Saudi-Arabien wandelt Todesurteil gegen Murtaja Qureiris in zwölfjährige Haftstrafe um

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Saudi-Arabien wandelt Todesurteil gegen Murtaja Qureiris in zwölfjährige Haftstrafe um
Datum: 24.06.2019 - 08:56 Uhr

Die saudische Regierung, ein von der Merkel-Regierung immer wieder hofiertes Regime, zeigt aktuell wieder einmal seine ganz eigene Sichtweise auf Menschenrechte und soziale Gepflogenheiten. In zivilisierten Ländern gelten Kinder als strafunmündig. Es gibt für Verfehlungen zwar erzieherische Maßnahmen, aber Gefängnisstrafen gegen 10-Jährige gehören nicht dazu - und die Todesstrafe gegen Kinder schon einmal gar nicht.

In Saudi-Arabien, bei den Wahhabiten, ist das anders. Dort findet die schärfste Form der Scharia als Rechtsnorm Verwendung. Die Salafisten, die hier in Deutschland täglich ihren Hass predigen und ihre unheilvolle Saat unter den Augen der Sicherheitsbehörden und politischen Verantwortlichen ungestört ausbringen dürfen - teilweise sogar von bestimmten Gruppen unterstützt und gefördert werden - predigen die selbe Form der Scharia. Da ist es nicht unüblich, dass ein Kind für seine Teilnahme an einer Fahrraddemonstration gegen das Regime zum Tode verurteilt wird.

So ist es Murtaja Qureiris ergangen. Vor acht Jahren hatte er mit Freunden an einer regimekritischen Demonstration teilgenommen. Drei Jahre später, im Alter von 13 Jahren, ließen die Saudis Qureiris verhaften und ohne Gerichtsverfahren einknasten. Erst letztes Jahr im August, so ein Bericht der New York Times, kam es zur Verhandlung gegen Qureiris, bei der er für seine Tat als Zehnjähriger zum Tode verurteilt wurde. Für regimekritische »Straftaten« sieht man in Saudi-Arabien eine besonders brutale »Ahndung« vor: der Verurteilte wird erst geköpft und dann mit dem offenen Rumpf nach unten gekreuzigt und zur Schau gestellt.

Murtaja Qureiris aber hat »Glück«: nachdem die saudische Regierung weltweit Druck wegen der Exekution von Abdulkareem al-Hawaj erfuhr (er war bei seiner Verhaftung minderjährig, saß aber so lange im Knast, bis er volljährig war und das Regime ihn dann enthaupten »durfte«), scheint man sich bei Qureiris nicht noch einmal einer weltweiten Kritik aussetzen zu wollen.

Um aber gleich den Optimismus, Saudi-Arabien könnte sich zu einem Rechtsstaat entwicklen, zu dämpfen: laut Amnesty International und den Vereinten Nationen sitzen noch immer jede Menge Kinder in den Gefängnissen des Landes ein; Kinder, von denen eine Vielzahl gemäß der Scharia zum Tode verurteilt wurden. Das saudische Regime wartet nur auf den Tag, an dem diese Kinder volljährig werden, um sie dann hinrichten zu »dürfen«.

Sven von Storch

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