Putin will noch einmal kandidieren
Putin will noch einmal kandidieren
Datum: 07.12.2017 - 07:48 Uhr
Lange hielt sich Putin mit einer klaren Aussage zu einer Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im kommenden März bedeckt und blieb in seinen Stellungnahmen zu diesem Thema überraschend vage. Gestern, bei einer Fabrikbesichtigung in Nischni Novgorod, von der ein Fernsehteam live berichtete, verkündete Putin, dass er seinen Hut für eine Wiederwahl in den Ring werfen werde. Mit einfachen Worten, »Ich werde meine Kandidatur für den Posten des russischen Präsidenten einreichen«, sagte er das, was von vielen Beobachtern schon lange erwartet worden war.
Seine Kontrahenten haben sich längst schon in Stellung gebracht. Neben Wladimir Schirinowski gehören zu den Bewerbern der Kommunistenführer Gennadi Sjuganow, der Liberale Grigori Jawlinski und die regierungskritische Journalistin Xenia Sobtschak. Allerdings werden deren Erfolgsaussichten als äußerst gering bewertet. In Russland herrscht nach 16 Jahren Putin eine gewisse Politikmüdigkeit. Derzeit geht man davon aus, dass die Wahlbeteiligung bei maximal 60 Prozent liegen wird; zwei Drittel davon werden Putin ihre Stimme geben.
Für einen echten Wahlkampf sind die Herausforderer zu schwach. Zwar sind Schirinowski und Sjuganow schillernde Personen und in der Öffentlichkeit durchaus bekannt. Doch entweder sind ihre politischen Vorstellung abstrus (Schirinowski fordert ein Russland in den Grenzen von 1917!) oder aber sie haben ihr Scheitern gegen Putin schon mehrfach unter Beweis gestellt (Sjuganow unterlag Putin in den Wahlen von 2008 und 2012 mit 18,5 Prozent respektive 17,7 Prozent).
Auch Jawlinski wollte 2012 bereits zur Wahl gegen Putin antreten. Weil aber rund zwei Millionen der notwendigen Unterstützerunterschriften für seine Kandidatur nach Auffassung eines Gerichtes gefälscht waren, wurde ihm die Zulassung verweigert.
Eine ganz besondere Rolle bei der kommenden Wahl fällt Xenia Sobtschak zu. Im Kreis der alten Männer (keiner ist jünger als 65) stellt die 36-Jährige nicht nur optisch einen Kontrapunkt zu den anderen Kandidaten dar. Doch der TV-Moderatorin, die sich selbst als »It-Girl« (laut Duden eine Frau, die durch ihr häufiges öffentliches Auftreten in Gesellschaft prominenter Personen und ihre starke Medienpräsenz einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist) hochstilisiert, fehlt es sowohl an politischer Erfahrung wie auch an inhaltlichen Aussagen.
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