Selenskij soll Ende März die ersten Kampfpanzer erhalten - und dann_
Selenskij soll Ende März die ersten Kampfpanzer erhalten - und dann_
Datum: 23.02.2023 - 08:47 Uhr
Selenskij bekommt seine immer wieder vom Wertewesten geforderten schweren Kampfpanzer. Zwar weder in der von ihm geforderten Stückzahl noch zu dem von ihm geforderten Termin, um seine vorab propagierte Frühjahrsoffensive auch nur annähernd in Betracht ziehen zu können. Außerdem hat der ukrainische »Musterstratege« einen ganz wichtigen Aspekt nicht berücksichtigt: er hat dann zwar ein paar Musikinstrumente zur Verfügung, aber ihm fehlen erfahrene Musiker, um beim Konzert der Großen mitspielen zu können.
Im militärischen Fachjargon gibt es den Begriff des »Einsatzwertes«. Dieser beschreibt die Effektivität einer militärischen Formation oder eines expliziten Waffensystems unter spezifischen Bedingungen. Eine breite Palette an Faktoren wie beispielsweise technische Eigenschaften des Waffensystems, der Ausbildungsstand der Soldaten, der Grad der Vertrautheit der Truppe (Nutzer und Führung) mit den spezifischen Eigenschaften des Systems oder die Einsatzdoktrin der Streitkräfte bestimmen den Einsatzwert. Bereits einzelne Faktoren können dazu führen, dass der Einsatzwert hoch oder niedrig ist.
Selenskijs Panzersoldaten werden derzeit im Westen, auch vom deutschen Heer, in mehrwöchigen Kursen ausgebildet. Da lernen sie die Grundzüge der Bedienung, mehr aber auch nicht. Waffensysteme werden in den Streitkräften nicht als einzelne technische Objekte, sondern als elementarer Teil eines Ganzen betrachtet, das im Rahmen des Gefechts verbundener Waffen oder Operationen verbundener Kräfte eingesetzt wird.
Militärstrategen bedienen sich daher oftmals des Vergleichs mit einem Symphonieorchester, um dieses Prinzip zu erklären. Damit ein Orchester Spitzenleistungen erbringen kann, müssen nicht nur alle einzelnen Musiker Spitzenleistungen erbringen, sondern auch die Gesamtkomposition der einzelnen Musiker muss passgenau sein in Bezug auf den Raumklang, das Zusammenspiel und die gewählten Musikstücke. Die Musiker müssen Meister ihres Fachs sein und über Spitzeninstrumente verfügen.
In einem Krieg sind die Streitkräfte das Orchester, die Soldaten die Musikanten, der Saal entspricht dem Gefechtsfeld und die Waffensysteme sind mit den Instrumenten zu vergleichen. Wenn alles aufeinander abgestimmt ist und das richtige Musikstück – die richtige Taktik – gewählt wurde, wird das Publikum – der Feind – sprichwörtlich »umgehauen.«
Genau deswegen bedarf es gerade bei den Besatzungen von Kampfpanzern lange Ausbildungszeiten. Denn dann - und nur dann - können diese Besatzungen die Systeme nicht einfach nur nutzen, sondern die Einsatzsysteme auch auf die »richtige« Art und Weise bedienen. Ohne diese intensive Ausbildung würde und wird die Leistungsfähigkeit der Waffen nicht ausgeschöpft.
Schließlich nutzt das beste Musikinstrument, zum Beispiel eine Stradivari, nichts in den Händen eines Geigenschülers. Und nichts anderes sind Selenskijs Möchtegern-Panzersoldaten nach ihrem Kurzkurs: Schüler, die gerade einmal die Prüfung bestanden haben.
Ihnen gegenüber stehen russische Panzersoldaten, die bereits seit Jahren mit ihren Waffensystemen vertraut sind; die schon am Klang des Motors erkennen können, ob Öl nachgefüllt werden muss oder ob irgendwo ein Zahnrad knirscht. Dennoch will Selenkij seine Truppen in diesen ungleichen Kampf entsenden. Die westlichen Panzer werden für seine Soldaten zu Särgen auf Ketten.
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment