einer Rechtsgrundlage in Quarantäne genommen, ihnen wurde das Grundrecht auf Freizügigkeit vorenthalten. Eine Begründung für das Fehlverhalten wollten bisher weder Verantwortliche des Landkreises Gütersloh (Landrat Sven-Georg Adenauer von der CDU) noch der betroffenen Städte abgeben. Man schiebt sich gegenseitig die Schuld zu.

Sven von Storch

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