Strafzinsen auf Einlagen und Sparguthaben
Strafzinsen auf Einlagen und Sparguthaben
Datum: 08.06.2017 - 10:01 Uhr
Die von Mario Draghi und der Europäischen Zentralbank (EZB) zu verantwortende Negativzinspolitik bringt immer mehr deutsche Finanzinstitute unter Zugzwang. Sie müssen für ihre bei der EZB eingelagerten Geldreserven Strafzinsen an die EZB zahlen. Mehr und mehr von ihnen gehen daher dazu über, diese Zinsbelastung an die deutschen Sparer weiterzubelasten. Nach einigen privaten Geldhäusern verlangen bereits verschiedene regional und überregional agierende Sparkassen und andere Banken von ihren Kunden Zinsen für deren Guthaben. Jüngstes Beispiel dieser wenig kundenfreundlichen Politik ist die Volksbank Reutlingen, wie das »manager magazin« aktuell berichtet.
In ihrem Preisaushang droht die süddeutsche Bank Verbrauchern, die Geld bei ihr anlegen, mit Strafzinsen von 0,5 Prozent auf Guthaben auf dem Girokonto und ab 10.000 Euro auch auf dem Tagesgeldkonto. Auf Nachfrage erklärte das Institut, dass diese Änderungen »rein prophylaktischer Natur« seien und sie »lediglich die die formalen, rechtlichen Voraussetzung zum Beispiel für den Fall, dass ein Neukunde eine Million Euro bei uns anlegen will« schafften. Umgesetzt würde diese Regelung derzeit noch nicht.
Nach Recherchen des Preisvergleichsportal Verivox aus dem Dezember 2016, so heißt es in dem Bericht weiter, nimmt die Anzahl der Institute, die in Deutschland Zinsen auf Guthaben verlangen, deutlich zu. Und obwohl derzeit erst bei größeren Sparsummen diese Zinsen berechnet werden, ist davon auszugehen, dass zukünftig auch Anleger von kleineren Sparguthaben zur Kasse gebeten werden.
Die Bundesfinanzaufsicht »Bafin« geht in ihrer Prognose sogar noch einen Schritt weiter. Deutschlands Bankkunden müssten sich so oder so auf ein Ende der Kostenloskultur einstellen. »Wer Kunde einer gesunden Bank oder Sparkasse sein will, muss akzeptieren, dass das Institut aufwandsgerechte Preise verlangt und neue Ertragsquellen erschließt, wenn alte versiegen«, wird Bafin-Präsident Felix Hufeld in dem Bericht zitiert.
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