Nobel-Stiftung sperrt die Botschafter Russlands und Weißrusslands aus

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Nobel-Stiftung sperrt die Botschafter Russlands und Weißrusslands aus
Datum: 27.10.2022 - 13:33 Uhr

Jedes Jahr werden am 10. Dezember in Stockholm in einem feierlichen Akt die Nobel-Preise verliehen. Die  Preisverleihung geschieht aufgrund des Testaments von Alfred Nobel, der per Legat festlegte, dass mit seinem Vermögen eine Stiftung gegründet werden sollte, aus deren Zinsen ein »Preis denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben.«. Das Geld sollte zu fünf gleichen Teilen auf die Gebiete Physik, Chemie, Medizin, Literatur und für Friedensbemühungen verteilt werden. Das sind die ursprünglichen Nobel-Preise, zu denen in der Zwischenzeit (seit 1968) noch der »Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften« hinzu gekommen ist. Die Übergabe erfolgt am Todestag von Alfred Nobel.

Nobel legte in seinem Testament ganz explizit fest, dass die Vergabe frei von Beschränkungen zu erfolgen habe: »Es ist mein ausdrücklicher Wille, dass bei der Preisverteilung die Zuteilung nicht an irgendeiner Nationalität festgemacht wird, so dass der Würdigste den Preis erhält, ob er Skandinavier sei oder nicht.« Auch sollten Hautarbe, Weltansschauung oder Geschlecht keine Rolle bei der Vergabe spielen. Ausgrenzung, aus welchen Gründen auch immer, hätte Nobel nicht toleriert.

Das Nobelpreis-Komitee tritt dieses Andenken mit Füßen. Nicht nur, dass es die in Schweden tätigen Botschafter von Russland und Weißrussland von der Preisverleihung ausgrenzt, auch der Chef der größten schwedischen Regierungspartei, Jimmie Åkesson von den Schwedendemokraten, gilt auf dem Bankett als »persona non grata«.

Vom Konzerthaus, wo die Preisvergabe erfolgen wird, bis zur Begräbnisstätte Alfred Nobels auf dem »Norra Begravningsplatsen« (Nordfriedhof) sind es nur fünf Kilometer. Es wäre nicht wirklich verwunderlich, wenn Nobel bei einer derart eigenwilligen Auslegung und Missachtung seiner Absichten sich aus seiner Gruft erheben und den Komitee-Mitgliedern gehörig die Meinung geigen würde. Als ganz besonders diplomatisch, insbesondere den schwedischen Obrigkeiten gegenüber, galt Nobel zu Lebzeiten nicht.

Sven von Storch

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