Neues Dreier-Militärbündnis in Westafrika

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Neues Dreier-Militärbündnis in Westafrika
Datum: 25.08.2023 - 11:13 Uhr

Westafrika ist ein politisches Pulverfass, das schnell zu explodieren droht und zu einem neuen militärischen Krisenherd zu werden droht. Die Regierungen von Niger, Burkina Faso und Mali haben ein Militärbündnis vereinbart und gehen so auf Konfrontationskurs zur westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS. Die wiederum droht nun ihrerseits mit einer Intervention.

Die ECOWAS ist, anders als zum Beispiel die NATO, ein eher loses Bündnis westafrikanischer Staaten. Die sich nun zu einem separaten Militärbündis zusammengeschlossenen drei Staaten gehörten selbst lange Zeit zur ECOWAS, wurden in der Zwischenzeit aber suspendiert.

Vor allem die am »Wertewesten« ausgerichtete Politik der ECOWAS erzürnt immer mehr Menschen in Westafrika. Frankreich, einst die beherrschende Kolonialmacht in der Region, hat seitens der Kritiker noch viel zu viel Einfluss. Die postkolonialen Politiker verhielten sich kaum anders als die einstigen Kolonialherren, die einfache Bevölkerung sieht kaum Veränderungen für sich und schon einmal gar keine Verbesserungen. Die angebliche Demokratisierung der Länder sei nur eine Feigenblattpolitik derjenigen, die aktuell an den Hebeln der Macht sitzen.

In Guinea, Mali, Burkina Faso und jüngst in Nigeria putschten die Militärs gegen die »demokratisch gewählten Regierungen«, sehr zum Verdruss der ECOWAS und des Wertewestens. Die versuchen, mit der Ankündigung von Sanktionen und Interventionen eine Drohkulisse aufzubauen. Einziger Effekt: drei der suspendierten Länder haben dieses Militärbündnis geschlossen. Ein Angriff auf eines dieser Länder wird wie ein Angriff auf jedes dieser Länder verstanden, so die Militärs.

Vor allem sind Sarkozy und die Biden-Administration darüber empört, dass sich die besagten »abtrünnigen« Staaten vor allem bezüglich der Militärhilfe verstärkt an Russland wenden - und Russland diese mehr als nur bereitwillig leistet. Das Zeitalter von »Françafrique«, der postkolonialen Verflechtungen Westafrikas mit der einstigen Kolonialmacht Frankreichs, steht vor seinem Ende. Paris sorgt sich um seine Rohstoffquellen in der Region, die sie bisher billig ausbeuten konnte.

Sven von Storch

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