Schwedischer König zitiert Staatschef zur Unterredung
Schwedischer König zitiert Staatschef zur Unterredung
Datum: 05.09.2019 - 10:14 Uhr
1974 kam es zu einer umfangreichen Regierungsreform in Schweden. Das Königshaus übernimmt lediglich repräsentative Aufgaben, ist von der politischen Ebene so gut wie ausgeschlossen. Der jeweilige Regierungschef unterrichtet zu Beginn eines Kalenderjahres das Staatsoberhaupt umfassend, ansonsten hält sich Familie Bernadotte in der Regell strikt im Hintergrund.
Es sei denn, es ergeben sich erhebliche Probleme. Nach den Morden an Olof Palme (1986) und an Anna Lindh (2003) wie auch der Tsunami-Katastrophe in Südostasien (2004), bei der über 1.000 schwedische Touristen ums Leben kamen, trafen sich Regierungschef und König, um sich miteinander auszutauschen - jedes Mal bat der Regierungschef um eine Audienz.
Der aktuelle Regierungschef Stefan Löfven von den Sozialdemokraten hatte im Januar den obligatorischen jährlichen Austausch mit König Carl XVI. Gustav. Für Löfven waren wohl die gegenwärtigen Probleme des Landes nicht gravierend genug, als das er um eine weitere Audienz beim König bat. Der aber sieht die Situation des Landes ganz anders. Carl Gustav, dem man nun nicht unbedingt ein Übermaß an Empathie nachsagt, hat vor wenigen Wochen dadurch aufhorchen lassen, dass er sich in aller Öffentlichkeit besorgt zu der Entwicklung in Schweden äußerte. Eine Offensive, die man in der Form seitens des Königshaus nicht gewohnt und die vor allem bei den Regierungsparteien für Missbilligung sorgte.
Weil Löfven den Wink mit dem Zaunpfahl seines Königs entweder nicht verstanden hat oder verstehen wollte, hat ihn Carl Gustav jetzt zu einer Unterredung unter vier Augen in den Palast zitiert. An einen solchen Schritt können sich selbst die ältesten Schweden nicht mehr erinnern. Löfven musste gute Miene machen, durfte sich wohl jedoch einige kritische Worte des Königs anhören. Zudem wurde er mit dem Hinweis aus der Unterredung entlassen, dass der König solche Gespräche zukünftig regelmäßiger und öfter wünscht, wie es in einer Pressemitteilung seitens des Königshauses heißt.
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