St. Patricks Day - Irland wartet seit 100 Jahren auf die Wiedervereinigung
St. Patricks Day - Irland wartet seit 100 Jahren auf die Wiedervereinigung
Datum: 17.03.2022 - 10:18 Uhr
Die obige mathematische Gleichung mag verwundern, aber hierbei handelt es sich deutlich weniger um eine einfache Grundrechenart, bei der am Ende ein logisches Ergebnis herauskommt. Vielmehr handelt es sich um eine Gleichung der höheren Politik, bei der bekanntermaßen das Ergebnis nicht immer von Logik bestimmt wird.
»26 + 6 = 1« ist eine Art Initial für all die Menschen, die sich die Einheit Irlands herbeiwünschen, sogar herbeisehnen. Vor beinahe einhundert Jahren, im Dezember 1922, wurde der Irische Freistaat (»Saorstát Éireann«) nach sechs Jahren blutigen Kämpfen gegen die englischen Unterdrücker ausgerufen. Von den 32 Provinzen der Insel schlossen sich 26 zu diesem Freistaat zusammen, lediglich über die sechs Provinzen im Norden wollte auch London weiterhin die totale Herrschaft behalten. Sehr zum Leidwesen der Iren war der Irische Freistaat noch kein nach heutigen Maßstäben unabhängiger Staat, sondern hatte den Status eines »Dominions« (eine Art besser Kolonie) innerhalb des von London gesteuerten Vereinigten Königreichs. Nach wie vor war der damalige britische König Staatsoberhaupt, vertreten von einem von London bestimmten Generalgouverneur.
Für die nach Unabhängigkeit strebenden Iren konnte dieser Freistaat demzufolge nur eine Zwischenlösung darstellen. Folgerichtig war ihm auch nur eine begrenzte Lebenszeit beschieden: 1937 ersetzte dann »Éire« den Freistaat, doch auch da war noch immer nicht eindeutig geklärt, welche Staatsform dieser umbenannte Staat haben sollte. Erst am 18. April 1949 trat der Republic of Ireland Act in Kraft, die 26 Provinzen des ehemaligen Freistaats heißen seitdem offiziell »Republik Irland«.
Ungeklärt ist nach wie vor der Status der sechs Nordprovinzen Derry, Antrim, Down, Armagh, Tyrone und Fermanagh, die wie bisher von der britischen Krone beansprucht werden. Im Umfeld des Brexit erhielten die Auseinandersetzungen um die Nordprovinzen wieder neue Nahrung und nach Jahren des relativen Friedens kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Nicht zuletzt befeuert durch die EU und ihrer Forderung nach einer kontrollierten EU-Außengrenze zwischen der Republik Irland und dem Norden. Aber eine kontrollierte Grenze auf ihrer Insel ist etwas, was die Iren niemals akzeptieren werden.
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