Springer-Chef Döpfner kritisiert politische Korrektheit in Medien und Politik
Springer-Chef Döpfner kritisiert politische Korrektheit in Medien und Politik
Datum: 08.06.2018 - 08:42 Uhr
Es gibt Dinge, die den politischen Diskurs oder auch eine sachgebundene politische Diskussion abrupt beenden können. Ein Aspekt ist der Hinweis auf die Einhaltung der politischen Korrektheit. Dieser Hinweis wird in der Regel dann eingeworfen, wenn einer Seite die Argumente ausgehen. Dann wird dem Kontrahenten vorgehalten, er habe sich nicht politisch korrekt geäußert und deswegen werde die Diskussion nun beendet. Vor allem den Merkel-Kritikern und Merkel-Gegnern in diesem Land begegnen derlei Vorhaltungen recht oft; meist mangels ausreichender Argumente.
Nun äußert ausgerechnet Mathias Döpfner, Chef des Springer-Verlages, auf einer Medientagung in Wien Kritik an der politischen Korrektheit in den Medien und der Politik, wie es in einem Bericht der »Welt«, ein Erzeugnis des Springer-Verlags, heißt. Immer mehr Menschen hätten den Eindruck, »die reden nicht mehr für mich«, sagte Döpfner in seiner Rede. Mit »die« zielt er auf die Altparteien und die Mainstreammedien hierzulande ab. In der Politik und den Medien, so Döpnfer weiter, herrschten in der Zwischenzeit etliche Denk- und Sprechverbote.
Politiker und Medien sagten und schrieben nicht mehr das, was ist, sondern viel öfter, das was sein sollte. Die Bürger bekämn mehr und mehr den Eindruck, dass diese Leute nicht in der realen Welt lebten, sondern irgendwo auf einem ganz anderen Planeten.
Nun, Döpfner hat recht. Doch gerade der Springer-Verlag, eines der größten Verlagshäuser Deutschlands, ist letztlich genau für diese Entwicklung mitverantwortlich. Nicht zuletzt die versammelte Springer-Presse, von ganz oben bis ganz unten, hat einen erheblichen Anteil an der Verkümmerung der politischen und medialen Auseinandersetzung. Gerade Springer monierte die mitunter scharfzüngige Kritik an der Merkel-Politik aus den Reihen der AfD - um diese Kritik mundtot zu machen oder zu diskreditieren. Jetzt, nachdem auch Springer die Leser und Abonnenten in Scharen davon laufen, stellt man offensichtlich fest, dass man sich verspekuliert hat und stellt sich in Person von Döpfner als vom Saulus zum Paulus geläutert dar. Glaubwürdiger aber wird man dadurch auch nicht mehr.
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