NATO-Mitglied Türkei kurz vor der BRICS-Mitgliedschaft
NATO-Mitglied Türkei kurz vor der BRICS-Mitgliedschaft
Datum: 13.09.2024 - 10:13 Uhr
Die Türkei hat einen Antrag auf Vollmitgliedschaft eingereicht. »Wir werden darüber nachdenken«, sagte der russische Präsidentenberater Juri Uschakow am heutigen Freitag gegenüber Reportern. Der Ehrgeiz der Türkei, Mitglied der BRICS-Gruppe zu werden, bestehend aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, ist somit erneut ins Rampenlicht gerückt.
BRICS, das 2023 um vier neue Mitglieder erweitert wurde – Iran, Ägypten, Äthiopien und die Vereinigten Arabischen Emirate – wird oft als russisches Gegengewicht zu westlich geführten Organisationen wie der EU, den G7 und der NATO angesehen, obwohl der Gruppe formale Strukturen und einheitliche Regeln (noch) fehlen, die im Westen gelten, wo die USA an der Spitze stehen. Für die Türkei, einen langjährigen Verbündeten der USA und seit 1952 Mitglied der NATO, wird der Antrag auf BRICS-Beitritt als Teil der umfassenderen Geopolitik des Landes betrachtet.
George Dyson, leitender Analyst bei Control Risks, erklärt, dass dieser Schritt im Einklang mit der umfassenderen geopolitischen Reise der Türkei steht: sich als unabhängiger Akteur in einer multipolaren Welt und als eigenständiger Machtakteur zu positionieren, der nicht unbedingt vollständig von den USA abhängig ist. Das bedeute nicht, dass die Türkei den Westen völlig im Stich lässt, sagte Dyson gegenüber MSNBC und fügte hinzu: »Aber die Türkei möchte so viele Handelsbeziehungen wie möglich fördern und Chancen aus eigener Kraft nutzen, ohne sich durch die Richtung der westlichen Welt einschränken zu lassen.«
Trotz jahrzehntelanger Zusammenarbeit mit Europa und den Vereinigten Staaten stößt die Türkei bei ihrem Antrag auf EU-Mitgliedschaft, einem seit langem heiklen Thema für Ankara, auf anhaltenden Widerstand. Der ehemalige US-Botschafter und jetzt in Istanbul ansässige Analyst Matthew Bryza erklärt gegenüber MSBNC, dass Erdogan und seine Regierung »den Westen aufrütteln wollen«, sowohl aus emotionaler Verärgerung als auch als Verhandlungstaktik, um Zugeständnisse zu erzwingen. In den letzten Jahren hat die Türkei ihre Rolle in der globalen Diplomatie ausgebaut und bei Verhandlungen beispielsweise zwischen der Ukraine und Russland vermittelt.
Gleichzeitig hat das Land davon Abstand genommen, sich an Sanktionen gegen Russland zu beteiligen, eine Haltung, die die EU und den Westen verärgert, aber die unabhängige Rolle der Türkei stärkt. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Arda Tunca betont, dass es bei dem Wunsch der Türkei, den BRICS beizutreten, darum geht, die Abhängigkeit von entwickelten Volkswirtschaften, insbesondere den Vereinigten Staaten, zu verringern und die Zusammenarbeit mit Schwellenländern zu stärken.
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