Scheinheilige Diskussion in Deutschland über Newcastle United

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Scheinheilige Diskussion in Deutschland über Newcastle United
Datum: 04.11.2021 - 11:43 Uhr

Der Großteil der Fußballwelt schaut derzeit auf das nordenglische Newcastle upon Tyne oder genauer gesagt auf den dort ansässigen Fußballklub Newcastle United. Der 1894 gegründete Verein, aufgrund seiner schwarz-weißen Spielkleidung »Magpies« (Elstern) genannt, gehört mit zu den traditionsreichsten Vereinen Englands. Mit dieser Tradition wurde jetzt gebrochen, der saudische »Public Investment Fund« (kurz PIF, etwa 400 Milliarden Euro schwer) hat sich in den Verein eingekauft und hält 80 Prozent der Anteile.

Vor allem in Deutschland - oder auch ganz besonders bei einem im Ausland tätigen deutschen Trainer - entbrennt jetzt eine Diskussion darüber, die an Scheinheilgikeit nicht zu überbieten ist. Jener Trainer, um einmal mit ihm zu beginnen, hat offensichtlich vollständig verdrängt, dass er bei einem Verein tätig ist, der selbst nicht mehr Herr im eigenen Hause ist, sondern einem US-Konsortium gehört.

Aber geradezu absurd ist, dass sich ausgerechnet Stimmen aus dem inneren Kreis deutscher Vereine melden, die dieses Engagement aus Saudi-Arabien mit Hinweis auf die dortigen Menschenrechtsverletzungen kritisieren, ihrerseits aber selbst intensive und beste Kontakte zu nicht minder menschenrechtsverletzenden Regimen pflegen.

So hat ein Verein in der bayrischen Hauptstadt Katar als strategischen Partner und schickt jedes Jahr im Januar seine Spieler zu einem Trainingslager in den Wüstenstaat. Die Betriebssportgruppe eines norddeutschen Automobilbauers verkündet voller Stolz, dass die Volksrepublik China ein wichtiger strategischer Partner sei. Gerade so, als ob das kommunistische Regime in Peking geradezu vorbildlich hinsichtlich der Beachtung von Menschenrechten sei.

Sogar der Deutsche Fußballbund (DFB) meint, sich zu Newcastle äußern zu dürfen. Dabei hat im vergangenen Frühjahr der DFB einen Kooperationsvertrag mit Katar abgeschlossen. Die Art und Weise, wie dort die Bauarbeiter zur Errichtung der Spielstätten für die Fußballweltmeisterschaft missbraucht wurden (Niedriglohn, Entzug der Pässe, Sklavenhaltung und so weiter) spielte dabei für den DFB keine Rolle.

Im englischen Fußball ist dieses Engagement ausländsicher Investoren seit Jahren obligatorisch. Und in der Regel kommt das Geld von Einzelpersonen oder aus Kreisen, die samt und sonders diskutabel sind. Der FC Chelsea London ist das Spielzeug des russischen Öl- und Gasmilliardärs Abramowitsch. Seine Geschäfte sind mindestens umstritten.

Der Lokalrivale Arsenal spielt im »Emirates Stadion«. Aus welchem Land das Geld dafür stammt, ist selbsterklärend. Manchester City gehört zu 86,21 Prozent der »Abu Dhabi United Group Investment & Development Ltd«, der Nachbar Manchester United gehört komplett der Glazer-Familie aus den USA so wie der Liverpool Football Club vollständig im Besitz der Fenway Sports Group, einem US-Konsortium ist.

Sich also mit dem Hinweis auf Menschenrechtsverletzungen darüber zu echauffieren, dass Saudi-Arabien bei einem englischen Fußballverein einsteigt, ist schlicht und ergreifend scheinheilig. Offensichtlicht hat man nur Angst davor, dass der entsprechende Fond sein Kapital nutzt, um gute Spieler mit viel Geld an den Tyne zu locken. Das wäre gerade aus deutscher Sicht für einen besagten Münchner Verein fatal, gehörte es doch bisher zu deren Gepflogenheiten, die besten Spieler von den direkten Konkurrenten um die deutsche Meisterschaft wegzukaufen, um jene Teams zu schwächen. Nun scheint man Angst davor zu haben, dass man die eigene Medizin zu kosten bekommt.

Sven von Storch

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