Relativierungsversuche im Fall Relotius

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Relativierungsversuche im Fall Relotius
Datum: 21.12.2018 - 10:18 Uhr

Claas Relotius war eines der Aushängeschilder für knallharten, investigativen Journalismus. Sein Arbeitgeber, der »Spiegel«, rühmte sich, Relotius in seinen Reihen zu wissen; denn der hatte, wie es schien, den richtigen Riecher für die richtigen Stories. Fand ein »Flüchtling« einen hohen Geldbetrag und lieferte den pflichtschuldig bei der Polizei ab, wer wusste als erster davon? Genau, Relotius. Insgesamt 55 Texte soll Relotius für den Spiegel geschrieben haben. Wie sich jetzt nach und nach heruasstellt, soll wohl Münchhausen selbst die Feder des Relotius geführt haben. Und nun versuchen alle, die ihm zuvor noch gehuldigt haben, ihn als Vertreter einer neuen Generation feierten, ihren eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und lassen Relotius fallen wie eine heiße Kartoffel.

In diversen Medienberichten, unter anderem beim Spiegel selbst wie aber auch in der JF und bei Meedia, samt eines zweiten Artikels, geht man auf diese ganz besondere Umgangsweise mit Relotius ein. Eben noch gefeiert, jetzt gefeuert. Doch auch die Medienindustrie und ihre Protagonisten kriegen ihr Fett weg. Noch vor wenigen Tagen rühmten sie sich der Nähe zu Relotius und sonnten sich im Glanze seines Erfolgs. Jetzt jedoch will niemand mit ihm zu tun gehabt haben. Nicht nur, dass Relotius knallhart gelogen hat; selbst jetzt im Nachlauf und der Aufarbeitung dieses Skandals legt die deutsche Mainstream-Journaille eine Verlogenheit an den Tag, die ihresgleichen sucht.

Seien es die Printmedien oder der per Zwangsabgabe finanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk, die Vorwürfe der Lügenpresse, Lückenpresse oder Pinocchio-Presse erhalten so eine späte Bestätigung. Die gesamte Berichterstattung der letzten Jahre erscheint nun in einem ganz anderen Licht. Denn anders, als es Spiegel und Konsorten gerade zu verkaufen versuchen, ist Relotius eben kein Einzelfall; er steht exemplarisch für das gesamte System.

Sven von Storch

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