Ocean Viking an die Kette gelegt
Ocean Viking an die Kette gelegt
Datum: 23.07.2020 - 10:09 Uhr
Die selbsternannten Seenotretter von SOS Mediterranée sitzen in Marseille. Von Februar 2016 bis Dezember 2018 setzte man das bei seinem Einsatz über 40 Jahre alte ehemalige Fischereischutzschiff »Meerkatze« unter dem Namen Aquarius zur angeblichen Rettung von Schiffbrüchigen im Mittelmeer ein. Schon der Einsatz dieses Schiffes sorgte sowohl aus Umweltschutz- wie auch aus Sicherheitsgründen für Diskussionen. Zum einen war immer noch der ursprüngliche Antrieb aus 1976 im Einsatz, der in 2016 alles andere als auf dem aktuellen Stand der Technik war; außerdem aber wurde das nur 77 Meter lange Schiff bei seinen Einsätzen seitens der Betreiber derart mit Migranten vollgepfercht, dass akute Gefahr für die Menschen und das Schiff bestand. Noch bevor staatliche Institutionen das Schiff aus dem Verkehr ziehen konnten, haben die Betreiber es im Dezember 2018 außer Betrieb gesetzt.
Kaum anders verhält es sich mit der jetzt im Einsatz befindlichen »Ocean Viking«. Das ursprünglich als Offshore-Versorger (für unter anderem die norwegischen Ölbohrplattformen in der Nordsee) konzipierte Schiff ging 1985 vom Stapel und wird seit etwa einem Jahr von den sogenannten Seenotrettern im Mittelmeer eingesetzt, um Migranten vor der libyschen Küste an Bord zu nehmen und direkt in die EU zu verbringen. Wie das Vorgängerschiff ist auch die Ocean Viking technisch veraltet und, trotz geringer Umbauarbeiten, mit seinen weniger als 70 Meter länge für derlei Einsätze gar nicht ausgestattet.
Die italienischen Behörden haben diesem ganzen Treiben erst einmal einen Riegel vorgeschoben. Die Sicherheitsmängel der Ocean Viking seien derart gravierend, so die Argumentation der Italiener, dass bei weiteren Einsätzen eine extreme Gefahr für Menschenleben bestünde. Außerdem habe das Schiff in der Regel mehr Personen befördert, als im Zertifikat für die Ausrüstung von Frachtschiffen angegeben ist.
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