Schadenersatzaffäre zum Untergang der Estonia beginnt in Frankreich

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Schadenersatzaffäre zum Untergang der Estonia beginnt in Frankreich
Datum: 19.07.2019 - 11:06 Uhr

Es war schwerer Seegang in der Nacht zum 28. September 1994 in der mittleren Ostsee südlich der Åland-Inseln. Das Fährschiff »Estonia« der Estline stampfte voll beladen durch die schwere See auf dem Weg von Tallinn nach Stockholm. Um 01.22 Uhr setzt die »Estonia« den ersten Notruf ab, doch bereits nach nur sieben Minuten riss der Funkkontakt zum Schiff ab. Nur wenig später verschwand das Schiff von den Radarschirmen der umliegenden Schiffe sowie der zahlreichen in der Region installierten Militärüberwachungsanlagen.

Klar ist, dass das Bugvisier des Schiffes den in dieser Nacht bis zu zehn Meter hohen Wellen auf Dauer nicht standhalten konnten, wegbrachen und somit das Wasser der Ostsee in Sekunden ins den Bauch des Schiffes einbrechen konnte. Das führte zum Untergang der Estonia und dem Tod von 852 Menschen.

Aber bis heute ist ungeklärt, warum dieses Bugvisier des damals 14 Jahre alten Schiffes wegbrach. Bis heute streiten sich die Experten über die Ursache. Erschwert wird die Aufarbeitung des Unglücks dadurch, dass fast alle Ostseestaaten auf Betreiben Schwedens eine Bannmeile über das Wrack der Estonia verhängt haben, Untersuchungen am Schiff nicht möglich sind. Das ist aus dem Grund besonders bemerkenswert, da vor allem in Schweden Berichte publik wurden, denen zufolge sich an Bord des Schiffes Militärmaterial aus ehemals sowjetischen Beständen befunden hatte, welches nach Schweden geschmuggelt werden sollte.

Die Ursache ist ungeklärt, dennoch beginnt heute ein Prozess um den Schadenersatz für die Hinterbliebenen der 852 Opfer des Untergangs statt. Die Anwälte der Angehörigen wollen 40 Millionen Euro Schadenersatz fordern. Beobachter gehen davon aus, dass das Gericht diese Summe akzeptieren wird. Fraglich ist bloß, wer sie zahlen soll.

Sven von Storch

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