Selenskij lässt drei Orte nördlich von Kharkov räumen
Selenskij lässt drei Orte nördlich von Kharkov räumen
Datum: 25.06.2024 - 10:38 Uhr
Der Kampf um Kharkov, der Hauptstadt des gleichnamigen Oblast im Nordosten der Ukraine und mit rund 1,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes, entwickelt sich zu einem Drama in mehreren Akten. Der erste Akt, der Kampf um das Umland der Stadt, ist dabei wohl schon so gut wie entschieden. Während kleinere russische Einheiten Selenskijs Soldaten in Wowtschansk nordöstlich von Kharkov unter Dauerbeschuss halten, so dass sie nicht abrücken können, werden direkt nördlich von Kharkov Fakten geschaffen. Selenskij hat die Räumung der Dörfer Lyptsi, Slobozhanske und Borschvova entlang einer nachgeordneten Regionalstraße angeordnet. Auf dieser Regionalstraße sind russische Vorhuteinheiten bereits bis auf etwa 20 Kilometer an das Zentrum von Kharkov herangerückt.
Sollte die russische Armee, und danach sieht es momentan ganz stark aus, die dortigen Stellungen einnehmen und befestigen, dürfte der zweite Akt folgen: Vorrücken der Feldartillerie in die sicheren Stellungen auf Schussweite zum Stadtzentrum von Kharkov und anschließender Beschuss der dortigen militärisch relevanten Ziele. Das wiederum würde für Selenskij bedeuten, dass ihm eine wie auch immer geartete Luftabwehr keinen Nutzen bringt. Die Vorwarnzeit bei Artilleriegeschossen liegt quasi bei Null: die Zeit zwischen Abschuss und Einschlag bewegt sich im Sekundenbereich. Je kürzer der Weg bis zum Ziel, desto eher erfolgt besagter Einschlag am Bestimmungsort.
Außerdem ist da dann ja auch noch die angespannte Lage für Selenskijs Soldaten im mittleren Abschnitt entlang der Hauptkampflinie zwischen Bachmut im Norden und Donezk im Süden. Dort hält die russische Armee ihren Druck weiter aufrecht und verschiebt jeden Tag diese Linie gen Westen. Manchmal nur um ein paar Meter, aber manchmal auch entscheidend. So haben jetzt russische Truppen die südöstlichen Stadtteile von Niu York erreicht und rücken dort weiter auf das Stadtzentrum vor. Und auch die Truppen in Tschassiw Yar bleiben unter Druck.
Es sieht nicht gut aus für Selenskij. Wie viele junge Männer will er noch für seine Politik opfern?
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