Piëch belastet VW-Aufsichtsrat schwer
Piëch belastet VW-Aufsichtsrat schwer
Datum: 09.02.2017 - 08:21 Uhr
Ferdinand Piëch war im Frühjahr 2015 nach jahrelangem besten Verständnis und guter Zusammenarbeit mit Martin Winterkorn von einem zum anderen Tag auf erhebliche Distanz zu dem damaligen Vorstandsvorsitzenden gegangen und legte sein Amt als als Vorsitzender des Aufsichtsrates sowie alle seine Aufsichtsratsmandate innerhalb des Volkswagen-Konzerns ohne nähere Angabe von Gründen nieder. Heute in der Retrospektive ist bekannt, dass bereits zu jener Zeit umfangreiche Manipulationen bei der Messung der Abgaswerte der Fahrzeuge des Konzerns vorgenommen wurden.
Vor der Braunschweiger Staatsanwaltschaft, die zuständig für die Ermittlungen in diesem Skandal ist, hat Piëch angegeben, bereits im Februar 2015 die anderen Aufsichtsratsmitglieder über dieses Thema informiert und zur Rede gestellt zu haben; so schreibt es die »Bild«. Piëch selbst habe, nachdem er von einem israelischen Sicherheitsunternehmen über einen möglichen Betrug informiert wurde, zunächst den Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn unterrichtet.
Wenig später sei dann dieses Gespräch zwischen Piëch und Winterkorn auch Thema im Präsidium des Aufsichtsrates gewesen. Alle Präsidiumsmitglieder, so geht aus den Einlassungen Piëchs hervor, waren spätestens im Mai 2015 über die Vorwürfe und Vorfälle hinsichtlich der Betrügereien informiert. Zu ihnen gehören unter anderem auch der aktuelle niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Betriebsratschef Bernd Osterloh, Ex-IG-Metall-Chef Berthold Huber und Anteilseigner Wolfgang Porsche.
Besonders unangenehm sind die jetzt von Piëch gemachten Angaben für Niedersachsens Ministerpräsidenten. Er hatte mehrfach erklärt, er sei erst wesentlich später von diesen Vorgängen erfahren. Auch auf »t-online« geht Weil offensiv gegen die Aussagen vor. Diese seien »einer unabhängigen Prüfung unterzogen und als unglaubwürdig bewertet worden. Tatsächlich hat es im Frühjahr 2015 von keiner Seite Hinweise an mich gegeben, Volkswagen nehme unzulässigerweise Einfluss auf Schadstoffwerte. Davon habe ich erst am 19. September 2015 erfahren. Jede anderslautende Darstellung ist schlichtweg falsch.«
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