Schulz droht politisch das letzte Gefecht

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Schulz droht politisch das letzte Gefecht
Datum: 07.12.2017 - 07:18 Uhr

Kurzer Rückblick: im März dieses Jahres kam Schulz wie Kai aus der Kiste auf die bundespolitische Bühne und wurde mit 100 Prozent der Delegierten-Stimmen zum neuen Vorsitzenden der SPD und Nachfolger vom entnervten und angeschlagenen Sigmar Gabriel. Im Überschwang der Gefühle und in vollkommener Fehleinschätzung der Lage erklärte sich Schulz im Hinblick auf die Bundestagswahl im September selbst zum »besten Kanzlerkandiaten« als Herausforderer von Angela Merkel.

Das war vor gerade einmal neun Monaten.

Jetzt, etliche Wahlniederlagen, Pleiten und Pannen später, ist von diesem Aufschwung nicht mehr geblieben. Auf Länderebene hagelte es Rückschläge und herbe Niederlagen. Fast bei jeder Wahl wurden die herausgegebenen Zielvorstellungen krachend verpasst. Überall, wo Schulz aktive Wahlkampfhilfe betrieb, flogen der SPD die Brocken nur so um die Ohren. Nur in Niedersachsen, der Heimat seines Vorgängers Gabriel, hielt sich Schulz im Wahlkampf zurück. Es war die einzige Wahl in diesem Jahr, die die SPD nicht gänzlich in den Sand setzte.

Der Höhepunkt der politischen Peinlichkeiten ist aber erst jetzt im Nachgang der Bundestagswahl erreicht. Drei Minuten nach Schließung der Wahllokale erklärte Schulz unter dem Eindruck des mit gerade einmal etwas über 20 Prozent Stimmenanteil historisch schlechtesten Ergebnisses der SPD bei Bundestagswahlen, dass es für seine Partei keine Neuauflage der Großen Koalition geben werde. Man habe den Willen der Wähler verstanden und werde jetzt in die Opposition gehen. Diese Haltung bestätigte Schulz noch einige Male, bis er zurückgepfiffen wurde. Jetzt tanzt er beim Bundesparteitag auf dem Drahtseil und kämpft um sein politisches Überleben.

Zwar hat sich bisher offiziell noch kein Gegenkandidat zu Schulz als Bundesvorsitzenden nominieren lassen. Doch eine Kandidatur in letzter Minute wäre auch bei der SPD keine Überraschung. Beim Parteitag 1995 sollte der damalige Vorsitzende Scharping wiedergewählt werden. Die Partei hatte einige herbe Niederlagen einstecken müssen, stagnierte in der Entwicklung und Scharping wirkte irgendwie blutleer. Mit einer emotionalen Rede wollte Lafontaine einen Weckruf starten. Am Ende war er damals der neue Vorsitzende der Partei. Die Parallelen zwischen Scharping damals und Schulz heute sind nicht von der Hand zu weisen.

Sven von Storch

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