Randalierer in Brüssel verbreiten Chaos und Angst
Randalierer in Brüssel verbreiten Chaos und Angst
Datum: 28.11.2017 - 07:21 Uhr
Zur besten Einkaufszeit am Samstagnachmittag zertrümmerten sie zwei Schaufenster in der nahegelegenen Shopping-Meile Avenue Louise und zogen randalierend weiter ins benachbarte Stadtviertel Matongé. Private Sicherheitsdienste schlossen die Rollläden der Geschäfte, um die Randalierer nicht in die Geschäfte zu lassen. Ein Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei wurde beschädigt. Ein Reporter des flämischen Fernsehens VRT wurde während seiner Live-Schalte für die Hauptnachrichten von den Jugendlichen vor laufender Kamera derart gestört, dass die Übertragung abgebrochen werden musste.
Die Bereitschaftspolizei setzte Mannschaftswagen, Wasserwerfer und Hubschrauber ein. Sie nahm über 50 Personen vorrübergehend in Gewahrsam. Belgiens Innenminister sprach von einem organisierten Randale-System. Der sozialdemokratische Bürgermeister des Stadtteils Saint-Gilles, Charles Piqué, kommentierte pessimistisch: »Wenn die Stadtverwaltung hier nicht schnell handelt, werden wir uns vom Vertrauensverlust nicht erholen.«
Doch über die Feststellungen von Fakten und das Bekunden von Bedauern gehen Belgiens Politiker und die Brüsseler Polizei nicht hinaus. Es herrschen Ohnmacht, Chaos und Angst. In der Hauptstadt der EU ist die Polizei ohnmächtig, Randalierer zu identifizieren und dingfest zu machen. Sanktionen werden selten verhängt. Weil die eigenen Filmkameras höchstens 30 Prozent der Täter erkennbar machen, forderten Polizei und Staatsanwaltschaft die Anwohner per Twitter auf, mit eigenen Funktelefonen gemachte Fotos oder Filme zur Täter-Erkennung bereitzustellen. Betonblöcke, die seit den Terroranschlägen zum Straßenbild gehören, verhinderten den effizienten Polizei-Einsatz. Der Brüsseler Polizei fehlen 542 Vollzeit-Planstellen, in ganz Belgien fehlen gar 3.700 Posten.
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