Schweden bestätigt Ausbau der Atomkraft
Schweden bestätigt Ausbau der Atomkraft
Datum: 10.08.2023 - 09:25 Uhr
In Schweden wird bereits seit fast 80 Jahren auf Atomkraft gesetzt. Am 1. Mai 1964 ging der Reaktorblock in Ågesta im näheren Umland Stockholms ans Netz. Die Reaktorleistung war allerdings mit seinen 10 Megawatt sehr überschaubar und reichte gerade einmal dafür aus, Fernwärme für den in der Nähe befindlichen Stockholmer Stadtteil Farsta mit seinen 45.000 Einwohnern zu liefern. Insgesamt wurden an fünf Standorten Reaktoren errichtet, Ringhals mit seinen vier Reaktorblöcken war mit einer Leistung von 3.697 Megawatt das leistungsstärkste Kraftwerk, Forsmark 3 ist mit einer Leistung von 1.212 Megawatt der leistungsstärkste Einzelreaktor.
In den 1980er-Jahren begann man auch in Schweden die Nutzung von Kernkraft differenziert zu betrachten und suchte nach Alternativen. Vor allem die Wasserkraft stand weit oben auf der Liste der »sauberen Energien«, die nun intensiv ausgebaut werden sollte. Gleichzeitig sollte der Ausbau der Kernkraft begrenzt werden, so die damalige Regierung in 1980. Eine Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie, wie es vielfach und falsch behauptet wird, hat es in Schweden nicht gegeben. Man hatte damals mit dem Gedanken gespielt, einen Ausstieg bis 2000 anzustreben. Diese Zeitspanne wurde zunächst bis 2010 verlängert und letztlich 2009 ganz eingestampft. Diese Entscheidung hing auch damit zusammen, dass die Regierung 1998 beschloss, aus Umweltschutzgründen keine weiteren Wasserkraftwerke zu errichten.
Die aktuelle konservativ-freiheitliche Regierung Schwedens hat nun beschlossen, die Atomkraft im Land auszubauen. Zehn neue Reaktoren könnten dazukommen, sagte Umweltministerin Pourmokhtari in einer Pressekonferenz. Bis 2045 sollen die neuen Reaktoren fertiggestellt sein, so die Ministerin. Die Elektrifizierung von Industrie und Verkehr erfordere eine Verdoppelung der Stromproduktion, die Kernkraft werde einen großen Anteil dieser Zunahme ausmachen. Für die schwedische Regierung ist die Atomkraft »ein entscheidender Baustein auf dem Weg in eine klimafreundlichere Zukunft«.
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