Misstöne und Irritationen vor dem finalen Sondierungstag

Veröffentlicht:

Misstöne und Irritationen vor dem finalen Sondierungstag
Datum: 11.01.2018 - 10:06 Uhr

Eins steht bereits vor dem Ende der Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD zum Ausloten einer Neuauflage der Großen Koalition (GroKo) fest: einen Sieger kann und wird es nicht geben. Zu diesen Gesprächsrunden haben sich die Verlierer der Bundestagswahl im September 2017 versammelt und versuchen verzweifelt, ihren politischen und persönlichen Gesichtsverlust vor einem Totalschaden zu bewahren. Merkel hat die CDU auf etwa 26 Prozent (ohne CSU) heruntergewirtschaftet, unter Schulz hat die SPD ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl eingefahren und liegt in Umfragen aktuell unter 20 Prozent; und Seehofers CSU verlor in Bayern bei der Bundestagswahl zweistellig und kommt in Umfragen zur Landtagswahl nicht einmal mehr auf 40 Prozent. 

Im Überlebenskampf der Drei versucht nun jeder, seinen Kopf irgendwie aus der Schlinge zu ziehen und zu punkten. Wenn es sein muss, auch zu Lasten der anderen Beteiligten. So verplapperte sich Armin Laschet (CDU) gezielt, um trotz vorher festgelegten Maulkorbs gegenüber den Medien über Gesprächsinhalte, ein paar Wertungen zu erlangen. Das verärgerte die ohnehin verschnupfte Andrea Nahles (SPD), die entsprechend verärgert in die bereitgestellten Mikrophone krächzte. Doch weil das ja erst der Ausgleich war und die SPD nun unbedingt in Führung gehen wollte, trat ausgerechnet Schulz ans Rednerpult und kritisierte die Indiskretionen der Union.

Das mag vermutlich damit zusammenhängen, dass Schulz derjenige ist, der unabhängig vom Ausgang der Gespräche ohnehin in den rückwärtigen Körperteil gekniffen ist. Er war es, der am Wahlabend drei Minuten nach Schließung der Wahllokale vollmundig verkündete, dass er das Votum der Wähler erkannt haben wolle und das Ende der GroKo verkündet. Auch Nahles lehnte sich mit ihrer Aussage, dass es für die Union jetzt »auf die Fresse« gebe, relativ weit aus dem Fenster. Beide mussten in der Zwischenzeit ordentlich zurückrudern und sitzen jetzt mit denen, die »auf die Fresse« kriegen sollten, hinter verschlossenen Türen in Geheimverhandlungen. Für eine politische Zukunft sind solche Zick-Zack-Kurse in der Regel nur bedingt hilfreich.

Sven von Storch

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.

PayPal

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Add new comment

CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.