Putin, Prigoschin, Schoigu_ Hintergründe

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Putin, Prigoschin, Schoigu_ Hintergründe
Datum: 26.06.2023 - 09:36 Uhr

Die angebliche Revolte, der Aufstand Prigoschins, angeblich gegen Putin, den die Westmedien am vergangenen Wochenende massiv herbeischrieben und -fantasierten war wohl weit weniger dramatisch als geschildert. Mit ein wenig eigener Recherche und einem Blick auf die Verknüpfungen der drei Protagonisten und ihren Beziehungen zu- und miteinander, hätte die Westjournaille selbst zu dieser Erkenntnis kommen können.

Vor allem die Behauptung, Putin sei durch die Ereignisse geschwächt, entbehrt jeglicher Grundlage. Das zeigt ein einfacher Blick auf die Geschehnisse und wie Putin die Situation entschärfte.

Prigoschin rückte mit seinen schwerbewaffneten und kriegserfahrenen Männern in Rostow am Don ein und besetzte dort einige Gebäude des Militärkommandos. Das ist unter anderem für die Versorgung der russischen Streitkräfte im Donbas verantwortlich. Die vom russischen Verteidigungsminister Schoigu versprochene Versorgung der Wagner-Truppen sollte auch über Rostow erfolgen, blieb aber trotz mehrfacher Zusage Shoigus aus. Nicht nur deswegen wurde der von Prigoschin öffentlich scharf kritisiert. Die Wurzeln für den Zwist zwischen den beiden liegen weitaus länger zurück; davon später mehr. Prigoschin besetzt also mit seinen Männern Rostow am Don und wird Augenzeugenberichten zufolge von den Menschen der Stadt als Befreier des Donbas begeistert empfangen. Weil er aber keinen hochrangigen der von ihn so scharf kritisierten russischen Generalität vor Ort antraf, lenkt er seine Truppen in Richtung Norden weiter. Eine mehrere tausend Mann starke Truppe, schwerbewaffnet, mit Panzern, automatischen Waffen, Mörsern, Granaten und allem was dazu gehört, besetzt erst eine russische Großstadt – ohne dass ein einziger Schuss fällt, ohne dass jemand verletzt oder gar getötet wird – und will dann in Richtung Moskau marschieren.

Was macht Putin? Setzt er das russische Militär in Bewegung? Stellt er den »revoltierenden« Einheiten eine Streitkraft entgegen oder lässt er zumindest Polizeikräfte auffahren? Nein, nichts von alledem geschieht. Sein Verteidigungsminister taucht ab und Putin greift zur »ultimativen Waffe«: er stellt sich vor die Fernsehkameras und erklärt seinem alten Kumpel Prigoschin (die beiden kennen sich seit den 1990er-Jahren aus ihrer gemeinsamen Zeit in Sankt Petersburg), dass diese Aktion ein Schritt in die falsche Richtung sei. »Das gefährdet unsere gemeinsamen Ziele«, sagt Putin in Richtung Prigoschin. Mehr braucht es nicht als diese kurze Ansprache Putins direkt an Prigoschin, damit dieser seine Truppen zurück in die Kasernen beordert. Keine Armee, keine Streitkräfte, nicht einmal einen einzigen Dorfpolizisten musste Putin ausrücken lassen. Und das soll angeblich seine Schwäche belegen? Hier scheint Wunschdenken des Wertewestens bei den Beitragserstellungen in schlechtester Relotius-Manier vorgeherrscht zu haben.

Prigoschin weiß ganz genau, wem er seinen eigenen Aufstieg in Russlands Hierarchie zu verdanken hat: Putin. Für Prigoschin gilt noch so etwas wie Dankbarkeit und Ehre. Deswegen hätte er nie gegen Putin aufbegehrt und schon gleich gar nicht revoltiert. Genau deswegen reichte eben auch die kurze TV-Ansprache Putins, um die Situation zu entschärfen.

Ganz anders verhält es sich mit der Beziehung zwischen Prigoschin und Schoigu. Die beiden verbindet eine echte, tiefe Abneigung gegeneinander. Diese Abneigung entwickelte sich in den vergangenen Wochen und Monaten zu einem echten Hass. Schoigu verabscheute die militärischen Alleingänge der Wagner-Verbände und neidete vor allem Prigoschin den damit verbundenen Erfolg. Beispielhaft sei hier nur der dem Kampf um Bachmut genannt. Während Schoigu einen Einsatz russischer Bodentruppen im personal-intensiven Nahkampf verweigerte, kämpften die Wagner-Soldaten Bachmut frei. Schoigu verweigerte die Lieferung der zugesagten Munition und anderer Versorgungsgüter an die Wagner-Einheiten, während die Verbände der regulären russischen Armee entlang der Hauptkampflinie im Donbas stets gut versorgt wurden. Für Prigoschin war das ein nichtwiedergutzumachender Wortbruch, eine unehrenhafte Tat. Weil Schoigu zudem aus der Öffentlichkeit abgetaucht war, bezeichnete ihn Prigoschin als Feigling und gab ihm noch eine Vielzahl wenig schmeichelhafter Namen.

Ganz anders verhält es sich mit der Beziehung zwischen Prigoschin und Schoigu. Die beiden verbindet eine echte, tiefe Abneigung gegeneinander. Diese Abneigung entwickelte sich in den vergangenen Wochen und Monaten zu einem echten Hass. Schoigu verabscheute die militärischen Alleingänge der Wagner-Verbände und neidete vor allem Prigoschin den damit verbundenen Erfolg. Beispielhaft sei hier nur der dem Kampf um Bachmut genannt. Während Schoigu einen Einsatz russischer Bodentruppen im personal-intensiven Nahkampf verweigerte, kämpften die Wagner-Soldaten Bachmut frei. Schoigu verweigerte die Lieferung der zugesagten Munition und anderer Versorgungsgüter an die Wagner-Einheiten, während die Verbände der regulären russischen Armee entlang der Hauptkampflinie im Donbas stets gut versorgt wurden. Für Prigoschin war das ein nichtwiedergutzumachender Wortbruch, eine unehrenhafte Tat. Weil Schoigu zudem aus der Öffentlichkeit abgetaucht war, bezeichnete ihn Prigoschin als Feigling und gab ihm noch eine Vielzahl wenig schmeichelhafter Namen.

Was das alles für die Zukunft bedeutet, darüber sind sich Militärepxerten und Beobachter derzeit uneins. Wir beleuchten die Optionen und Spekulationen in einem separaten Bericht.

Sven von Storch

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