Soziales Pflichtjahr auch für Senioren
Soziales Pflichtjahr auch für Senioren
Datum: 22.07.2025 - 10:09 Uhr
Ob es am Sommerloch liegt oder an der Gluthitze des Klimawandels, die zumindest die Wetterkarten regelmäßig tiefrot einfärbt – die Vorschläge und Wortmeldungen, die es teilweise durch den Äther spült, sind an Originalität kaum mehr zu überbieten. Darauf sollte man sich jedoch nicht verlassen, irgendjemand schaffte es noch immer, einen draufzusetzen. So zum Beispiel aktuell der Soziologe Klaus Hurrelmann. Seines Zeichens bereits 81 Jahre alt, ließ er in einem Interview mit dem »Spiegel« mit dem Vorschlag aufhorchen, dass auch Rentner ein soziales Pflichtjahr absolvieren sollen. Die Kriegstüchtigkeit könne man schließlich nicht nur der jungen Generation aufbürden.
Bringschuld an die Gesellschaft?
»Mit 65 – oder oft genug schon mit 63 – sind die Leute plötzlich nur noch Privat- und Urlaubsmenschen. Was ist denn das für ein Konzept?«, so Hurrelmann im Spiegel. Daher plädiert er auch für einen Pflichtdienst für Senioren am Ende ihres Arbeitslebens. »Wir sollten darüber diskutieren, wie gesellschaftliche Aufgaben wie die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit von allen Generationen getragen werden können. Die junge Generation verhält sich bereits solidarisch«, so der Soziologe, der zuvor erklärt hatte, dass man damit auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken könnte.
Dies gelinge jedoch nur, »…wenn man die ganze Gesellschaft in die Pflicht nimmt. Von den Jungen zu erwarten, dass sie im Ernstfall allein das Land verteidigen, ist nicht gerecht«. Also sollten auch die Alten ihr Scherflein beitragen. Er selbst erklärt im Interview, er empfinde eine »gewisse Bringschuld«, da er sein Leben lang als Wissenschaftler tätig war und sein Einkommen daher größtenteils aus Steuergeldern stammte. Solange es ihm möglich sei, möchte er der Gesellschaft etwas zurückgeben.
Länger Arbeiten und früher Sterben
Dabei könnten Kompagnien rüstiger Rentner auch die Rentenkassen entlasten – machte doch schon 1998 das Unwort des Jahres vom »sozialverträglichen Frühableben« die Runde. Damals hatte der Chirurg und Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) Karsten Vilmar angesichts der Gesundheitsreform der rot-grünen Regierung sarkastisch erklärt: »Dann müssen die Patienten mit weniger Leistung zufrieden sein, und wir müssen insgesamt überlegen, ob diese Zählebigkeit anhalten kann, oder ob wir das sozialverträgliche Frühableben fördern müssen.«
Denn die Reform, so Vilmar, würde zwangsläufig zu einem früheren Tod der Patienten führen. Nun scheint der Staat aufgefordert zu sein, dies selbst aktiv in die Hand zu nehmen, indem man Menschen vor dem Rentenbeginn nochmal zu einem Pflichtdienst – wieso auch nicht bei der Bundeswehr in Uniform – anhalten will.
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