Statistisches Bundesamt rechnet gezielt Armutszahlen klein
Statistisches Bundesamt rechnet gezielt Armutszahlen klein
Datum: 15.08.2025 - 09:48 Uhr
Zwei Methoden zur Berechnung
Das Statistische Bundesamt berechnete bisher die Zahlen zur Armutsquote in Deutschland nach zwei Methoden. Doch die Ergebnisse einer Berechnungsmethode - die eine deutlich höhere Armutsquote auswies - wurden gelöscht. So seien mehr als eine Million Arme seien deshalb aus der Statistik verschwunden, sagen Kritiker. 30 teils prominente Armutsforscher werfen jetzt dem Statistischen Bundesamt vor, die Armutsquoten in Deutschland kleinrechnen zu wollen.
Eine Million Arme »verschwunden«
Schneider sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, der Vorgang sei brisant, da nach der verbliebenen Berechnungsmethode die Armutsquote deutschlandweit 2023 bei 15,5 Prozent gelegen habe, nach der gelöschten hingegen lag sie mit 16,6 Prozent deutlich höher. Die Armutsquote sei damit »mal eben um mehr als eine Millionen Menschen geringer«. Die Frage sei nun, ob es sich um gezielte Manipulation handle oder zumindest einem interessengeleiteten Vorgehen auf. Vor allem, dass die Ergebnisse der zweiten Berechnungsmethode nicht mehr veröffentlicht würden und nach Darstellung der Autoren sogar rückwirkend gelöscht wurden, betrachten die Unterzeichner als einen nicht akzeptablen Eingriff in die wissenschaftliche Freiheit.
Behördliche Willkür?
Es grenze »an behördliche Willkür, wenn ein Bundesamt Ergebnisse von allgemeinem wissenschaftlichen und öffentlichen Interesse zurückhält und damit die gesamte Fachdiskussion und öffentliche Rezeption beschnitten werden«, heißt es wörtlich in dem Schreiben der Autoren. Sie fordern Brand auf, die Entscheidung rückgängig zu machen.
Ausreden beim Bundesamt: Angeblich bessere Vergleichbarkeit durch Umstellung
Das Statistische Bundesamt ist um eine Ausrede nicht verlegen. Sie begründet die Umstellung mit einer angeblich EU-weiten Vergleichbarkeit. Bei dieser Methode würden die Einkommensarten jeweils einzeln und ausführlich abgefragt, statt nur als Gesamtsumme, so die Behörde. Aber: als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in einer Volkswirtschaft erzielt. Die Berechnungsmethoden unterscheiden sich insbesondere bei der Definition und Erfassung des Haushaltsnettoeinkommens. Heißt im Klartext: die Einkommensgrenzen zur Definition der Armut sind in den einzelnen EU-Ländern vollkommen unterschiedlich und können nicht verglichen werden.
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