Schwedens Außenministerin dementiert Pro-NATO-Entscheidung
Schwedens Außenministerin dementiert Pro-NATO-Entscheidung
Datum: 14.04.2022 - 10:22 Uhr
Zwischen den beiden Nachbarstaaten im hohen Norden Europas Schweden und Finnland gibt es viele Gemeinsamkeiten, aber auch erhebliche Unterschiede. Die Gemeinsamkeiten beruhen darauf, dass Finnland über viele Jahrhunderte Teil des Königreichs Schweden war. 1721 wurde es als Großfürstentum dem russichen Zarenreich eingegliedert und erst 1917 nach dem Frieden von Brest-Litowsk ein unabhängiger Staat. In seiner kurzen Zeit des Bestehens führte Finnland zwei Kriege gegen die damalige Sowjetunion. Zunächst 1939/40 den Winterkrieg und ab 1941 bis 1944 den sogenannten Fortsetzungskrieg, der mit dem separaten Friedensschluss am 19. September 1944 beendet war.
Schweden befand sich letztmals 1814 offiziell in einem Krieg, als es sich aktiv an den Befreiungskriegen gegen Napoleon beteiligte. Mehr als 200 Jahre ohne eine direkte Kriegsbeteiligung (abgesehen von Blauhelm-Einsätzen der UN) sind in der Zwischenzeit in der schwedischen DNA fest verankert. Das zeigt sich auch bei der Diskussion um einen eventuellen NATO-Beitritt.
Denn während die Finnen mit großer Mehrheit für diesen Beitritt sind, fehlt diese Unterstützung in Schweden. Aktuellen Umfragen zufolge wären knapp 40 Prozent der Schweden für eine NATO-Mitgliedschaft, aber auch 35 Prozent sind strikt dagegen. Wohl wissend, dass ein Beitritt zur NATO auch die Stationierung fremder Soldaten im eigenen Land bedeutete. Eine solche Vorstellung ist den Menschen im ganzen Land zuwider.
Nicht zuletzt deshalb dementierte die schwedische Außenministerin Ann Linde Meldungen, wonach die schwedische Regierung sich für einen Aufnahmeantrag in die NATO entschieden habe, scharf. Sie sagte gestern Abend dem schwedischen Sender SVT, dass es schlicht und ergreifend nicht wahr sei, dass die Regierung beschlossen habe, einen NATO-Beitritt zu beantragen.
»Wir hatten heute eine Regierungssitzung und haben über die Sicherheitspolitik diskutiert, und wenn die Regierung eine Entscheidung getroffen hätte, wäre ich darüber informiert gewesen«, sagt Ann Linde in der Sendung. »Es ist bei Weitem nicht klar, ob wir überhaupt einen Beitritt beantragen.«
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