Papst nörgelt an deutscher Übersetzung des Vaterunser
Papst nörgelt an deutscher Übersetzung des Vaterunser
Datum: 08.12.2017 - 11:12 Uhr
Über viele Jahrhunderte war die Bibel ausschließlich in lateinischer Sprache verfügbar. Es gab die Urfassung (Vetus Latina oder auch Itala) sowie die etwas neuere Version (Vulgata). Erasmus von Rotterdam überarbeitete die Vulgata und schuf eine sprachlich modernere Variante. Die Übersetzung der Vulgata in eine andere Sprache war zwar verboten, aber Erasmus öffnete sich selbst ein Hintertürchen und veröffentliche seine Ausgabe in Latein und Griechisch, der Sprache, in der Bibel ursprünglich niedergeschrieben war. Dagegen konnte die römische Kirche keinen Einspruch erheben. Es gab zu jener Zeit zwar auch schon vereinzelte deutsche Übersetzungen der Bibel. Doch weil das offizielle Verbot der Übersetzung der Vulgata immer noch bestand, wurden die Übersetzungen nicht verbreitet.
Als Martin Luther 1522 unfreiwillig auf der Wartburg residierte, hatte er eine der von Erasmus erstellten zweisprachigen Ausgaben zur Hand. Da das Übersetzungsverbot aber nur für die lateinische Version galt, nahm sich Luther die griechische Variante vor und übersetzte diese in die deutsche Sprache. Er umging so das geltende Verbot. Seit jener Übersetzung gibt es das Vaterunser in der auch heute noch geltenden Fassung mit dem Passus »Und führe uns nicht in Versuchung«.
Nach fast 500 Jahren identischer Fürbitte fällt dem aktuellen Papst jetzt auf, dass die deutsche Übersetzung fehlerhaft sei. Die Bitte dürfe so nicht lauten, sagte er im italienischen Fernsehen. Es müsse, so Franziskus, »lasse mich nicht in Versuchung geraten« heißen. Denn nicht Er, Gott, würde jemals den Menschen in Versuchung führen; das mache nur Satan.
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